Umbau im Anbau
Gianni Botsford erweitert Fosters Londoner Frühwerk
Auch Norman Foster fing einmal klein an. Seinen mehr als 50 Jahre alten Erweiterungsbau eines Londoner Einfamilienhauses brachte das Team von Gianni Botsford Architects auf Vordermann und ergänzte ihn im Reciprocal House durch einen Neubau.
Seit 1968 wird das ehemalige Kutscherhaus in London mit einem Anbau aus Glas und Beton als Wohnhaus genutzt. Kein Geringerer als Norman Foster plante damals die geradlinige Erweiterung des Bestandsgebäudes. Zu jener Zeit stand Foster noch am Anfang seiner Karriere. Patty Hopkins, die später das Büro Hopkins Architects mitgründete, war Projektleiterin.
Neues Haupthaus
Gestalterisch nimmt die Konstruktion viel von Fosters späterem Stil vorweg und sie passt auch heute noch gut in die Zeit. Nach fünfzig Jahren standen allerdings eine energetische Sanierung und eine strukturelle Ertüchtigung an. Das Hauptgebäude aber, ein Kutscherhaus aus dem 19. Jahrhundert, musste weichen. Die Bauherr*innen ließen es durch einen dreigeschossigen Neubau ersetzen, der mit seiner Dachkonstruktion Bezug auf den Vorgänger nimmt. Gianni Botsford Architects planten ihn als eine Verlängerung des Foster-Baus, als einen Dialog zwischen Alt und Neu – daher auch der Projektname Reciprocal House.
Verbindende Materialien
Im Erdgeschoss geht der Wohn- und Essbereich fließend vom An- in den Neubau über. Durch ähnliche Materialien wie Sichtbeton, Stahlstützen und Aluminiumrahmen erscheinen beide als eine Einheit. Lediglich eine Stufe zeigt den Übergang zwischen Alt und Neu an. Die Küche mit Fronten aus Aluminium haben Gianni Botsford Architects eigens für das Haus geplant und von einem Londoner Unternehmen herstellen lassen. Eine ebenfalls in Aluminium eingefasste Wendeltreppe reicht vom Untergeschoss mit Arbeitszimmer und Kino bis zu den Schlafzimmern unter dem Dach. Darüber versorgt ein rundes Fenster die Räume nicht nur mit Tageslicht. Es lässt sich auch öffnen und schafft eine natürliche Ventilation.
Ungewöhnliche Geometrien
Die drei Schlafzimmer im zweiten und dritten Stock blicken auf die großzügige Dachterrasse. Aluminiumsegel an den Seiten schützen vor Blicken, Sonne und Geräuschen. Farblich harmonieren sie mit den hohen Bäumen und dem Grün der Umgebung. Die leicht abgeschrägte Dachform schafft im Inneren interessante Raumgeometrien, die durch entsprechende Schiebetüren unterstrichen werden. Mitten in London genießen die Bewohner*innen vom Bett aus den Blick ins Grüne. Auch das Flachdach wurde bepflanzt. Den Wasserverbrauch reduziert ein Recyclingsystem für Grau- und Regenwasser. Wiederverwertet wurden auch die Ziegel des alten Kutscherhauses: Sie dienen im Garten als Begrenzung der Einfahrt.
Wenn Gianni Botsford über sein Projekt spricht, bedient er sich gerne einer Analogie aus der Natur. Wie sich eine Tier- oder Pflanzenart ihrer Umgebung anpasst, habe sich auch das Reciprocal House mimetisch eingefügt. Sein Neubau denkt Norman Fosters Gestaltungsansatz weiter und überführt ihn in die heutige Zeit.
FOTOGRAFIE Schnepp Renou Schnepp Renou
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