Projekte

Echo der Bergwelt

Nina Mair gestaltet die kommunikativen Räume eines Innsbrucker Unternehmens

Die Innsbrucker Architektin und Designerin Nina Mair hat in ihrer Heimatstadt die Büros eines staatlichen Unternehmens umgestaltet: Das Resultat ist eine Mikroarchitektur mit akustisch wirksamen Raumgrenzen, die zum ungestörten Ideenaustausch ebenso animiert wie zu kontemplativen Pausen.

von Norman Kietzmann, 02.06.2021

Im Büro wird heute nicht nur gearbeitet – zumindest nicht im Sinne konventioneller Schreibtischtätigkeit. Die gibt es zwar auch noch. Doch sie kann überall passieren: im Büro, im Homeoffice oder unterwegs. Der Hauptgrund für Mitarbeiter, heute in die Firma zu kommen, liegt in der gegenseitigen Kommunikation. Projekte werden besprochen, Ideen ausgetauscht und neue Ansätze entwickelt. Dafür braucht es Räume, die Geselligkeit unterstützen. Sie sollen Sinnlichkeit und Emotion ausstrahlen, statt als neutrale, gesichtslose Hüllen zu dienen. Corona hat diesen räumlichen Wandel verstärkt.

Entspannte Gemeinschaft
„In den letzten Monaten sind die Menschen mit dem Schreibtisch in die digitale Welt abgewandert. Echte Gemeinschaft findet im Homeoffice kaum statt. Die Menschen sehnen sich jedoch danach, auch im beruflichen Kontext. Die Bedeutung von Gemeinschaftsflächen im Büro wird daher zunehmen“, sagt Nina Mair. Die Architektin und Designerin unterhält ihr Studio in ihrer Geburtsstadt Innsbruck. Für ein dort ansässiges Staatsunternehmen hat sie einen Teil der Verwaltungsräume in neue Gemeinschaftsbereiche umgewandelt. Das Bürogebäude aus den Neunzigerjahren liegt direkt am Vorplatz des Innsbrucker Hauptbahnhofs. Es besitzt eine gläserne Vorhangfassade und wird von Betonträgern über den Boden angehoben, damit auf Erdgeschossebene Busse halten können.

Flüsternde Wände
Ein „freundliches Nest“ hat Nina Mair anvisiert: helle, lichtdurchflutete Räume, die von dreißig Mitarbeitern genutzt werden können. Damit sich diese nicht gegenseitig auf die Nerven fallen, wird die Fläche in einzelne Zonen und Rückzugsmöglichkeiten unterteilt. Den Trennwänden fällt hierbei eine doppelte Aufgabe zu. Sie halten Blicke fern und filtern zugleich störende Geräusche und Stimmengewirr heraus. Die Betonwände des Gebäude-Erschließungskerns sind mit Lärchenholzpaneelen verkleidet, deren geschlitzte Oberflächen die Nachhallzeit reduzieren. Eine schallschluckende Wirkung entfalten ebenso holzgerahmte und mit Merinowolle bezogene Paneele von Ydol.

Stilisierte Gipfel
Die Stoffe sind mit unterschiedlich großen, sich gegenseitig überlagernden Dreiecken bedruckt: als Echo auf die Bergwelt, die sich vor den großen Panoramafenstern öffnet. Die hellblaue und lachsfarbene Tonalität der stilisierten Gipfel greift die Corporate-Farben des Unternehmens auf. Damit der Raum durch die Stoffpaneele nicht völlig abgetrennt wird, kommen diagonale Metallgitter zum Einsatz. Sie lassen Licht und Blicke ebenso hindurch wie die Blätter von Zimmerpflanzen, die an ihnen emporranken. Die Gitter sind – wie die Stoffpaneele – mit Lärchenholz gerahmt. Das Naturmaterial wird auch für die Innenverkleidungen der Glasfenster sowie für eine Bank verwendet. Unterhalb der Fenster spannt sich diese durch die gesamte Länge des Raumes und dient als Sitzgelegenheit mit dünnen Wollkissen oder als breitflächige Ablage.

Doppelte Kodierung
Die Verbindung zur Natur verstärkt der Wollteppich Yak von JAB Anstoetz. Er verfügt über eine grobe Maschenstruktur, die Wohnzimmeratmosphäre in die kommunikative Arbeitswelt holt. Ein überaus praktischer Ansatz steckt in der Farbwahl der Teppiche: Die Erschließungsbereiche sind in einem mittleren Grauton gehalten, der auf diskrete und elegante Weise die Fluchtwege markiert. Die Aufenthaltsbereiche sind hingegen mit hellbeigen Böden ausgelegt. Auch die Möblierung zeigt sich betont wohnlich. Der von Nina Mair für LaCividina entworfene Loungesessel Bernard dient in hellblauem Stoffbezug für informelle Gespräche oder zum Entspannen. Ein rosafarbener Sessel mit voluminösen Ohren – das Modell Radar von Claesson Koivisto Rune für Emmegi –  wird zum störungsfreien Telefonieren genutzt.

Menschliche Dimension
Im Essbereich können die Mitarbeiter mitgebrachte oder selbst zubereitete Speisen genießen. Die eigens für das Projekt angefertigten Bistrotische warten mit hellgrauen Linoleumoberflächen auf. Sie werden von Stühlen der Serie ST6N-2 – das Gestell aus Massivholz, Sitzfläche und Rücken aus Formsperrholz – umringt, die vom Unternehmen Hussl direkt in Tirol gefertigt werden. Tische und Stühle sind in Konfigurationen für zwei und vier Personen gestellt. Sie lassen sich aber auch in eine lange Reihe positionieren, um Veranstaltungen zu organisieren. Das Ziel ihrer Intervention bringt Nina Mair so auf den Punkt: „Wir brauchen Räume, welche die Kreativität und Interaktion zwischen den Menschen fördern, um das Wohlbefinden zu erhöhen. In liebevoll gestalteten Details soll die Wertschätzung den Mitarbeitern gegenüber zum Ausdruck kommen.“

Facebook Twitter Pinterest LinkedIn Mail
Projektinfos
Projektname  Workplace in Office Tower 
Typologie Gemeinschaftsräume & Gastronomiebereich
Ort Innsbruck, Tirol, Österreich
Interieur Nina Mair, Insbruck 
Lärchenholz-Paneele Lignotrend 
Akustik-Stoffe Ydol
Teppiche Yak von JABB Anstoetz
Sessel Bernard Lounge von LaCividina 
Stühle ST6N-2 von Hussl
Links

Entwurf

Nina Mair

www.ninamair.at

Mehr Projekte

Effizienter Holzbaukasten

Büroneubau in Oslo mit durchdachter Lichtplanung

Büroneubau in Oslo mit durchdachter Lichtplanung

Akustische Glanzleistung

Sanierung der Bestuhlung im Neumarkter Reitstadel von Girsberger

Sanierung der Bestuhlung im Neumarkter Reitstadel von Girsberger

Zweite Auflage für eine Druckerei

Büro mit Tatami-Raum von INpuls in München

Büro mit Tatami-Raum von INpuls in München

Lebendige Präsentation

Neu gestalteter Showroom von Goldbach Kirchner

Neu gestalteter Showroom von Goldbach Kirchner

Infrastruktur fürs Glück

Bibliothek in Kirkkonummi von JKMM

Bibliothek in Kirkkonummi von JKMM

Möbel nach Maß

Nachhaltig transformiertes Cartier-Headquarter von Atelier Nova

Nachhaltig transformiertes Cartier-Headquarter von Atelier Nova

Das Regenbogen-Büro

Innovationsraum Space in Hamburg von Studio Besau-Marguerre

Innovationsraum Space in Hamburg von Studio Besau-Marguerre

Haus im Haus

Studio Alexander Fehres „Herzzone” für ein Büro von Roche

Studio Alexander Fehres „Herzzone” für ein Büro von Roche

Eine Ausstellung, die Stellung bezieht

Fotografiska Berlin im einstigen Tacheles von Studio Aisslinger

Fotografiska Berlin im einstigen Tacheles von Studio Aisslinger

Vom Sehen und Gesehenwerden

Eine Naturheilpraxis auf den Azoren von Box Arquitectos

Eine Naturheilpraxis auf den Azoren von Box Arquitectos

Besondere Böden

Fünf Projekte mit ungewöhnlicher Bodengestaltung

Fünf Projekte mit ungewöhnlicher Bodengestaltung

In eigener Sache

Ein Büro-Makeover vom Office-Spezialisten CSMM in Düsseldorf

Ein Büro-Makeover vom Office-Spezialisten CSMM in Düsseldorf

Ein sportliches Haus

Das neue Headquarter von Spillmann Echsle für On Running

Das neue Headquarter von Spillmann Echsle für On Running

Geflieste Exzentrik

Das neue Büro des kanadischen Fashion-Studios M.A.D.

Das neue Büro des kanadischen Fashion-Studios M.A.D.

Arbeiten unter Palmen

Amsterdamer Büro mit begehbaren Möbeln von Studioninedots

Amsterdamer Büro mit begehbaren Möbeln von Studioninedots

Grüne Arbeitsstruktur

Co-Working-Space in Barcelona von Daniel Mòdol

Co-Working-Space in Barcelona von Daniel Mòdol

Moderner Triumphbogen

Gebäudekomplex von Nikken Sekkei in Dubai

Gebäudekomplex von Nikken Sekkei in Dubai

In altem Glanz

Restaurierung einer historischen Villa in der italienischen Provinz Modena

Restaurierung einer historischen Villa in der italienischen Provinz Modena

Inspirationen statt Emissionen

Nachhaltiger Büroneubau von Studio Daytrip in London

Nachhaltiger Büroneubau von Studio Daytrip in London

Außen Altbau, innen New Work

Berliner Juris-Dependance am Ku’damm von de Winder Architekten

Berliner Juris-Dependance am Ku’damm von de Winder Architekten

Viel Platz für Veränderung

Atelier Gardens in Berlin-Tempelhof von MVRDV

Atelier Gardens in Berlin-Tempelhof von MVRDV

Dialog mit der Stadt

Das Verwaltungszentrum Brucity in Brüssel

Das Verwaltungszentrum Brucity in Brüssel

Bunter Community-Space

kupa Kitchen & Working Lounge von Stephanie Thatenhorst in München

kupa Kitchen & Working Lounge von Stephanie Thatenhorst in München

Facettenreiche Bürolandschaft

Vielschichtiger Workspace von SCOPE Architekten in Dresden

Vielschichtiger Workspace von SCOPE Architekten in Dresden

Komfort an der Wall Street

Die New York Stock Exchange hat umgebaut

Die New York Stock Exchange hat umgebaut

Büro im Bestand

Flexibler Workspace in den Berliner Wilhelm Hallen von PLY Atelier

Flexibler Workspace in den Berliner Wilhelm Hallen von PLY Atelier

Modulares für Mobiles

Ein Campus im Campus von Alexander Fehre

Ein Campus im Campus von Alexander Fehre

Alles unter einem Dach

Mixed-Use-Konzept in opulenter Villa von Lukas Nobili

Mixed-Use-Konzept in opulenter Villa von Lukas Nobili

Fünf Räume in einem

Multifunktionaler Co-Working-Space von BABELstudio in Bilbao

Multifunktionaler Co-Working-Space von BABELstudio in Bilbao

Wiedergeburt einer Architekturikone

Die Kreativagentur Sid Lee zieht in ein Hochhaus von I. M. Pei

Die Kreativagentur Sid Lee zieht in ein Hochhaus von I. M. Pei