Projekte

Berlin léger

Kreuzberger Neubauloft von Frank Drewes ohne technische Hochrüstung

von Nina C. Müller, 06.11.2014

Was passiert, wenn Architekten für sich selbst bauen – ohne Bauherren, Investoren und Mieter? Wenig! Frank Drewes verzichtete in seinem Berliner Neubauloft auf Wände, Verkleidungen und Technik-Schnick-Schnack. Das Ergebnis: inspirierender Freiraum und ein legeres Wohngefühl aus Licht, Raum und Kunst.

Eine großzügige, repräsentative Wohnung, die sich gleichermaßen zum Leben, Arbeiten und Entspannen eignet und noch dazu ausreichend Platz für zahlreiche Kunstwerke und Bücher bietet: Das wünschte sich Architekt Frank Drewes. Ein 180 Quadratmeter großes Loft in einem Kreuzberger Neubau, das lediglich durch großflächig verglaste Wände und Betonstützen bestimmt war, schien ideal für seine Idee einer offenen Raumstruktur.

Berliner Avantgarde
Doch Drewes, der mit seinem Partner das Büro Drewes + Stenge in Bielefeld leitet, dachte auch an strukturschaffende Elemente und intimere Rückzugsnischen. Die Lösung lag in Raumteilern, die zugleich als Bibliothek fungieren. Sie sind aus amerikanischem Walnussholz und sorgen nicht nur für wohnlichen Charakter. Ohne das Raumgefüge zu sehr zu durchfurchen, sorgen sie für ein abwechslungsreiches Raumgefüge. Sie separieren die einzelnen Funktionsbereiche wie Bäder und Pantryküche, lassen das Licht hindurch und schaffen interessante Blickbeziehungen.

Think Tank
Die Trennwände schlucken außerdem einen Teil des Sonnenlichts, das aufgrund der Ost-West-Ausrichtung des Gebäudes besonders tief in das Innere des Wohnbereichs eindringt. Für viele Kunstwerke schädlich, richtete Drewes so eine großflächige UV-geschützte Bilderwand ein, auf der die empfindlichen Objekte nun ihren Platz finden. Doch blieb das nicht der einzige Raum für Kunst: Diverse Malereien, Plastiken und Installationen sind über das komplette Loft verteilt, stehen in Vitrinen, auf Tischen und Regalen oder hängen von der Decke. Doch anders als in einer starren Ausstellungssituation, wo jedes Werk seinen festen Platz hat, lehnen Drewes Bilder zum Teil leger an der Wand, stehen voreinander und stapeln sich übereinander.

Unsichtbare Strukturen
Um diese scheinbare beiläufige Zusammenstellung der Kunstwerke nicht zu stören, musste sich der Rest des Interieurs zurücknehmen. Roher Estrichboden und die Decke aus Sichtbeton bildeten ohnehin eine attraktive Kulisse für Kunst. Doch auch die Hausautomation sollte sich so unauffällig wie möglich in den Wohn- und Arbeitsraum integrieren. „Als Architekt muss ich heute oft den kleinsten Umbau zu einem High-Tech-Meisterwerk tunen“, sagt Architekt Frank Drewes. Da würde nicht selten mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Für seine eigenen vier Wände war klar: keine technischen Hochrüstungen, sondern eine Fokussierung auf das Wesentliche.

Steuerungen für Sonnenschutz und Fußbodenheizung wurden daher unsichtbar in den holzverkleideten Zwischenräumen der Fenster versteckt. Für die Elektroinstallationen kamen formreduzierte Edelstahl-Schalter und Schalter der Serie LS 990 in Alpinweiß von Jung zum Einsatz. So bleiben die Wände ein dezenter und neutraler Hintergrund für die zeitgenössische Kunst.

Links

Drewes + Stenge

Projektarchitekten

www.drewesstrenge.com

Mehr Projekte

Australisches Strandhaus

Anbau in Fremantle von David Barr Architects

Sinnlicher Brutalismus

Neubau von Studio Rick Joy in Mexiko-Stadt

Jenseits der Norm

XYZ Lounge von Künstler und Architekt Didier Fiúza Faustino in Gent

Nuancen der Durchlässigkeit

Die Boutique des jungen Modelabels Geijoeng in Shenzhen

Geometry of Light

Luftwerk beleuchtet das Farnsworth House als Kunstwerk

Galaktisches Dinner

Inneneinrichtung für ein Restaurant in Mexiko-Stadt

Light Falls

Flow Architecture und Magrits in einem Londoner Reihenhaus

Architektur der Schwerelosigkeit

Ein Münchner Dachausbau von Pool Leber Architekten

Formen des Lichts

Einfamilienhaus in Melbourne von Layan

In perfektem Licht

Das dänische Skou-Institut für Biomedizin von Cubo

Theaterhimmel

Lichtinstallation von Ingo Maurer im Münchner Residenztheater

Provisorium von Dauer

Neue MCM-Boutique in München von Gonzalez Haase AAS

Licht macht Raum

Xu Tiantian entwirft einen Leuchtenhybriden für den Arbeitsplatz

Raumspirale für Wissensdurstige

Durch Licht in Szene gesetzt: der Erweiterungsbau des Science Centers experimenta in Heilbronn von Sauerbruch Hutton.

Irisierende Lichtspielgarage

Moskaus temporäre Kino-Pyramide von Syndicate Architects.

Versteckt zwischen Meer und Sand

In eine Düne eingegraben: das UCCA Dune Art Museum von Open Architecture.

Meditativer Lückenfüller

Miniwohnhaus von Takeshi Hosaka in Tokio

Unbekanntes Raumobjekt

Kein Perpetuum Mobile, aber ein beweglicher Eyecatcher: Ingo Maurers mobiles Pendel-Ei.

Der Sonne entgegen

Immer in Bewegung: Robert Koniecznys Quadrant House.

Gezeichnete Lichtarchitektur

Dialog zwischen Realität und Vergangenheit: Alberto Caiolas Dachterrassenbar Nyx in Shanghai.

Eine Bühne für Blumen

Der beste Blumenladen der Welt.

Shoppen in der Unterwelt

Ein Shop auf den Spuren einer geheimnisvollen Lichthöhle.

Lineare Lichteleganz: Lernen im vertikalen Campus

Lernen im vertikalen Campus: die neue FHNW Muttenz von pool Architekten.

Kristallbrunnen statt Gelbwesten

Brunnenlandschaft von Ronan und Erwan Bouroullec in Paris.

Rhythmische Eleganz in Hainan

Schöne Grauzone: Projekt Rhythm von Wei Yi International Design Associates.

Wege des Lichts: Apartment in Den Haag

Ein Apartment mit unkonventionellen Winkeln und Durchsichten von Ana Rocha.

Minimal Rustikal: La Maison Gauthier

In diesem kanadischen Haus von Atelier Barda ist Minimalismus das Leitmotiv.

Schauspielschule Ernst Busch: Grosses Theater

So wie Schauspieler improvisieren müssen, geht es auch der Baukunst.

Balenciaga zeigt Balance in Paris

Dieses Retailkonzept von Gonzalez Haase AAS und Demna Gvasalia erzeugt eine anonyme Ästhetik.

Baldachin der Stille

Kaan Architecten haben die passende Form für ein Krematorium im belgischen Aalst gefunden.