Aus Werkstatt wird Wohnraum
Umbau im griechischen Ermionida von Naki Atelier
Auf der griechischen Halbinsel Peloponnes verwandelte die Architektin Anastasia Naki eine frühere Industriehalle in eine lichtdurchflutete Wohnung. Glasbausteine, ein markantes Farbkonzept und gezielte Materialkontraste prägen den atmosphärischen Umbau.
In der malerischen Region Ermionida, rund drei Autostunden südwestlich von Athen, treffen Olivenhaine, antike Stätten und zerklüftete Buchten auf eine Architektur, die Klarheit, Materialien und Licht in den Mittelpunkt stellt: Sie ist geprägt von reduzierten Volumen, Naturstein, weißen Flächen und einem feinen Gespür für das mediterrane Tageslicht.
Limitierte Ressourcen
Auch für die ortsansässige Architektin Anastasia Naki von Naki Atelier war der Umgang mit Licht eine zentrale Aufgabe beim Umbau eines ehemaligen Maschinenbaubetriebs. Das eingeschossige Bestandsgebäude erstreckt sich zwischen einer schmalen Straße und einem rückwärtigen Hof und verfügte ursprünglich lediglich an der Straßenseite über schmale Fensteröffnungen als natürliche Lichtquelle.
Semitransparente Lichtfilter
Naki reagierte auf diese Einschränkung mit einem einfachen, aber wirkungsvollen Eingriff: Sie integrierte großformatige Glasbausteine rund um den Eingangsbereich des Apartment V. Die semitransparente Wand filtert das Tageslicht nur minimal, wahrt zugleich die Privatsphäre der Bewohner*innen und erzeugt ein changierendes Wechselspiel aus Licht, Schatten und Reflexion.
Raum im Raum
Den neu organisierten Wohnbereich gliederte die Architektin in zwei Zonen: einen großzügigeren, multifunktionalen Aufenthaltsraum zur Straßenseite hin und einen privaten Rückzugsbereich mit zwei Schlafzimmern und einem Badezimmer, der an einen ruhigen Hinterhof grenzt. Ein offener Flur mit kleiner Küchenzeile führt zu den Schlafräumen, während gegenüber die Hauptküche samt Essplatz das Zentrum der Wohnung bildet.
Architektur in Schichten
Ein Zwischengeschoss aus Stahl überspannt den Essbereich und schafft zusätzliche Nutzfläche für Stauraum und Rückzug. Gleichzeitig ändert es die Raumwirkung: Die Höhe von 4,20 Metern wird durch die Einziehung optisch reduziert, was zu einer wohnlicheren, intimeren Atmosphäre beiträgt – ohne den offenen Charakter aufzugeben.
Materialkonzept mit Geschichte
Anastasia Naki verbindet in ihrem Entwurf industrielle Referenzen mit zeitgenössischem Design. Die Stahlrahmen erinnern an die frühere Nutzung des Gebäudes, während maßgefertigte Einbauten aus Edelstahl den funktionalen Charakter des neuen Wohnraums unterstreichen. Ein grafisches Leitmotiv zieht sich dabei durch das gesamte Projekt: ein kräftiges Signalrot.
Farbe als Verbindungselement
Diese markante Farbe findet sich an der Fassade, beim Zwischengeschoss und bei der skulpturalen Treppe wieder, die sich im rechten Winkel aus dem Küchenbereich nach oben windet. Das Rot verbindet Innen- und Außenraum, strukturiert die Wohnbereiche – und verleiht dem Projekt eine starke visuelle Identität.
Taktile Kontraste
Ergänzt wurde das Materialensemble durch den gezielten Einsatz von Textur und Farben: Farbige Fliesen im Bad und in der Küche treffen auf grünen Marmor von der griechischen Insel Tinos, grobe Stoffe und unbehandeltes Birkensperrholz. So entsteht im Apartment V ein spannungsvolles Gleichgewicht aus Rohheit und Wärme, Struktur und Klarheit.
FOTOGRAFIE Thanos Palaskos | Bessawissa Studio Thanos Palaskos | Bessawissa Studio
| Projektname | Apartment V |
| Entwurf | Naki Atelier |
| Ort | Ermionida, Griechenland |
| Fläche | 95 Quadratmeter |
| Fertigstellung | 2024 |
Mehr Projekte
Räume ohne Raster
Ein radikal geöffneter Grundriss von RDTH architekti in Prag
Wohnen in der Beletage
Umbau einer Altbauwohnung in Charlottenburg von Batek Architekten
Grauzone mit Aussicht
Puristisches Rooftop-Apartment von unprofessional.studio in Taipeh
Generationswechsel im Siedlungshaus
atelier brum baut Kölner Reihenhaus in offenen Wohnbau um
Transluzenter Blockbau
Wohnturm aus Glas und Gitter von Studioninedots in Amsterdam
Skulpturaler Unterschlupf
Nachhaltige Holzhütte in den Pyrenäen
Helix aus Stahl
Architettura Tommasi gestaltet Loft in historischem Adelspalast in Padua
Glutroter Kokon
Reihenhaus-Modernisierung von Pablo Sanchez Lopez in London
Beton und Behaglichkeit
BekArch transformiert eine Prager Backstube in ein helles Studio-Apartment
Urbaner Lückenfüller
Zwei Wohnbauten von Pend in Edinburgh
Fifty Shades of Marble
Mistovia verwandelt einen Krakauer Rohbau in ein Zuhause mit Atelier
Haus der Gegensätze
Architektura baut in der Nähe von Prag ein ungewöhnliches Familiendomizil im Wald
Holz in Bewegung
Wohnhaus im Tessin mit außergewöhnlichem Parkett
Brücke zum Meer
Wochenendhaus von Omer Arbel in Kanada
Ziegel im Zentrum
Umbau eines Siedlerhauses in der Uckermark von Klöpfel Zeimer Architekten
Zwischen Erhalt und Erneuerung
Umbau eines Fischerhauses von Bea Portabella und Jordi Pagès in Cadaqueés
Licht im Laub
Wohnhaus mit Anbau von ConForm in London
Renaissance auf Mallorca
Umbau eines historischen Stadtpalais von Nøra Studio
Zeitlos in Valencia
Balzar Arquitectos gestalten eine Altbauwohnung mit Wabi-Sabi-Ästhetik
Präziser Eingriff im Bestand
Umbau eines Einfamilienhauses im St. Galler Rheintal von Studio Micha Gamper
Neue Freiheit
Umbau eines Madrider Wohnhauses von Extrarradio
Wohnen zwischen den Klimazonen
Apartments für Studierende von EMI Architekt*innen in Regensdorf
Blaues Herz
Umbau eines Weinguts in Portugal von Arquitectura-G
Der Sonne entgegen
Nachhaltiges Einfamilienhaus in Holzrahmenbauweise an der Costa Brava von Clara Crous Arquitectura
Glashaus mit vielen Gesichtern
Kresta Garden House von Lucas y Hernández-Gil bei Madrid
Gekonnt gegliedert
Wohnungsumbau von DG Estudio in Valencia
Platte mit Weitblick
Umbau im Berliner Hochhaus von Christopher Sitzler
Bewegung im Rohbau
Achtsamkeitsstudio ANTI im Brandlhuber-Haus in Berlin
Athener Essenz
Sensible Stadthaus-Modernisierung von Local Local
Domestic Dancefloor
Clubkultur in einem Berliner Apartment von Studio Karhard