Projekte

Büro in Bewegung

Eine Arbeitslandschaft mit textilen Grenzen von Enorme Studio

Im Zentrum von Madrid haben Enorme Studio ein flexibles Büro gestaltet, das auch den post-pandemischen Veränderungen gewachsen sein soll. Hier wird eine Arena zum kommunikativen Marktplatz, ein Vorhang schafft himmelblaue Raumgrenzen und Glaswände zwischen den Funktionsbereichen lassen sich bei Bedarf einfach wegklappen.

von Tanja Pabelick, 08.01.2021

Vor ein paar Jahrzehnten noch wurde die Büroarchitektur vom Quadrat dominiert. Da trafen sich Teams an rechteckig arrangierten Tischlandschaften, da arbeiteten die Kollegen in kleinen Kuben und zwischen strengen Demarkationslinien. Diese wurden aus orthogonal ausgerichteten Regalen, Pinnwänden und Rollcontainern gebaut. Mittlerweile bestimmt der Kreis die Raumgestaltung und sorgt funktional und sozial für konsequente Offenheit. Auf den Flächen stehen Inseln und loungige Sitzrunden, das Mobiliar wird auf Rollen oder an Schienen mobil. Und zur Präsentation trifft man sich in einem als Amphitheater angelegten Sitzkreis. Das neue Büro des Unternehmens Xeito Investments wirkt wie ein Archetyp für die neue Arbeitsordnung: Das gesamte Interieur orientiert sich an einem inneren, kommunikativen Zirkel, dessen Aktivitätsbereiche zu den Rändern hin immer mehr ins Individuelle fließen.

Neu interpretierter Arbeits-Schauplatz
Mit der Planung und Umsetzung haben die Architekten und Designer des beauftragten Enorme Studios aus Madrid schon 2018 begonnen – und damit vor der Pandemie. Zwar sind die Folgen der Coronakrise für die Arbeitskultur noch nicht endgültig absehbar, eine Tendenz ist aber offensichtlich: Das Büro wird in Zukunft noch flexibler. Sowohl in Bezug auf die inneren Strukturen, als auch in der Wahrnehmung der Arbeitnehmer, die das Homeoffice und digitale Räume zu schätzen gelernt haben. Das fertiggestellte Büro für Xeito Investments hat die jüngsten Entwicklungen quasi vorweggenommen. „Die Welt scheint sich sehr verändert zu haben“, fassen die Architekten die letzten Monate zusammen. „Alle unsere ursprünglichen Ideen wurden aber bestätigt. Wenn wir über die Flexibilität von Räumen nachdenken, können wir zu stärkeren und nachhaltigeren Projektlösungen kommen.“


Die Qualität der freien Fläche
Dazu passt auch der Name, den das auftraggebende Investitionsunternehmen sich gegeben hat: Wenn man im Galicischen etwas mit „xeito“ macht, dann setzt man es mit Können und Eleganz um. Diesen Ausdruck haben die Architekten bei dem Projekt quasi als Handlungsanweisung genommen. Das Büro liegt mitten in Madrid und in der ersten Etage eines historischen Gebäudes. Aus den Fenstern blicken die Mitarbeiter direkt auf den idyllischen Parque del Retiro. Auch sie selbst arbeiten in einem parkähnlichen Layout, dessen Herzstück von einer offenen Kreisfläche gebildet wird. Wie auf einem Marktplatz ist der Raum bis auf ein paar tragende Säulen unbespielt, sodass die Interaktion der Menschen seine primäre Aufgabe bleibt. Für eine einladende Atmosphäre sorgen natürliche Nuancen. Die Wände und Decken rund um den konsequent weiß gehaltenen Deckenkreis sind mit Holz verkleidet, üppige Zimmerpflanzen bringen Grün in den Raum und die großen Panoramafenster bilden den Horizont. Und wo sonst im Garten Hecken für Privatsphäre beim informellen Plausch sorgen, haben sich die Architekten auch für die Mitarbeiter etwas einfallen lassen: Über Deckenschienen lässt sich ein himmelblauer, semitransparenter Vorhang wie eine temporäre Nebelwand in den Raum ziehen.

Fenster zur Küche
Der Vorhang besteht aus zwei Lagen: einem opaken Schleier und einem schweren, blickdichten Stoff. „Durch das doppelt laufende System kann der Raum für bis zu zehn verschiedene Situationen konfiguriert werden“, erklären die Architekten. „Wenn der Vorhang komplett geschlossen ist, entsteht ein blauer Zylinder im Zentrum. Wird er nur zur Hälfte geschlossen, sind Konzentrationszonen von öffentlichen Bereichen getrennt.“ Letztere Variante bietet sich beispielsweise bei Präsentationen an. Die Arbeitsplätze am Fenster verschwinden dann hinter der textilen Wand – und die Sitztreppe zur Rückseite des Raumes wird zu Zuschauerrängen. Auch die tiefer im Grundriss verorteten Bereiche lassen sich einbinden. Das gesamte Büro bis hin zur Küche und den Konferenzräumen ist mit Trennwänden aus schwenk- und faltbaren Türen ausgestattet, die sich bei Bedarf öffnen und die Etage bei Feierlichkeiten oder größeren Events zu einem kontinuierlichen Raum machen. Die Idee hinter der Gestaltung der Büroetage ist maximale Anpassungsfähigkeit. Alle Bereiche, die privaten sowie die von Gästen und Kunden frequentierten, können ineinanderfließen oder je nach Anforderung und Aufgabe getrennt werden. Damit schaffen die Architekten ein Raum-Chamäleon, das sich auch auf noch nicht absehbare Szenarien einstellen kann und sich durch diese Strategie durchaus als nachhaltig beweist.

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Projektinfos
Boden Mutina
Tapete Tecnografica
Licht I-Guzzini
Möbel Norman Copenhagen
Möbel Hay Design
Vorhänge Vescom
Links

Innenarchitekten

Enorme Studio

www.enormestudio.es

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