18 Millionen Menschen, und damit 50 Prozent der beschäftigten Bevölkerung Deutschlands, arbeiten im Büro – und nicht wenige von ihnen kennen die Probleme schlecht eingerichteter Arbeitsplätze. Im schlimmsten Fall machen sie krank. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber die Vernachlässigung der Akustik gehört immer noch zu den Hauptursachen für Stress und Unwohlsein am Arbeitsplatz. Dabei gibt es Mittel und Wege, gegen laute Technik, Gespräche und Telefonate vorzugehen. Das Essener Unternehmen Swedex hat das erkannt und in seinem neuen Firmensitz eine perfekte, schallabsorbierende Bürowelt geschaffen – mit Möbeln von Palmberg.
Bevor die 350 Mitarbeiter den neuen Firmensitz beziehen konnten, musste das neue, sechsgeschossige Hauptquartier des Herstellers und Vertriebs von Präsentations- und Werbeartikeln einem großen Umbau und einer technischen Verjüngungskur unterzogen werden.
Lärm macht krank
Swedex suchte die Veränderung: Das Unternehmen hatte einen Bürobau im Zentrum der Stadt erworben und ihn aufwendig sanieren lassen, um seinen Mitarbeitern und Kunden endlich eine ansprechende und repräsentative Adresse bieten zu können. Doch nicht nur ästhetische Aspekte spielten bei den Umbauplanungen eine Rolle – auch die Gesundheit und das Wohlempfinden am Arbeitsplatz galt es für die Planer zu berücksichtigen. Neueste Studien ergeben, dass der Einfluss von Lärm auf das Empfinden – und daraus folgend auch auf die Motivation und Produktivität – der Mitarbeiter enorm ist. Bei einer Untersuchung der amerikanischer Psychologen der Conrell University kam heraus, dass Beschäftigte in lauten Büros seltener versuchen, technische oder fachliche Probleme in Angriff zu nehmen und zu lösen.
Interaktiver Workshop
In der Swedex-Zentrale bilden die Themen Akustik und Arbeitsatmosphäre den roten Faden, der sich durch die gesamte Gestaltung und Möblierung der neuen Büros zieht. Dabei ließ sich das Unternehmen nicht nur von dem Fachhändler Mertens beraten, der spezalisiert ist auf die Realisierung zukunftsweisender Büroarchitekturen, sondern involvierte auch seine Mitarbeiter. Alle Projektbeteiligten nahmen an einem interaktivem Workshop teil, um gemeinsam Ideen für das Gestaltungskonzept zu entwickeln. Das Ergebnis ist ein breites Spektrum von Arbeitswelten: von rauer Loft-Architektur über barocke Stilelemente bis hin zu einem Mitarbeiterrestaurant im Stil eines Casinos. Die Integration der Angestellten war ein wesentlicher Bestandteil des Umbaus mit einem weitreichenden, integrativen Effekt, dessen Wirkung auch in Zukunft noch spürbar sein wird.
Akustische Aufsätze
Um die Qualität der Arbeitsplätze zu erhöhen und Stressquellen durch schlechte Akustik auszuschließen, griffen die Planungsbeteiligten zu schallmindernden Maßnahmen. Gerade in den Bereichen mit dem Schwerpunkt Telefonie und Beratung sind die Auswirkungen dieser gestalterischen Neuerungen immens. Dabei spielen zwei Produkte des Büromöbelherstellers Palmberg die Hauptrolle: Zum einen das Wandelement Terio Plus, das für das Projekt mit einem schallabsorbierenden Aufsatz ausgestattet wurde, und zum anderen das flexible Arbeitsplatzsystem Pensum. Terio Plus besticht durch seine geringe Nachhallzeit, die durch seine akustisch wirksame Materialität erzeugt wird. Das Produkt, das im Institut für Akustik im technologischem Zentrum der Fachhochschule Lübeck getestet wurde, wird bei Swedex außerdem als raumgliederndes Element eingesetzt und sorgt für eine wohltuende Balance aus Team- und Einzelarbeitsplätzen. Die Möblierung rundet den gelungenen Umbau funktional und ästhetisch ab und unterstreicht den Anspruch der Bauherren, seinen Mitarbeitern eine gesunde und motivierende Arbeitsatmosphäre zu bieten.
FOTOGRAFIE Andrea Dingeldein
Andrea Dingeldein
Mehr Projekte
Das Café als Blaupause
Büro Pankrath baut den Quadriga Campus in Berlin im Bestand um
Räume mit Haltung
Veranstaltungszentrum der Münchner Aids-Hilfe von INPULS
Ade Palais
Zirkuläre Arbeitsgarage von Caramel ArchitektInnen in Wien
Mehr als eine Hülle
Wie Dan Vakhrameyev die klassische Flugzeughalle neu definiert
Farbrausch im Engadin
Künstlerresidenz in Maloja von Kueng Caputo
Konkurrenz fürs Homeoffice
Das neue Büro von Studio McW in London
Schimmerndes Gewand
HENN gestaltet Büroräume für BestSecret in München
Räume wie gedruckt
Risotto HQ von Gabriella Marcella in Glasgow
Pause im Palmenhof
Ein Tropicália-Workplace von Tabitha Isobel und Studio Multi in London
Arbeitsplatz auf Zeit
Züricher Co-Working-Space von HSB Architekten für FlexOffice
Flurfunk war gestern
Umbau einer Firmenzentrale in Berlin von brandherm + krumrey
Stadt der Advocati
Erweiterung einer Anwaltskanzlei in Münster von studio eto
Lernen im Holzhybridbau
Bildungshaus NeckarPark von Glück + Partner in Stuttgart
Zwischen Atmosphäre und Funktion
Büroräume für eine Social-Media-Agentur in Berlin von RHO
Im Geist der Sechziger
Ortsspezifischer Büroumbau von Christopher Sitzler und Gizzem Cinar in Hamburg
Offen für Neues
Agiles Arbeitsumfeld im Continental-Headquarter in Hannover
Bunte Begegnungen
Shared Spaces im Bürobau M40 von Kinzo in Berlin
High Heels im Hochhaus
Aeyde-Headquarter in Berlin von Gonzalez Haase AAS
Yellow Submarine im Gewerbegebiet
Bürobau für Agrosemillas von Impepinable Studio in Spanien
Grüne Achse
Dschungel-Flur von Beyond Space in der Schweiz
Im Geist der Vergangenheit
Neugestaltung einer Bürofläche in Tokio von Symbolplus
Roter Riese
In Odense wurde das größte Holzbürohaus Dänemarks bezogen
Neue Welt in altem Gewand
Blomus Headquarter in Sundern
Kulturaffine Büro-WG
Neues Office von Kinzo und Karsten Jahnke in Hamburg
Flurfunk und Fernsehturmblick
Tech-Büro im Haupttelegrafenamt Berlin von de Winder
Raum mit Reserven
Umbau von YONT Studio für das Musiklabel Seven in Berlin
Flexible Arbeitslandschaft am Hafen
Umbau der Maersk-Zentrale in Rotterdam
Schlichte Bühne für starke Bilder
Fotostudio-Interieur von Sapid Studio in Genf
Umbau mit Gütesiegel
Neue Arbeitswelt für den TÜV-Verband in Berlin
Vertikal verbunden
Neues Headquarter der Publicis Groupe in Shanghai von Ippolito Fleitz