Projekte

Kreative Symbiose

Workspace in Stuttgart von Studio Komo

von Tanja Pabelick, 19.03.2020

Das Stuttgarter Studio Komo macht aus einem Gebäude des Industriezeitalters eine Büro-Oase, in der es so wohnlich zugeht wie im Hotel. Zwischen viel warmem Rosa und lebendigem Grün können die Lang- und Kurzzeitmieter pitchen und planen, Netzwerke spinnen und Nachtschichten bewältigen.

„New work is now“, befindet das Stuttgarter Studio Komo und meint damit: Die Arbeit von Morgen ist längst im Heute angekommen. Start-Ups und Selbstständige, kleine Unternehmen und kreative Agenturen arbeiten Zuhause und im Café, teilen sich Büros oder mieten sich zum Coworken ein. Viele können sich ihren Arbeitsplatz gemäß ihren individuellen Anforderungen aussuchen. Die Gestaltung der Räume wird im Zeitalter von New Work zu einem relevanten Faktor. Der Stuttgarter Office- und Meeting-Komplex Urban Space nimmt den Aspekt Ambiente ernst. Rene Rauls und Moritz Köhler, Gründer von Studio Komo, haben in einem Bestandsgebäude aus den Sechzigerjahren Arbeitsflächen entworfen, die sich zwischen Biotop und Urbanität bewegen: Die lebendigen Räume sind ein Fest der Farben.

Pflanzen, Farben, Infrastruktur
Am Anfang stand die Entkernung des Gebäudes im Stadtteil Vaihingen. Denn während vor einem halben Jahrhundert auf eine stark gegliederte Raumaufteilung gesetzt wurde, liegt die Vorliebe heute beim Open Space. Es wird individuell gearbeitet, aber übergreifend kommuniziert – und den Gemeinschaftsarbeitern ist die analoge Vernetzung mindestens so wichtig wie die digitale. Die Herausforderung für die Planer bestand darin, auf Basis des alten Skeletts eine neue Struktur zu entwickeln, mit einem durchlässigen Grundriss und vielfältigen Funktionsbereichen vom Empfang bis zur Dachterrasse. „Ziel war es, Räume, Bereiche und Funktionen miteinander zu verweben und ineinander fließen zu lassen“, beschreibt Moritz Köhler den gestalterischenn Ansatz des Studios. Es wurden ganze Wände entfernt und die Etagen geöffnet. So können die Nutzer kontinuierliche Wege ohne Sackgassen laufen – und den temporären Kollegen eröffnen sich unzählige Begegnungsmöglichkeiten.

Vom Powernap in die Arena
60 Arbeitsplätze stehen auf 800 Quadratmetern. Es gibt Räume für Veranstaltungen und Konferenzen, für Workshops, Vorträge und Kollaborationen – und natürlich für die individuelle Stillarbeit. Viele Bereiche sind gezielt so konzipiert, dass sie flexibel auf unterschiedliche Anforderungen reagieren. Speziell für die Gemeinschaftsbereiche des Büros hat Studio Komo modulare Holzkuben entworfen, die sich schnell zu neuen Landschaften arrangieren lassen. Aus dem lockeren Inselverbund wird eine Arena, eine Bühne oder eine Wüste – letztere bevorzugt bei After-Work-Events. Die rosa Raumelemente können in vielen Varianten zusammengebaut und über Schrauben fixiert werden. Die Küche und die Bar wurden als Funktionsbereiche, die von allen Nutzern regelmäßig frequentiert werden, zentral im Grundriss platziert. Wer Ruhe sucht – um beispielsweise mit dem Steuerberater oder Investor zu telefonieren – kann sich hingegen in die mit Filz ausgekleideten Fokusboxen oder die mit Liegen ausgestatteten Powernapping-Spaces zurückziehen.

Wohnlich am Schreibtisch
Mit seinen Designermöbeln, fröhlichen Farben, viel Textil und Grünpflanzen wirkt das Büro vielmehr wie ein wohnliches Hotel. Für eine gute Akustik haben die Planer mit PET-Filz bezogene Raumfilter entwickelt. Lamellen zonieren die Räume, ohne harte Grenzen zu errichten. Wo eine Abschirmung des Lärms notwendig ist, wurden Glaswände eingezogen. Dadurch bleiben Transparenz und Durchblick erhalten. Eine maßgeschneiderte Sonderlösung sind auch die Tische, die Studio Komo auf der Basis von Eiermann-Gestellen entwickelt hat. Sie können miteinander zu Inseln verbunden und durch Trennelemente ergänzt werden. Das Farb- und Materialkonzept bewegt sich im Bereich der rötlichen Nuancen, dazu gesellen sich Blau und Grau, ein sattes Grün und Details aus Eichenholz.

Fliegende Pflanzen
Das Büro soll eine urbane Oase sein. Teil des Raumkonzeptes sind deshalb auch Pflanzen mit dem Nebeneffekt, dass sie akustisch beruhigen. Sie baumeln in Blumenampeln unter der Decke oder stehen zwischen den Verkehrsflächen. „Im WorkLAB haben wir eine Leuchte geplant, die aus einem Grid besteht, das durch zusätzliche Pflanztröge erweitert wurde. Von dort hängen jetzt lange Triebe herunter. Im Zusammenspiel mit der besonderen Lichtstimmung und der Farbgebung im Raum bekommt das WorkLAB eine einmalige Unterwasseranmutung“, erläutern die Designer eine ihrer individuellen Lösungen. Zugang haben die Gäste übrigens 24/7. Und nicht nur Dauermieter, sondern auch Kurzzeitgäste sind willkommen. Durch die Lage in unmittelbarer Nähe zu Messe und Flughafen sind durchreisende Arbeitsnomaden ausgesprochen eingeladen, hier ein paar produktive Stunden zu verbringen. Für diejenigen, bei denen es dann länger dauert, hat der Urban Space übrigens auch schon strategisch mitgedacht: Im Büromittel-Shop gibt es auch Zahnbürsten.

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