Mehr Platz fürs Wesentliche
Umbau eines Backstein-Cottage in London von ROAR Architects
Das Londoner Architekturbüro ROAR hat in seiner Heimatstadt ein altes Gärtner-Cottage um einen lichtdurchfluteten Anbau erweitert. Natürliche Materialien lassen das Projekt Newton Park Place optisch mit dem Garten verschmelzen.
„Don’t Move, Improve!“ lautet der Name einer Kampagne, die Londoner Hausbesitzer*innen dazu ermutigen möchte, ihre Häuser umzubauen statt auszuziehen. Denn viele finden die historischen Bauten – gemessen an heutigen Standards – zu dunkel. Die Räume sind ihnen oft zu klein oder es fehlt schlicht ein Zimmer. Auch energetisch entsprechen die Gebäude nicht dem aktuellen Stand. Das Bündnis New London Agenda (NLA) als Initiator stellt daher gelungene Beispiele für Umbauten auf seiner Website vor und lobt jedes Jahr einen Preis aus. Auf diesem Weg wurde Kelly Johnson, Besitzerin eines Einfamilienhauses im südöstlichen Vorort Chislehurst, auf das Architekturbüro ROAR aufmerksam, das sich auf Um- und Anbauten bei Bestandsgebäuden spezialisiert hat.
Mut zum Holz
Ihr von dem Architekten Ernest Newton um die Jahrhundertwende entworfenes Haus mit asymmetrischem Grundriss und Fenstern ließ sie bereits 2007 zum ersten Mal umbauen, den viktorianischen Stil imitierend. Auch dieses Mal hatte Kelly Johnson zunächst einen Backsteinanbau im Sinn. Das Team von ROAR Architects konnte die Bauherrin jedoch von einer leichteren, zeitgemäßen Variante überzeugen. Für den unter Denkmalschutz stehenden Newton Park Place konstruierten sie einen Anbau aus Eichenholz, der mit einer Holzfaserdämmung versehen wurde. Der Tischler Tim Gaudin stellte ihn in seiner Werkstatt in Devon her und demontierte ihn vor dem Transport, um ihn anschließend in London wieder aufzubauen.
Platz zum Leben
Während sich viele Bauherr*innen für einen offenen Grundriss entscheiden, wünschte sich Kelly Johnson auf den dreißig zusätzlichen Quadratmetern zwei getrennte Räume für Küche und Esszimmer sowie das Wohnzimmer. Selbst für ein kleines WC war dank der kompakten Planung noch Platz. Auch von außen ist diese Unterteilung nun sichtbar. Durch die leicht hervorspringende Küche wirkt der Raum umso heller. Das Esszimmer ist in einem zurückgesetzten, seitlichen Teil des Anbaus untergebracht. Es wird durch ein Oberlicht und ein Panoramafenster zum Garten mit Tageslicht versorgt. Eichenbalken schaffen eine warme Atmosphäre. Für die Weinsammlung ihrer Auftraggeberin entwarfen die Architekt*innen einen drei Meter tiefen, spiralförmigen Weinkeller.
Grüne Weite
Über vier Meter breite Faltfenster öffnet sich das Wohnzimmer zum Garten. Dort haben die Planer*innen eine lange Sitzbank installiert, deren floral gemustertes Polster die Verbindung zum Garten herstellt. Eine Pergola aus Holz nimmt die Struktur der Dachkonstruktion auf. Pflanzen rahmen die Terrasse zusätzlich ein und werden mit der Zeit einen grünen Sonnenschutz bilden. Gräser und Wildblumen wachsen bereits auf dem Dach des Anbaus und bereichern die Aussicht aus dem Schlafzimmer im ersten Stock. Solarpaneele senken die Energierechnung der Bewohner*innen.
Kleiner Garten, klar gegliedert
Die Landschaftsarchitektin Lilly Gomm nahm die Architektur des Hauses als Ausgangspunkt für die Gartengestaltung. Großformatige Pflastersteine ebnen den Weg. Trotz der überschaubaren Fläche definierte sie mit Sitzgelegenheiten zwei Bereiche: einen am Teich, den anderen unter Bäumen. Beide sind durch Einfassungen aus Tonpflastersteinen abgegrenzt. In den ausgewählten Materialien setzt sich die Ästhetik des Eichenholzanbaus fort. Eine lockere Bepflanzung im mediterranen Stil unterstützt die lokale Artenvielfalt.
Lebensraum als Lebenstraum
Nach Ansicht von ROAR-Mitbegründer Craig Rosenblatt spiegelt das Projekt Newton Park Place die besondere Herangehensweise seines Architekturbüros beim Bauen im Bestand wider. „Was die natürlichen Materialien, die Raumqualität und den nachhaltigen Ansatz angeht, ist es genau das, was wir mit unseren Wohnprojekten anstreben. Wir haben das Gefühl, dass dieses historische Haus sehr aufgewertet wurde“, sagt Rosenblatt. Kelly Johnson stimmt ihm zu: „Wir sind absolut begeistert von dieser Erweiterung. Sie hat unser Haus verändert und einen Raum geschaffen, den wir wirklich genießen.“ Das Team von ROAR hat es geschafft, den Charme des Altbaus mit einem modernen Anbau zu verbinden, der den Garten und die Natur ins Haus holt.
FOTOGRAFIE Chris Wharton Chris Wharton
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