Arbeiten im Floating Space
Start-up Büro im Berliner Lobe Block
Wer im Lobe Block im Berliner Wedding arbeitet, muss ziemlich glücklich sein. Er kann von einer riesigen Terrasse in die Wolken schauen oder im Beton-Brut-Café im Erdgeschoss einen Espresso trinken. Wir waren mit dem Designer David Löhr verabredet, der uns sein erstes Interior-Projekt gezeigt hat: ein Büro für ein Start-up.
Eigentlich kennt man David Löhr und seine Brüder Leon und Julian als Produktdesigner. Vor sieben Jahren haben sie sich selbstständig gemacht, ihr Möbellabel Loehr gegründet und sind von Hamburg nach Berlin gezogen. Bald richten sie ihr neues Büro in Schöneberg ein und wollen von hier aus nicht nur ihre Möbel- und Objektkollektion erweitern. Denn die Löhr-Brüder haben Interiordesign-Luft geschnuppert und könnten sich die Konzeption und Einrichtung von Wohnungen, Büros und Läden gut als zweites Standbein vorstellen. Das jedenfalls erzählt David Löhr, als wir ihn an einem heißen Sommertag vor dem Lobe Block in Wedding treffen. „Interiordesign ist eigentlich die logische Konsequenz unserer bisherigen Arbeit, denn wir denken auch bei unseren Möbeln sehr architektonisch“, sagt er. Was für ein Glück, dass sich Loehr gleich an der formidablen Beton-Architektur der Berliner Büros Brandlhuber + Emde, Burlon und Muck Petzet Architekten ausprobieren durfte!
Das erste Mal
In der Böttgerstraße 16 ist ein Atelierhaus für Kunst- und Kulturschaffende entstanden, es gibt hier ein Yogastudio und ein Café mit Garten. Das erste Interior-Projekt von Loehr ist in der 3. Etage des Terrassenhauses untergebracht und wurde im Oktober letzten Jahres fertiggestellt: ein Büro für das Berliner Start-up of Unicorns & Lions, das zuvor in einem Co-Working Space in Wedding arbeitete. An den Auftrag ist Loehr durch Sandro Lanni gekommen, den befreundeten Gründer des Start-ups. Zwar war der anfangs skeptisch, doch David, Leon und Julian überzeugten ihn mit ihrem Entwurf. „Mir war es wichtig, in diesem Büro eine Heimat zu finden“, sagt Sandro. Und wenn man ihn am Holztisch neben der Küchenzeile mit dem Laptop sitzen sieht, denkt man, dass er hier wahrscheinlich nicht mehr so schnell ausziehen wird. Was wenig überraschend ist, denn der Raum ist luftig und hell: Vor den großen Terrassenfenstern wehen silbern glänzende Outdoor-Vorhänge, Sonnenstrahlen fallen auf den Betonfußboden – fast wähnt man sich irgendwo im Süden. Die Agentur hatte ziemliches Glück, in dem in der Kreativbranche beliebten Gebäude unterzukommen. Alina Hückelkamp, Mitgründerin der Agentur, war beim Stöbern im Internet zufällig darauf gestoßen.
Alles im Fluss
Die 80 Quadratmeter große Einheit ist als Floating Space gestaltet, in dem es abgesehen vom Badezimmer keine Trennwände gibt. Betritt man das Office durch die Fahrstuhltür – die Architekten haben aus Platzgründen auf ein klassisches Treppenhaus verzichtet und stattdessen draußen eine (Flucht-)Treppe angelegt – ist linkerhand ein klassischer Arbeitsplatz für bis zu zehn Personen entstanden, der lediglich zwei Arbeitstische (Eno von Loehr), schwarze Bürodrehstühle von Vitra und Leuchten von Luceplan umfasst. Rechterhand befindet sich eine großzügig angelegte Wohnzone, die vom Arbeitsbereich mit pastellgelben Vorhängen abgetrennt werden kann. In diesem Zwischenbereich mit Verteilerfunktion ist ein praktischer, raumhoher Einbauschrank aus hellem Birkenschichtholz untergebracht, der mit Schiebetüren versehen ist. Er ist ebenso ein maßgefertigter Entwurf von Loehr wie die auffällige Küchenzeile in kräftigem Terracotta, die unter den vorinstallierten Betontresen eingebaut wurde. Die Schränke und das Küchenregal aus pulverbeschichtetem Stahl wurden von einem Tischler in Berlin gefertigt.
Verlockende Aussichten
Möbel wie ein massiver Eichenholztisch von e15, Hocker und Bänke aus der Serie Faber von Loehr, zwei Wishbone Chairs und ein moosgrünes, modulares Loungesofa von Normann Copenhagen ergänzen das Ensemble und zonieren die offene Fläche, wobei Loehr auf Colour Blocking setzt. Hier treffen sich die Mitarbeiter zum Kaffeetrinken und Kochen, aber gern auch zum Arbeiten und für Besprechungen. Weil es so behaglich ist und auch der Blick aus den großen Fenstern auf die begrünte Terrasse verlockend. Die gestalterische Idee hinter dem Projekt: „Man sollte sich hier auf keinen Fall wie in einem klassischen Büro fühlen“, sagt David Löhr. Gerade weil die Agentur of Unicorns & Lions Unternehmen beibringe, anders zu arbeiten, solle sich dies auch im Interiordesign der eigenen Firma widerspiegeln, ergänzt Sandro.
Bis bald!
Die Löhr-Brüder planen übrigens schon das nächste Projekt: Im vierten Stock hat das Start-up noch zwei weitere, kleinere Einheiten gemietet, in der ein Besprechungsraum und eine laborähnliche Werkstatt, in der eher gestanden als gesessen werden soll, entstehen. Im Moment gibt es dort zwar noch nicht viel zu sehen – nur raue Betonfußböden, Holzwände und ein paar provisorisch aufgestellte (Test-)Möbel von Loehr. Doch die Pläne und Skizzen an den Wänden und David Löhrs Begeisterung für das Projekt lassen Gutes vermuten.
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