Projekte

Vernetzt im Kirschgarten

Wohnhaus in Mittelfranken im Einklang mit der Natur und auf technisch höchstem Niveau

von Tim Berge, 07.03.2017

Außen Sichtbeton, Holz und Cortenstahl – innen Smart Home. Das Wohnhaus in Mittelfranken steht inmitten eines idyllischen Gartens voller Obstbäume. Innen und Außen führen dank der modernen und transparenten Architektur einen spannenden Dialog. Seit kurzem ist der Neubau auch auf technisch neuestem Stand und bietet seinen Bewohnern ein Plus an Sicherheit und Komfort sowie Zeit- und Energieeinsparungen.

Das Haus wurde bereits 2002 errichtet. Nach einem Verkauf wollte der neue Besitzer den Bau zu einem Smart Home aufrüsten und wandte sich an den renommierten Fachmann für intelligente Gebäudesteuerung Klaus Geyer.

Im Raster der Bäume
Malerisch liegt der weitläufige Garten mit seiner hundertjährigen Obstbaumkultur in der mittelfränkischen Landschaft. Das Wohnhaus des Fürther Architekturbüros Dürschinger fügt sich nahtlos in sein natürliches Umfeld ein, indem es die Orthogonalität der alten Baumplantage aufnimmt und mit viel Glas und Offenheit den Außenraum zum gleichwertigen Mitspieler des Neubaus macht. Die Materialität des zweigeschossigen Gebäudes setzt den Dialog fort: Die natürliche Patina von Sichtbeton, Holz und Cortenstahl steht für moderne Architektur und elementare Oberflächen gleichermaßen. Einzig die markante Form des Einfamilienhauses, das aus einer überkragenden Betonfaltkonstruktion besteht, sorgt für einen Kontrastmoment in dem ansonsten harmonischen Gefüge. Doch die auskragenden Betonebenen haben auch einen energetischen Hintergrund: Im Sommer verschatten sie die ansonsten exponierten Innenräume und in den kälteren Jahreszeiten schützen sie das Haus vor schlechter Witterung.

Natürliche Materialien
Im Gebäudeinneren nehmen die Architekten das Zusammenspiel mit der Natur wieder auf: Eine Naturstein-Trockenmauer zieht sich einmal komplett durch das Haus bis in den Garten hinein, wo die Wand den seitlichen Abschluss des Swimmingpools bildet und den 2.000 Quadratmeter großen Außenbereich in zwei Zonen teilt. In der einen finden sich Teich und Schwimmbecken, in der anderen der etwas ruhigere Bereich mit Obstbäumen und großer Wiese. Ansonsten bestimmen Sichtbeton, Steinoberflächen und Holz das Innere und bilden einen perfekt aufeinander abgestimmten Materialkanon.

Das Haus teilten die Architekten vertikal in zwei Funktionsbereiche: Im Erdgeschoss finden sich die Gemeinschaftszonen, im Obergeschoss die privaten Schlafzimmer der Familie. Den größtenteils offen gehaltenen Grundriss separierten die Architekten durch einige geschickt platzierte Wandscheiben, die es vermeiden, die fließende Zirkulation zu unterbinden. Erd- und Obergeschoss werden durch eine halbrunde, aus Sichtbeton gefertigte Treppe verbunden – der einzige formal abweichende Moment in dem ansonsten streng orthogonalen Baukörper.

Intelligent vernetzt
Die frisch erneuerte Haustechnik unterstreicht den qualitativen Anspruch der Architektur: Ihre Intelligenz macht das Wohnen komfortabler, sicherer und nachhaltiger. „Wir haben zunächst gemeinsam überlegt, welche Funktionen im Haus gewünscht sind“, berichtet der Systemintegrator Klaus Geyer über die Anfänge der Planung der intelligenten Gebäudesteuerung. „Als Basis haben wir dann überall dort, wo es möglich war, ein KNX-System als Infrastruktur verlegt. So werden alle Komponenten im Haus miteinander vernetzt.“

Gesteuert wird das elektronische Nervensystem durch den leistungsstarken HomeServer von Gira. Dieser erfasst alle Daten, wertet sie aus und leitet anschließend Befehle an die sogenannten Aktoren weiter. Wenn beispielsweise die Wetterstation auf dem Dach meldet, dass es anfängt zu regnen, gibt der HomeServer den Befehl „Schließen“ an den Motor des Dachfensters weiter. Bedient wird das Kontrollsystem wahlweise am fest installierten Touchpanel Control 9 Client oder via Smartphone oder Tablet mit der HomeServer App von Gira. Das ermöglicht die Steuerung der Anlage auch während des Urlaubs oder der Arbeitszeit. Zusätzlich können über Tastsensoren komplexe Funktionen abgerufen werden: Lichtszenen für unterschiedliche Stimmungen, die Jalousiesteuerung oder vorprogrammierte Szenarien wie der „Kinoabend“ starten hier auf Knopfdruck. Perfekt einfügen tut sich auch Giras Schalterprogramm E2 in anthraziter Ausführung, das mit seinen klaren Linien und durch den Farbton bestens mit dem Sichtbeton harmoniert.

Gut investiert
Neben Licht, Audio und Video sind auch die Solaranlage und die Gastherme in das KNX-System eingebunden und spielen intelligent zusammen. Mit einer Einzelraumregelung lässt sich jeder Raum bedarfsgerecht zu den entsprechend benötigten Zeiten beheizen. Zudem können die Bewohner jederzeit prüfen, welchen Ertrag die Solar- und die PV-Anlage aktuell erbringen und welche Verbrauchsdaten etwa für die EDV, die Kühlgeräte oder die Unterhaltungselektronik vorliegen. Der Überschuss der Solaranlage dient zudem der Beheizung des Swimmingpools.

Schon jetzt sparen die Bewohner des Hauses Zeit und Geld durch den Einsatz des intelligenten Kontrollsystems – und die Komfortsteigerung ist enorm. Das Smart Home unterstützt zudem den Anspruch der Architektur, im Einklang mit der Natur zu existieren. Und einmal installiert, lassen sich in Zukunft sämtliche Komponenten problemlos an neue Bedürfnisse und technische Entwicklungen anpassen.

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Gira

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Projektarchitekten

Dürschinger Architekten

www.duerschinger-architekten.de

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