„Die Menschen sehnen sich nach Ruhe“
Interview über die Teppichkollektion Neuland von Object Carpet
Partner: Object Carpet
Die Teppichkollektion „Neuland“ setzt auf ruhige Farben, natürliche Texturen und die nachhaltige „DUO-Technologie“. Im Interview erklärt Tilla Goldberg von der Ippolito Fleitz Group gemeinsam mit Sigrid Girthen und Sarah Schirrmacher aus dem Designteam von Object Carpet, wie sie entstanden ist.
Neuland ist Eure zweite gemeinsame Kollektion. Was zeichnet sie aus?
Tilla Goldberg: Bei der ersten Kollektion ging es ganz stark um Farbe, Materialien, Texturen, Kombinierbarkeit. Das war eine klassische Designkollektion, bei der wir versucht haben, aus unserer Perspektive zu schauen: Was brauchen wir für Teppiche in den Räumen? Was fehlt uns? Die zweite hingegen beruht ganz stark auf einem Wandel, den wir sehen. Die Menschen sehnen sich nach einer ruhigen Ästhetik, nach Klarheit in den Räumen, nach Ruhe und Eindeutigkeit. Die Welt da draußen wird immer komplizierter und wahnsinniger. Da soll der eigene Rückzugsort Gelassenheit propagieren.
Sigrid Girthen: In der Kollektion kommt zum ersten Mal unsere DUO-Technologie bei allen Qualitäten zum Einsatz. Sie ermöglicht die Trennung der beiden Ausgangsmaterialien Polyamid und Polyester, sodass der Teppich vollständig wieder dem Produktionsprozess zugeführt werden kann. Ein weiteres wichtiges Feature ist, dass die Kollektion fliesenfähig ist.
Warum ist das wichtig?
Sigrid Girthen: Die Fliese verspricht Langlebigkeit. Sie lässt sich austauschen, nicht nur bei Verschleiß oder Flecken, sondern auch, wenn eine andere Farbigkeit gewünscht ist. Sie hat potenziell den Nachteil, dass Kanten zu sehen sind. Aber der Markt verlangt es, auch um möglichst flexibel reagieren zu können, wenn Büros umgebaut werden oder man an Kabel in einem Doppelboden heranmuss.
Wie fügt sich Neuland in das Sortiment von Object Carpet ein?
Sarah Schirrmacher: Die Kollektion besteht aus vier Produkten: HELIXDUOO, FLUXDUOO, MATRIXDUOO und PARADOXDUOO. Es gibt sie alle als Fliese, HELIXDUOO auch als Bahnenware, sodass sich daraus auch abgepasste Teppiche mit einem Rand herum nähen lassen. Von der Farbe her sind sie alle sehr natürlich, die Texturen ruhig. MATRIXDUOO hat als einziges Modell eine erkennbare Textur, die an ein riesiges vergrößertes Webmuster erinnert. PARADOXDUOO und FLUXDUOO haben eher wolkige Strukturen. Und HELIXDUOO ist ein geschnittener Flor, relativ hoch, und hat diese in sich gewendete Struktur, ein bisschen wie eine Weiterentwicklung unseres Klassikers Poodle.
Wie lief die Zusammenarbeit ab?
Tilla Goldberg: Wir haben zweieinhalb Jahre an der Kollektion gearbeitet und uns im Wortsinn reingekniet. Vorm Büro in Stuttgart haben wir die Teppiche auf dem Bürgersteig ausgerollt, um im Tageslicht Strukturen und Farbkombinationen zu prüfen. Wir sind keine Textildesigner und mussten Sigrid und Sarah eine Million dumme Fragen stellen, die sie uns mit großer Geduld beantwortet haben. Als Designer kommt uns ja oft die Rolle zu, dass wir von außen in Projekte reinspringen, mit einer neuen Perspektive drauf schauen, ganz viele Sachen hinterfragen, um Grenzen auszuloten, und dann wieder eingefangen werden. Die größte Herausforderung bei der Kollektionsentwicklung war, dass sich so ruhige Farben und eher feine Strukturen vorher nicht visualisieren lassen. Da ist schon viel Trial and Error dabei. Erst dachten wir, bei der zweiten Kollektion sind wir deutlich schneller als bei der ersten. Das war aber nicht so!
Gab es Ideen, die Ihr wieder verworfen habt?
Tilla Goldberg: Klar, das gehört zum kreativen Prozess. Eine Idee lautete: Wäre es nicht toll, wenn wir einen Teppich machen, der aussieht wie ein Terrazzo? Wir haben dann schnell festgestellt, dass es nie richtig cool aussehen wird. Aber das ist Produktentwicklung, oder?
In welchen räumlichen Kontexten funktioniert die Kollektion?
Sarah Schirrmacher: Durch die unterschiedlichen Qualitäten – von flachem Velours bis zur hochflorigen Helix – kann sie eigentlich überall funktionieren. Das geht in einer Privatwohnung ebenso wie im Office, Hotel oder Restaurant. Durch die guten technischen Eigenschaften wie die Stuhlrollen-Eignung, akustische Wirksamkeit und Reinigbarkeit sind dem keine Grenzen gesetzt.
Tilla Goldberg: Zumal die Gegensätze immer stärker verschwimmen. Das Office wird wohnlicher. Es gibt tolle, hochwertige Besprechungsräume mit großen akustischen Anforderungen. Da ist Textil sowieso immer gut.
Tilla, wie setzt Du Teppiche in Deinen Projekten ein?
Tilla Goldberg: Ein Teppich gibt eine sehr schöne wohnliche Grundatmosphäre im Raum. Gleichzeitig ist er wie eine Bühne für alles, was später darauf passiert. Als große Fläche im Raum gibt er durch seine Textur und die Lichtbrechung die Atmosphäre des Raums vor.
Die Neuland-Markteinführung wird von einer futuristisch anmutenden Kampagne begleitet. Was steckt dahinter?
Tilla Goldberg: Die Bilder der Modefotografin Monica Menez sind komplett KI-generiert. Sie verdeutlichen den fortschrittlichen Ansatz, den wir mit Neuland verfolgen. Im Sinne des Cradle to Cradle-Prinzips verweilen Materialien eine Zeit lang in einem Gebäude, um dann wieder entnommen und neu verwendet zu werden, zum Beispiel um neue Teppiche daraus zu machen. Das war die Grundidee dieser retrofuturistischen Ästhetik, die die Teppiche von heute in die Zukunft bringt.
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