Beton, Bücher, Brücke: Bibliotheksneubau in Portugal
Das Beste zweier Generationen: der Neubau einer Bibliothek als Brücke zwischen alt und neu.
Der Übergang von Alt- zu Neubauten ist in Zeiten des „Weiterbauens“ ein vielbeachtetes Thema und hat in den letzten Jahren zahlreiche architektonische Antworten hervorgebracht. In der portugiesischen Kleinstadt Caminha ist es dem Architekten Nuno Brandão Costa gelungen, die Gegebenheiten des Ortes perfekt einzubeziehen – mittels einer radikalen, zugleich höchst sensiblen Lösung.
Von der Historisierung über eine minimalistische Zurückhaltung hin zum skulpturalen Kontrast: Die Möglichkeiten bei der Gegenüberstellung von alt und neu sind vielfältig. Doch nur wenigen Architekten gelingt es, die vorhandenen Referenzen in ihrem Werk einzufangen, ohne sie übertrumpfen zu wollen – egal ob mit retroaffinem oder zeitgenössischem Dekor. Der portugiesische Architekt Nuno Brandão Costa scheint sich der Gegenwart und ihrer Möglichkeiten sehr bewusst zu sein. Gleichzeitig schafft er es, bei der neuen Stadtbibliothek in der Altstadt von Caminha den Kontext geschickt einzubinden. Wie mit einem Seziermesser bearbeitete er den historischen Bestand und entfernte mit aller Vorsicht die Elemente, die nicht mehr benötigt wurden.
Erinnerungsstücke in Beton
Das Gebäude besetzt einen kleinen Eckplatz, an dem auch das Stadtmuseum und das ehemalige Gefängnis des Ortes liegen. Letzteres galt es in Teilen in den Entwurf mit einzubeziehen. Costa entschloss sich für den Erhalt der zwei zur Straße hin ausgerichteten Fassaden des Altbaus, die aus dem 19. Jahrhundert stammen, während der Innenraum und die beiden weiteren Seiten vollständig abgerissen wurden. Auf den Platz setzte der Planer einen freistehenden Neubau, der über einen Brückenkörper mit dem historischen Bestand verbunden ist. Dessen Innenleben sowie die zwei entnommenen Fassaden wurden durch eine minimalistische Betonkonstruktion ersetzt, die zwischen den beiden Architekturepochen vermittelt. Als Erinnerungsstück an die frühere Fassade und Funktion platzierte der Architekt an zwei Stellen alte Eingangstüren, ein Störer in der glatten Betonoberfläche.
Spannende Zwischenräume
Der Neubau wirkt wie geschliffen, mit unterschiedlichen Winkeln sitzt er leicht verdreht zum historischen Kontext. Wie ein Scharnier schlägt das Haus den Besuchern der Bibliothek eine Brücke zwischen alter und neuer Substanz. Die durch die spezielle Form des Betonkörpers geschaffenen Zwischenräume knüpfen an das Konzept des öffentlichen Platzes an und kreieren gleichzeitig eine spannende Eingangssituation.
Auch inhaltlich sind Alt- und Neubau miteinander verbunden: Betreten wird der Gebäudekomplex über den Altbau und eine kleine Treppe, die einige Stufen nach unten führt. Der großzügige Eingangsbereich wurde von dem Architekten vollkommen neutral gestaltet. Wo man sich als Besucher befindet, ist nur noch an den Fensterrahmen zu erkennen, die im Altbau aus Holz und in der Gebäudeerweiterung aus Edelstahl sind. Über eine weitere Treppe gelangt man in den oberen Bereich, der als Lesesaal dient und im Neubau einen herrlichen Ausblick auf die umliegenden Häuser ermöglicht. Spätestens hier wird den Nutzern die gelungene Verbindung aus alt und neu bewusst, die das Beste aus beiden Welten miteinander verbindet.
FOTOGRAFIE André Cepeda
André Cepeda
Stadtbibliothek Caminha
Neubau, Betonkonstruktion / Caminha, Portugal / 1163 Quadratmeter / 2016
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