Flucht aus Norddeutschland
Subtropischer Sehnsuchtsort Casa.Morgana von J. Mayer H. und Partner
Irgendwo in Norddeutschland soll diese Villa stehen, der genaue Standort bleibt geheim. Doch die Casa.Morgana und ihr Garten sind vor allem ein Sehnsuchtsort. Ein Ort der subtropischen Entrücktheit, an dem eine rauhe und zugleich luxuriöse Materialität gefeiert wird, wie man sie immer wieder bei zeitgenössischen Villen im mediterranen Raum sieht.
Aus dem irrationalen Spiel mit Wahrnehmungen leiten J. Mayer H. und Partner (Berlin) auch den Namen ihres kürzlich fertiggestellten Hauses ab: Casa.Morgana darf als Anspielung auf Fata Morgana verstanden werden. Mit flirrender Ungreifbarkeit hat man es hier jedoch nicht zu tun, sondern mit einem sehr präsenten Haus, das recht profan direkt zwischen gründerzeitlichen Villen an der Straße steht – denn die Casa.Morgana ist Ergebnis eines radikalen Umbaus.
Waschbeton, Braun und Beige prägten den ziemlich überwucherten Bestand aus den frühen Siebzigerjahren. Die Architekten bauten das Haus bis auf den Rohbau zurück, entnahmen einzelne Wände und Decken und überformten das Gebäude komplett, um den piefigen und blassen Spätmodernismus des Originals exzentrisch neu zu interpretieren. Dementsprechend beschreiben sie das Resultat als einen Ort, „der die zeittypische archaische und brutalistische Ästhetik der Entstehungszeit präzisiert und weiterführt“. Das Ergebnis überrascht umso mehr, wenn man sich die mittlerweile international fest verankerte Handschrift des Büros vor Augen führt. Mancher würde auf den ersten Blick wohl eher an Arno Brandlhuber denken und nicht an das Büro von Jürgen Mayer H.
Terrazzo, raumhohe Spiegel und viel freigelegter Sichtbeton bestimmen das Innere, das sich nur an der Gartenseite zum Außenraum öffnet. Sehr viel mehr als bei den meisten vergleichbaren Projekten spielt der Garten hier eine entscheidende Rolle. Palmen, Bambus, Farne und eindrucksvolle Pilze auf kniehohen Baumstümpfen schaffen einen dichten atmosphärischen Grünraum, der wenig mit der heimischen Vegetation Niedersachsens zu tun hat. Verantwortlich für die subtropisch inspirierte Gartengestaltung ist das Düsseldorfer Büro Tita Giese Pflanzenprojekte, das für seine anspruchsvollen Entwürfe bekannt ist. Giese hat unter anderen die Privatgärten für Andreas Gursky sowie Thomas Ruff gestaltet, mit Herzog & de Meuron zusammengearbeitet und einige öffentliche Flächen in Düsseldorf bepflanzt.
(Der Artikel erschien zuerst in den BauNetz Meldungen)
Mehr Projekte
Geheilter Bestand
Umbau und Erweiterung eines Fuhrwerkerhauses in Düsseldorf von Nidus
Im Rhythmus des Alltags
Unkonventioneller Umbau in Barcelona von Skye Maunsell und Jordi Veciana
Neubau mit Seele
Wohnhaus der Innenarchitektin Julie Thiers in Flandern
Spuren im Bestand
Umbau einer Villa in Posen von Adam Wierciński
Mehr Raum als Quadratmeter
Wohnungsumbau Casa JAM von gon architects in Madrid
Salbeigrün in Florenz
Sanierung einer historischen Villa in Florenz von bucci quentin
Hierarchie in Blockfarben
Apartment für zwei in Mailand von Marabelli Marongiu Architetti
Das Erbe des Freibeuters
Restaurierung eines Stadthauses in Katalonien von Raúl Sánchez
Klangfarben des Wohnens
Apartment in Minsk für einen Musikliebhaber von Mihail Kurnosov
Alles in Butter
Constanze Ladner kleidet eine Wohnung bei Wiesbaden in sanftes Gelb
Wohnen im Werden
Tifliser Hausmodernisierung von David und Alexander Brodsky
Sensibel, aber kompromisslos
Ferienhaus von STEINBAUER architektur+design in Waidmannsbach
Hinter die Fassade geschaut
Umbau in Ostflandern: Objekt Architecten im Dialog zwischen Tradition und Moderne
Fort im Forst
Ringbau von Fernanda Canales im mexikanischen Valle de Bravo
Räume ohne Raster
Ein radikal geöffneter Grundriss von RDTH architekti in Prag
Wohnen in der Beletage
Umbau einer Altbauwohnung in Charlottenburg von Batek Architekten
Grauzone mit Aussicht
Puristisches Rooftop-Apartment von unprofessional.studio in Taipeh
Generationswechsel im Siedlungshaus
atelier brum baut Kölner Reihenhaus in offenen Wohnbau um
Transluzenter Blockbau
Wohnturm aus Glas und Gitter von Studioninedots in Amsterdam
Skulpturaler Unterschlupf
Nachhaltige Holzhütte in den Pyrenäen
Helix aus Stahl
Architettura Tommasi gestaltet Loft in historischem Adelspalast in Padua
Glutroter Kokon
Reihenhaus-Modernisierung von Pablo Sanchez Lopez in London
Beton und Behaglichkeit
BekArch transformiert eine Prager Backstube in ein helles Studio-Apartment
Urbaner Lückenfüller
Zwei Wohnbauten von Pend in Edinburgh
Fifty Shades of Marble
Mistovia verwandelt einen Krakauer Rohbau in ein Zuhause mit Atelier
Haus der Gegensätze
Architektura baut in der Nähe von Prag ein ungewöhnliches Familiendomizil im Wald
Holz in Bewegung
Wohnhaus im Tessin mit außergewöhnlichem Parkett
Brücke zum Meer
Wochenendhaus von Omer Arbel in Kanada
Ziegel im Zentrum
Umbau eines Siedlerhauses in der Uckermark von Klöpfel Zeimer Architekten
Zwischen Erhalt und Erneuerung
Umbau eines Fischerhauses von Bea Portabella und Jordi Pagès in Cadaqueés