Menschen

„Gerade die Struktur ermöglicht Freiheit“

Warum das modulare Prinzip von USM bis heute relevant ist

Seit 60 Jahren prägt USM mit seinem modularen System Designgeschichte. Zum Jubiläum spricht Geschäftsführer Alexander Schärer, Sohn des Unternehmensgründers, über Verantwortung, Wandel und eine klare Idee, die immer zeitlos bleibt.

von Redaktion, 02.02.2026

Herr Schärer, Sie sind mit USM aufgewachsen – wann wurde Ihnen bewusst, dass dieses System etwas Besonderes ist?
Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes an einem USM-Möbel aufgewachsen – meine ersten Schritte habe ich an einem kleinen Caddy gemacht. Schon als Kind hat mich die Kugel fasziniert: erst als Spielzeug, später als Herz des Systems. Diese Verbindungskugel hält alles zusammen und steht sinnbildlich für das, was USM ausmacht: Logik, Präzision und konsequent modulare Gestaltung. Schon damals habe ich gespürt, dass USM mehr ist als ein Möbelstück. Es ist eine Idee.

Ihr Vater, Paul Schärer, und Fritz Haller haben gemeinsam ein System entwickelt, das bis heute relevant ist. Was hat diese Zusammenarbeit ausgemacht?
Beide verband eine klare Vorstellung von Gestaltung: reduziert, funktional und modern, ganz im Sinne von Mies van der Rohe. Ihre Zusammenarbeit basierte auf Vertrauen und dem Willen, etwas zu schaffen, das mit Menschen und Räumen mitwächst. Dieser Geist prägt USM bis heute – weniger als Stil, sondern als Haltung.

Man sagt, gutes Design überlebt Trends. Ist Zeitlosigkeit die ehrlichste Form von Nachhaltigkeit?
Zeitlosigkeit ist ein Teil davon. Nachhaltigkeit bedeutet für uns aber auch: Langlebigkeit, höchste Qualität, regionale Herstellung und ein System, das sich erweitern lässt, statt ersetzt zu werden. Wenn Funktion, Verantwortung und Haltung zusammenkommen, entsteht etwas, das langfristig Sinn ergibt.

USM steht für Kontinuität und Präzision, während sich die Welt schnell verändert. Wie gelingt diese Balance?
Wir sehen Wandel als Teil von Kontinuität. Der Kern bleibt, doch wir ergänzen das System dort, wo neue Bedürfnisse entstehen – immer kompatibel, immer im Sinne der ursprünglichen Idee. So entwickelt sich USM weiter, ohne seinen Charakter zu verändern.

Viele Familienunternehmen tun sich schwer mit dem Generationenwechsel. Wie war es für Sie, dieses Erbe zu übernehmen und dennoch eigene Entscheidungen zu treffen?
Für mich bedeutet es vor allem, die traditionsreiche Identität von USM verantwortungsvoll weiterzuführen und das Unternehmen zugleich zukunftsorientiert zu gestalten. Ein zentraler Aspekt dabei ist, im Management-Team bewusst verschiedene Generationen zusammenzubringen. So profitieren wir von Erfahrung und Kontinuität. Zugleich erweitern Perspektiven jüngerer Generationen den Blick auf neue Themenfelder. Wir verhindern dadurch aber auch, dass ein großer Teil des Teams innerhalb weniger Jahre in Pension geht.

Gibt es einen Moment in der Geschichte des USM Haller Systems, den Sie als Beginn eines neuen Kapitels betrachten?
Ja. Als Menschen begonnen haben, das System immer freier zu interpretieren. USM Haller wurde nicht mehr nur als Büromöbel verstanden, sondern als Teil ganz unterschiedlicher Lebenswelten. Dass das System gleich bleibt, sich aber die Art seiner Nutzung ständig verändert, markiert für mich den Beginn dieses neuen Kapitels.

USM Haller ist Baukasten und Haltung zugleich. Was fasziniert Sie daran, innerhalb einer festen Struktur Neues zu entwickeln?
Gerade die Struktur ermöglicht Freiheit. Das Raster gibt Orientierung, aber kein fertiges Ergebnis vor. Mit denselben Elementen entstehen unzählige Lösungen – individuell, funktional, unterschiedlich. Das zeigt, wie kraftvoll eine klare Idee sein kann.
Das System hat seinen Ursprung im Büro, heute steht es auch in Wohnungen, Galerien und öffentlichen Räumen. Was sagt das über unsere Lebens- und Arbeitskultur?Arbeit und Leben verschmelzen stärker miteinander, Räume werden flexibler. Möbel müssen darauf reagieren. USM passt in diese Zeit, weil das System beides kann: Struktur bieten und sich gleichzeitig zurücknehmen.

Ihre Möbel kommen rund um den Globus zum Einsatz und sind auch im New Yorker MoMA zu sehen. Was bedeutet Ihnen diese internationale Resonanz – und wie bewahren Sie zugleich den Schweizer Kern?
Es freut uns, dass unser System weltweit funktioniert und unterschiedlich interpretiert wird. Gleichzeitig produzieren wir weiterhin ausschließlich in Münsingen – mit derselben Sorgfalt und Präzision wie früher. International zu sein und dennoch in der Schweiz verwurzelt zu bleiben, ist für uns kein Widerspruch, sondern Teil unserer Identität.

Welchen Satz über Design würden Sie der nächsten Generation gerne mitgeben?
Gutes Design sollte den Menschen dienen, verlässlich funktionieren, den Alltag bereichern und Haltung ausdrücken – nicht durch große Gesten, sondern durch Präzision und Ehrlichkeit im Detail.

Facebook Twitter Pinterest LinkedIn Mail
Links

USM

Das 1885 gegründete Familienunternehmen USM wird heute von der vierten Generation geleitet. Als Synonym für zeitloses, anpassungsfähiges Design steht USM für verlässlichste Qualität und Präzision. Flexibilität, Langlebigkeit und demzufolge auch Nachhaltigkeit sind die Grundwerte der Marke.

Zum Showroom

Mehr Menschen

„Die Menschen sehnen sich nach Ruhe“

Interview über die Teppichkollektion Neuland von Object Carpet

Interview über die Teppichkollektion Neuland von Object Carpet

Schönheit neu definieren

Wie ein Stuhl Kreislaufdenken, Ästhetik und Klimaschutz zusammenführt

Wie ein Stuhl Kreislaufdenken, Ästhetik und Klimaschutz zusammenführt

Altholz mit Zukunft

Hanna-Maria Greve von WINI über die Idee der wiederverwendbaren Spanplatte

Hanna-Maria Greve von WINI über die Idee der wiederverwendbaren Spanplatte

„Zirkularität ist kein gestalterischer Kompromiss“

Concular Spaces über die Chancen kreislauffähiger Büroinnenausbauten

Concular Spaces über die Chancen kreislauffähiger Büroinnenausbauten

Liebe zu exzellenter Gestaltung

Burkhard Remmers über das nachhaltige Design des neuen WiChair

Burkhard Remmers über das nachhaltige Design des neuen WiChair

Wir sollten die Möglichkeiten unserer Zeit besser nutzen

Ein Gespräch mit dem Arbeitswissenschaftler Dr. Stefan Rief

Ein Gespräch mit dem Arbeitswissenschaftler Dr. Stefan Rief

„Innenarchitektur macht Pflege menschlicher“

Ein Gespräch mit Theresia Holluba zur Lebensqualität in Gesundheitsräumen

Ein Gespräch mit Theresia Holluba zur Lebensqualität in Gesundheitsräumen

Lokal global

Vince Berbegal über die mediterrane DNA und globale Vision von Actiu

Vince Berbegal über die mediterrane DNA und globale Vision von Actiu

„Wir denken in Ressourcen statt in Altlasten“

Marco Schoneveld über zirkuläre Möbelkonzepte, neue Materialien und ihre Vorteile

Marco Schoneveld über zirkuläre Möbelkonzepte, neue Materialien und ihre Vorteile

Einfach Ruhe

Ein Gespräch mit dem Berlin Acoustics-Gründer Manuel Diekmann

Ein Gespräch mit dem Berlin Acoustics-Gründer Manuel Diekmann

Ganzheitliche Gestaltung

Einblicke in die Neukonzeption der DOMOTEX 2026 

Einblicke in die Neukonzeption der DOMOTEX 2026 

Nachhaltigkeit beginnt im Inneren

Gabriela Hauser über die Rolle der Innenarchitektur bei der Bauwende

Gabriela Hauser über die Rolle der Innenarchitektur bei der Bauwende

Design als Problemlöser

Interview mit Jonas Pettersson von Form Us With Love

Interview mit Jonas Pettersson von Form Us With Love

Zukunftsperspektiven für zeitlose Möbel

Ein Gespräch mit Rolf Keller über die Kreislaufwirtschaft bei Vitra

Ein Gespräch mit Rolf Keller über die Kreislaufwirtschaft bei Vitra

Das Büro als Bühne

Wilkhahn launcht Magazin über agiles Arbeiten

Wilkhahn launcht Magazin über agiles Arbeiten

Treffpunkt Workcafé

Ernst Holzapfel von Sedus im Gespräch

Ernst Holzapfel von Sedus im Gespräch

Design als Klebstoff

Junge Gestaltende sorgen für frischen Wind in Köln – Teil 1

Junge Gestaltende sorgen für frischen Wind in Köln – Teil 1

Der Büroplatz zum Wohlfühlen

Dirk Hindenberg von Klöber im Interview

Dirk Hindenberg von Klöber im Interview

„Wir müssen Möglichkeitsräume schaffen“

Der Architekt Klaus de Winder im Gespräch

Der Architekt Klaus de Winder im Gespräch

Design-Statements auf der Wand

Ein Interview mit Julian Waning von Gira

Ein Interview mit Julian Waning von Gira

Alles ist verbunden

Ausblick auf die Orgatec 2024 mit Dr. Jens Gebhardt von Kinnarps

Ausblick auf die Orgatec 2024 mit Dr. Jens Gebhardt von Kinnarps

„Qualität und Nachhaltigkeit gehören zusammen“

Ein Gespräch mit Johanna Ljunggren von Kinnarps

Ein Gespräch mit Johanna Ljunggren von Kinnarps

Form follows availability

Sven Urselmann über kreislauffähige Einrichtungskonzepte

Sven Urselmann über kreislauffähige Einrichtungskonzepte

Möbel, die das Leben bereichern

René Martens über den holistischen Designanspruch von Noah Living

René Martens über den holistischen Designanspruch von Noah Living

Hochprozentig nachhaltig

Mathias Seiler über die Kollektion Incycle von Girsberger

Mathias Seiler über die Kollektion Incycle von Girsberger

Das Gute trifft das Schöne

Interview über die Kooperation von Arper und PaperShell

Interview über die Kooperation von Arper und PaperShell

Ein Designer in olympischer Höchstform

Mathieu Lehanneur im Gespräch

Mathieu Lehanneur im Gespräch

New Kids on the Block

Interior- und Designstudios aus Berlin – Teil 2

Interior- und Designstudios aus Berlin – Teil 2

„Man muss vor der KI nicht zu viel Respekt haben“

Technologie-Insider Timm Wilks im Interview

Technologie-Insider Timm Wilks im Interview

New Kids on the Block

Interior- und Designstudios aus Berlin

Interior- und Designstudios aus Berlin