Projekte

Atmosphärische Arbeitswelten

2000-2020: Best-of Büros

Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen 20 Jahren stark verändert, mit ihr Büroräume und -gebäude: Co-Working ist nicht mehr nur etwas für hippe Freelancer, sondern auch für Unternehmensberater. Flache Hierarchien spiegeln sich in der Architektur wider. Kommunikation steht im Mittelpunkt vieler Projekte. Dass sich Mitarbeiter*innen wohlfühlen, ist vielen Firmen mindestens so wichtig wie repräsentative Büroräume.

von Judith Jenner, 02.11.2020

Elbkaihaus von GMP, Hamburg (1999)
Wie ein industrieller Bestandsbau aus den Sechzigerjahren zu einem modernen Bürogebäude wird, zeigen GMP Architekten. Für das Elbkaihaus bauten sie eine ehemalige Kühlhalle zu einem Bürogebäude um, in dem überwiegend Computerfirmen arbeiten. Die Stahl-Glas-Fassade im ersten und zweiten Stock gibt den Blick auf die Elbe frei und versorgt die Arbeitsplätze mit Tageslicht. Einen Kontrast zu den schwarzen Fensterbändern bilden die leuchtend roten Flächen im Inneren. In Anlehnung an die maritime Tradition des Ortes wird das Gebäude von zwei Kränen flankiert, die mit den weißen Ladebalkonen am Wasser korrespondieren.


Google Headquarter von Clive Wilkinson, Mountain View (2005)
Die rund 16.700 Quadratmeter große Firmenzentrale von Google entwarf Clive Wilkinson zusammen mit dem Umweltvisionär William McDonough. Ein energiesparender Betrieb war ebenso wichtig wie recycelbare und recycelte Materialien zu verwenden. Die Aufteilung der Innenräume gestalteten die Architekten so, dass es sowohl Raum für hochkonzentriertes Arbeiten an technischen Innovationen gibt als auch Orte des Austauschs. Die legendären Rutschen kamen erst später, beispielsweise im Google Büro in Zürich, das mehr einem Spiel- als einem Arbeitsplatz gleicht.

Zentralgebäude BMW-Werk von Zaha Hadid, Leipzig (2005)
Der Herstellungsprozess steht beim BMW-Werk in Leipzig im Mittelpunkt. Mit raffinierten Sichtachsen hob Zaha Hadid die Hierarchie zwischen Verwaltungs- und Produktionsmitarbeitern auf. Ihre Architektur soll die Kommunikation zwischen allen Abteilungen fördern – die Voraussetzung für Innovation. Spektakulär ist die 600 Meter lange, offene Förderstrecke zwischen Karosseriebau und Lackiererei, auf der die Autos fast lautlos durch den Raum schweben. Das Gebäude wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Architekturpreis.

Bürogebäude Menzis von de Architekten Cie., Groningen (2005)
Ein bisschen wirkt es, als ob der zwölfgeschossige Turm tanzt, in dem die Krankenkasse Menzis ihren Hauptsitz hat. Denn das Bauwerk im Groninger Europapark besteht aus drei identischen, prismatischen Bauteilen, die gegeneinander im 90-Grad-Winkel gedreht sind. Doch dieser Aufbau hat nicht nur ästhetische Aspekte: Verschiedenförmige Treppenläufe im Inneren ermöglichen den Angestellten kurze Wege. Jedes Segment besteht aus vier Bauteilen, die jeweils auf ein Atrium ausgerichtet sind, das das Gebäude mit Tageslicht versorgt.

Betahaus, Berlin (2009)
Kaum zu glauben, dass die Gründer des Betahauses am Berliner Moritzplatz ihre Idee vor elf Jahren noch mühsam erklären mussten. Heute gibt es Co-Working-Spaces mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten und in diversen Preislagen. Das erste seiner Art in Deutschland eröffnete eine kleine Gruppe Freelancer, die es leid war, in Cafés zu arbeiten. Schnell entwickelte sich das Betahaus zur Keimzelle von Start-ups. Das Angebot flexibler Arbeitsplätze im Sperrholz-Europaletten-Design mit WLAN in einer ehemaligen Druckerei wurde um den Community-Gedanken erweitert. Die Mitglieder profitieren nun auch von Pitches, Vorträgen und Netzwerk-Events.


SoundCloud von Kinzo, Berlin (2014)
Flache Hierarchien und eine entspannte Arbeitsatmosphäre zeichnen die Arbeit bei der Internetplattform SoundCloud aus. Das spiegelt sich in ihrem Berliner Büro wider: Das Architekturstudio Kinzo richtete auf drei Etagen einer ehemaligen Brauerei eine Bürolandschaft ein, die viel Raum für informelle Kommunikation lässt, sei es im Café oder an der Tischtennisplatte. Konzentriertes Arbeiten ist in abgeteilten Einzelbüros möglich. Für Schulungen ist Platz in der in Holz gehaltenen Arena. Doch auch an kreative Pausen dachten die Architekten: Es gibt gemütliche Leseecken ebenso wie einen Raum mit abteilbaren Schlafkabinen.

The Edge von PLP Architecture, Fokkema & Partners und Architectenbureau OeverZaaijer, Amsterdam (2015)
Als nachhaltigstes Bürogebäude der Welt gilt The Edge in Amsterdam. Die 40.000 Quadratmeter große Firmenzentrale des Versicherungsunternehmens Deloitte produziert mehr Energie, als sie verbraucht. Doch der Nachhaltigkeitsgedanke von PLP Architecture und Architectenbureau OeverZaaijer beschränkt sich nicht auf die Gebäudehülle. In den Innenräumen kommt unter anderem Forbo-Linoleum zum Einsatz, das fast vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen besteht und CO2-neutral gefertigt wird. Auch smarte Technologien helfen dabei, Energie zu sparen. Per App können Mitarbeitende Licht und Temperatur ihres Arbeitsplatzes regulieren. Auch der Stromverbrauch von Druckern oder Kaffeemaschinen wird überwacht und per App optimiert. Die Energie dafür produzieren Photovoltaikanlagen auf der Südfassade.

MY DVA Group von CHYBIK + KRISTOF, Brno (2017)
Die Fassade zeigt bereits, worum es im Inneren geht: Über 900 auf einer Struktur aus Stahlprofilen befestigte Sitzschalen lassen das Gebäude mit dem Showroom und den Büros des tschechischen Office- und Schulmöbelherstellers MY DVA Group wie eine Skulptur wirken. Die Stuhl-Rudimente bestehen aus wetterfestem und UV-beständigem, schwarzem Granulat. Sie lassen sich leicht reinigen und austauschen. Die Büros sind an den Rändern des Innenraums angeordnet, sodass sie gelüftet und mit Tageslicht versorgt werden können. Drei runde Galerien stehen jeweils für eine Produktpalette des Unternehmens. Sie lassen sich mit Vorhängen abtrennen.

Apple Park von Foster + Partners, Cupertino (2018)
Wie ein Ufo wirkt das Ring Building des Apple Headquarter am Rande der kalifornischen Stadt Cupertino. Der kreisrunde Bau von Foster + Partners besteht überwiegend aus Glas, dem Lieblingsmaterial von Apple-Gründer Steve Jobs. Er hatte viele Details bereits geplant, erlebte die Fertigstellung 2018 aber nicht mehr mit. Der Campus, der größer ist als das Pentagon, soll an Jobs’ Heimat in Nordkalifornien erinnern. So wurde viel Wert auf die Landschaftsarchitektur gelegt und die Umgebung stark begrünt. Sechs Kilometer Spazier- und Joggingpfade führen durch den Park, in dem 9.000 Bäume wachsen. Der Campus wird zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie betrieben und ist das größte LEED-Platin-zertifizierte Bürogebäude Nordamerikas. Die meiste Zeit des Jahres funktioniert das Ring Building ohne Klimaanlage dank der Lufteinlässe unter den weißen Vordächern.

SAP WDF 49 von SCOPE Architekten, Walldorf (2019)
Für die wachsende Anzahl an Mitarbeitern im Headquarter des Software-Konzerns SAP im baden-württembergischen Walldorf stellten SCOPE Architekten 2019 den neuen Bürokomplex WDF 49 fertig. Ein zentrales Thema stellt die Kommunikation dar, auch über Teamgrenzen und formelle Meetings hinaus. Aus diesem Grund schuf das Stuttgarter Architekturbüro zahlreiche Bereiche für den informellen Austausch. Einer dieser Orte ist die großzügige Freitreppe. Sie verbindet nicht nur die offenen Arbeitsebenen in den Halbgeschossen, sondern lädt mit in die breiten Stufen eingelassenen Sitzmöglichkeiten zu Gesprächen mit Kollegen ein. Die Treppe geht in ein Podium über, sodass Präsentationen und Vorträge an einem zentralen Ort gehalten werden können. Eine Lichtinstallation der Designmanufaktur PSLab illuminiert das Treppenhaus auf künstlerische Weise.

Geschäfts- und Bürogebäude 2226 von Baumschlager Eberle Architekten, Lustenau (2019)
Im innovativen Quartier Luzern-Nord bauten Baumschlager Eberle Architekten das Geschäfts- und Bürogebäude 2226. Es kommt ohne Heizung, Kühlung und mechanische Lüftung aus und verbraucht dadurch nur wenig Energie. Erreicht haben die Architekten das nicht vorrangig durch smarte Gebäudetechnik, sondern durch fast 80 Zentimeter dicke Wände und einen geringen Glasanteil in der Fassade. Sie sorgen für eine archaische Erscheinung des Baus, der sich ästhetisch an den historischen Gebäuden in der Nachbarschaft orientiert. Wärme entsteht durch die Abwärme von technischen Geräten oder der Beleuchtung – und nicht zuletzt durch die Abwärme der Mitarbeiter*innen.

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