„Gerade die Struktur ermöglicht Freiheit“
Warum das modulare Prinzip von USM bis heute relevant ist
Partner: USM
Seit 60 Jahren prägt USM mit seinem modularen System Designgeschichte. Zum Jubiläum spricht Geschäftsführer Alexander Schärer, Sohn des Unternehmensgründers, über Verantwortung, Wandel und eine klare Idee, die immer zeitlos bleibt.
Herr Schärer, Sie sind mit USM aufgewachsen – wann wurde Ihnen bewusst, dass dieses System etwas Besonderes ist?
Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes an einem USM-Möbel aufgewachsen – meine ersten Schritte habe ich an einem kleinen Caddy gemacht. Schon als Kind hat mich die Kugel fasziniert: erst als Spielzeug, später als Herz des Systems. Diese Verbindungskugel hält alles zusammen und steht sinnbildlich für das, was USM ausmacht: Logik, Präzision und konsequent modulare Gestaltung. Schon damals habe ich gespürt, dass USM mehr ist als ein Möbelstück. Es ist eine Idee.
Ihr Vater, Paul Schärer, und Fritz Haller haben gemeinsam ein System entwickelt, das bis heute relevant ist. Was hat diese Zusammenarbeit ausgemacht?
Beide verband eine klare Vorstellung von Gestaltung: reduziert, funktional und modern, ganz im Sinne von Mies van der Rohe. Ihre Zusammenarbeit basierte auf Vertrauen und dem Willen, etwas zu schaffen, das mit Menschen und Räumen mitwächst. Dieser Geist prägt USM bis heute – weniger als Stil, sondern als Haltung.
Man sagt, gutes Design überlebt Trends. Ist Zeitlosigkeit die ehrlichste Form von Nachhaltigkeit?
Zeitlosigkeit ist ein Teil davon. Nachhaltigkeit bedeutet für uns aber auch: Langlebigkeit, höchste Qualität, regionale Herstellung und ein System, das sich erweitern lässt, statt ersetzt zu werden. Wenn Funktion, Verantwortung und Haltung zusammenkommen, entsteht etwas, das langfristig Sinn ergibt.
USM steht für Kontinuität und Präzision, während sich die Welt schnell verändert. Wie gelingt diese Balance?
Wir sehen Wandel als Teil von Kontinuität. Der Kern bleibt, doch wir ergänzen das System dort, wo neue Bedürfnisse entstehen – immer kompatibel, immer im Sinne der ursprünglichen Idee. So entwickelt sich USM weiter, ohne seinen Charakter zu verändern.
Viele Familienunternehmen tun sich schwer mit dem Generationenwechsel. Wie war es für Sie, dieses Erbe zu übernehmen und dennoch eigene Entscheidungen zu treffen?
Für mich bedeutet es vor allem, die traditionsreiche Identität von USM verantwortungsvoll weiterzuführen und das Unternehmen zugleich zukunftsorientiert zu gestalten. Ein zentraler Aspekt dabei ist, im Management-Team bewusst verschiedene Generationen zusammenzubringen. So profitieren wir von Erfahrung und Kontinuität. Zugleich erweitern Perspektiven jüngerer Generationen den Blick auf neue Themenfelder. Wir verhindern dadurch aber auch, dass ein großer Teil des Teams innerhalb weniger Jahre in Pension geht.
Gibt es einen Moment in der Geschichte des USM Haller Systems, den Sie als Beginn eines neuen Kapitels betrachten?
Ja. Als Menschen begonnen haben, das System immer freier zu interpretieren. USM Haller wurde nicht mehr nur als Büromöbel verstanden, sondern als Teil ganz unterschiedlicher Lebenswelten. Dass das System gleich bleibt, sich aber die Art seiner Nutzung ständig verändert, markiert für mich den Beginn dieses neuen Kapitels.
USM Haller ist Baukasten und Haltung zugleich. Was fasziniert Sie daran, innerhalb einer festen Struktur Neues zu entwickeln?
Gerade die Struktur ermöglicht Freiheit. Das Raster gibt Orientierung, aber kein fertiges Ergebnis vor. Mit denselben Elementen entstehen unzählige Lösungen – individuell, funktional, unterschiedlich. Das zeigt, wie kraftvoll eine klare Idee sein kann.
Das System hat seinen Ursprung im Büro, heute steht es auch in Wohnungen, Galerien und öffentlichen Räumen. Was sagt das über unsere Lebens- und Arbeitskultur?Arbeit und Leben verschmelzen stärker miteinander, Räume werden flexibler. Möbel müssen darauf reagieren. USM passt in diese Zeit, weil das System beides kann: Struktur bieten und sich gleichzeitig zurücknehmen.
Ihre Möbel kommen rund um den Globus zum Einsatz und sind auch im New Yorker MoMA zu sehen. Was bedeutet Ihnen diese internationale Resonanz – und wie bewahren Sie zugleich den Schweizer Kern?
Es freut uns, dass unser System weltweit funktioniert und unterschiedlich interpretiert wird. Gleichzeitig produzieren wir weiterhin ausschließlich in Münsingen – mit derselben Sorgfalt und Präzision wie früher. International zu sein und dennoch in der Schweiz verwurzelt zu bleiben, ist für uns kein Widerspruch, sondern Teil unserer Identität.
Welchen Satz über Design würden Sie der nächsten Generation gerne mitgeben?
Gutes Design sollte den Menschen dienen, verlässlich funktionieren, den Alltag bereichern und Haltung ausdrücken – nicht durch große Gesten, sondern durch Präzision und Ehrlichkeit im Detail.
USM
Das 1885 gegründete Familienunternehmen USM wird heute von der vierten Generation geleitet. Als Synonym für zeitloses, anpassungsfähiges Design steht USM für verlässlichste Qualität und Präzision. Flexibilität, Langlebigkeit und demzufolge auch Nachhaltigkeit sind die Grundwerte der Marke.
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