Projekte

Balanceakt aus Beton

Drei Gästehäuser von Mork-Ulnes im Norden Kaliforniens

von Anne Meyer-Gatermann, 22.12.2018

Drei Kammern aus Beton klammern sich an einen steilen Hang und wagen sich bis über den Scheitelpunkt hinaus. Während sich im Inneren der versetzten Kuben der Raum nach Norden zu einer luftigen Weite öffnet, bleibt der Rücken von Sichtbeton geschützt. Casper Mork-Ulnes hat dieses raue Refugium im Norden Kaliforniens geplant und realisiert.

Sonoma County ist ein nordkalifornisches Weinanbaugebiet: Die Region bietet nicht nur edle Tropfen und ein sommerliches Klima, sondern wird auch immer wieder, zuletzt im Herbst 2018, von Waldbränden verwüstet. Deshalb wünschten sich die Bauherren – eine fünfköpfige Familie – für ihr Gästehaus einen feuerresistenten Baustoff. Die Wahl fiel auf Sichtbeton. Den ersten Stresstest hat der Bau schon bestanden: Bei verheerenden Waldbränden im Jahr 2017 wurde das Anwesen von den Flammen verschlungen. Wälder und Wiesen haben sie vernichtet, doch das Gästehaus, das sich zu dem Zeitpunkt noch im Bau befand, konnte das Feuer überstehen.

Mittlerweile sind die Bauarbeiten abgeschlossen. Die drei Häuser auf quadratischem Grundriss stehen Seite an Seite und sind auf das Wesentliche reduziert: Schlafzimmer, Bad und Terrasse. Die Dächer sind wie Deckel von Joghurtbechern leicht konkav, sodass ihre Form mit der benachbarten Gebirgskette korrespondiert und der Giebel den Blick über den Canyon zu den Berggipfeln lenkt. Gleichzeitig schattieren sie die Terrassen.

Nach Süden und zur Straße hin zeigen die Häuser mit quadratischem Grundriss eine verschlossene Rückenansicht, hinter der sich jeweils ein Gang mit einem separaten Entree befindet. So sind die Innenräume vor der kalifornischen Sonne geschützt. Kleine quadratische Fenster an der Westseite werfen Tageslicht in die Bäder.  Dem ersten Anschein nach verschanzt sich der Betonbau, doch im Inneren ergießen sich Licht und Luft in die Schlafräume. Mit dem Ausblick auf den Canyon entfaltet sich ein weiter Raum. An der Nordseite schiebt jedes Haus jeweils seine verglaste Ecke wie einen Schiffsbug in den Canyon.

Für die Gäste der Bauherren ergibt dies Räume, die sowohl Intimität als auch Privatsphäre zulassen. Wer will, kann sich vom Bett aus zuwinken, wer nicht, schließt die Vorhänge. Besonders in den Bädern entfaltet der Sichtbeton seinen minimalistischen Charme – sogar die Waschtische sind aus dem Baustoff gefertigt. Dazu passend haben die Planer die Spülbecken und die formschöne Armatur 590B von Vola in Grau gewählt.

Das Grundstück bietet nur einen schmalen bebaubaren Streifen. Weil die Familie sich außer den drei Unterkünften auch einen Pool wünschte, rückte das skandinavische Studio Mork Ulnes Architects die Baukörper der Gästehäuser über den Scheitelpunkt des Hangs hinaus. Das verschaffte ihm nicht nur mehr Fläche, sondern einen ungestörten Ausblick über den Canyon und klimatische Vorteile: Zur Südseite hin sind die Kubaturen geschlossen, sodass es innen auch dann kühl bleibt, wenn die Sonne brennt.

Von außen betrachtet hat der Bau einen beinahe wehrhaften Charakter, weil er sich komplett in Beton gewandet zeigt. Hier sind in den Baustoff Abdrücke der Schalung eingeprägt – das verleiht ihm nicht nur eine interessante vertikale Struktur, sondern ist auch eine eingeflochtene Reverenz an die Geschichte der Holzproduktion der Region. Innen ist der Beton an den Wänden porös und an der Decke glatt verarbeitet. Kontrastierend dazu haben die Planer Türen aus Pinienholz mit organisch geschwungenen Griffen gewählt.

Umgeben von Pinien und Manzanita-Sträuchern hat Casper Mork-Ulnes einen Unterschlupf geschaffen, der Schutz vor der Wildnis bietet und gleichzeitig ein interessanter architektonischer Balanceakt aus Beton und luftiger Weite ist.

Links

Vola

Weltweit schätzt man VOLA Armaturen wegen ihres zeitlosen Designs. Sie werden aus den hochwertigsten Materialien in Dänemark hergestellt, sind wassersparend und generationenübergreifend in Benutzung. Dank ihres Baukastensystems bieten sie eine große Vielzahl an individuellen Einsatzmöglichkeiten an.

Zum Showroom

Architektur:

Casper Mork-Ulnes

Fotos

Bruce Damonte

Rigde House

Gästehäuser in Sonoma County. Wohnfläche: 153 Quadratmeter Bauphase: Januar 2016 bis Juni 2018

Tiny House in New York

Eskapismus auf 17 Quadratmetern: Mit Miniküche, Bad und Bett ausgestattet, lässt sich dieser Prototyp als Wochenendhaus, Unterkunft für Gäste, Musikstudio oder kreativer Rückzugsort nutzen.

Zum Projekt

Mehr Projekte

Bad mit Autobahncharme

Minimalistischer Umbau eines Apartments von DIALECT in Antwerpen

Treppe wird Raum

Umbau eines Reihenhauses in London von Fraher & Findlay

Akzente im Bad

Reduziertes Gestaltungsprinzip mit farbigen Armaturen von Vola

Waschen als Kinderspiel

Berliner Kita mit klaren Farben und Duschwannen von Bette

Zeigt her Eure Bäder

Badobjekte von Bette als zentrales Element in Rothenburger Boutique-Hotel

Baden in Barcelona

Raúl Sanchez plant eine Wohnung mit dem Badezimmer als Zentrum

Wiedergeburt einer Ikone

Poul Henningsens einstige Villa in Kopenhagen

Bad mit Bowie

Zähne putzen mit Ziggy Stardust: Einfamilienhaus in Dublin.

Finnische Wüstensauna

Finnische Tradition in der Wüste: Sauna im Black Rock Desert in Nevada.

Abstrakte Raum-in-Raumlösung

In der Casa Duende Duratex von Nildo José bildet eine kompakte Funktionsbox den Mittelpunkt.

Techno und Terrazzo

So lässig wie eine Bar: Zahnarztpraxis für Ästheten.

Swimming Wonderland

Märchenhafte Bade- und Sportoase: der Loong Swim Club in Suzhou des Shanghaier Studios X+Living.

Monsieur Etienne: Loft in Paris

Fließende Raumstrukturen: Apartment von Atelier du Pont.

Modernes Badehaus

Hommage an die chinesische Badekultur: Boutique-Hotel von Neri & Hu.

Poesie im Quadrat

Ein Wohnzimmer mit Badestelle von i29 in Vinkeveen

Spieglein, Spieglein

In diesem japanischen Friseursalon hängen keine Spiegel an der Wand, und es geht auch nicht darum, wer am schönsten ist.

Mit Farben lernen

Lënster Lycée von G+P Muller architectes

Spaziergang mit Schildkröte

Das Luxushotel Tortue in Hamburg

Tête-á-tête mit Baumkronen

The Fontany von Störmer, Murphy and Partners in Hamburg

Have a nice trip

Karim Rashids Designwelt in einem St. Pauli-Hotel

Relax Underground

Diskret und bizarr: Lenka Míková hat ein Prager Kellergewölbe in ein mysteriöses Love Hotel verwandelt.

Poetisches Raster: Wohnhaus in Australien

Ein Haus aus drei Teilen, für Bewohner und Gast.

Leben auf allen Ebenen

Ein Wohnexperiment von Tato Architects

Kupfertupfer

Frederic Kielemoes gestaltet minimalistisches Interior in Gent

Schaumbad über den Dächern

Das InterContinental Ljubljana vom Münchner Büro Wrightassociates

Schaufenster in den Wald

Tiny House in New York von Bjarke Ingels

Berg, Bond und Beton: Alpine Spa in Bürgenstock

Der Anbau des exklusiven Schweizer Bürgenstock Resorts ist eine minimalistische Gebäudeskulptur, die den Bezug zur Landschaft sucht.

Viele Fliesen: Miniloft in Vilnius

Das Bad ist das neue Schlafzimmer: Die Architekten von YCL Studio nehmen es mit diesem Umbau wörtlich.

Alle guten Dinge

Apartmentumbau von Miriam Barrio in Barcelona

Cliffhanger am Fluss: Wochenendhaus in Japan

17 Meter oberhalb des Flusses: Dieses Wochenendhaus basiert auf einer beeindruckenden Betonkonstruktion.