Kunstwerke als Mitbewohner
Apartment in Tbilisi von Idaaf Architects
Für einen jungen Bauherrn, der sich ein Zuhause mit minimalistischem Interieur wünschte, konzipierten Idaaf Architects das Apartment 73A in Tbilisi. Zurückhaltende Farben, natürliche Materialien, lokale Kunst und eigens für das Projekt angefertigte Möbel verleihen der Wohnung Individualität und ein Gefühl von Geborgenheit. Die freundlichen Gestalten auf den Gemälden einer georgischen Künstlerin leisten dem Bewohner Gesellschaft.
Zu den spektakulärsten Gebäuden in Tbilisi gehören die Axis Towers, die sich über 37 Stockwerke Richtung Himmel schrauben. Sie stehen im Südwesten der Stadt im Viertel Vake, das sich zu einer beliebten Wohngegend mit großen Parks, Restaurants und Cafés entwickelt hat. Die beiden baugleichen Hochhäuser stellen farbliche Gegensätze dar: Während im dunklen Turm Büros, ein Hotel, ein Fitnessstudio und eine Bar untergebracht sind, beherbergt der helle Wolkenkratzer Wohnungen, darunter das Apartment 73A. „Hier ist immer viel los. Man kann den Lärm und die Hektik der Stadt von den Fenstern der Wohnung aus sehen und hören“, erzählt Nana Zaalishvili, die das Apartment gestaltet hat. Ihr Architektur- und Interiordesignstudio Idaaf Architects gründete sie 2016 in Tbilisi.
Reduziert und gemütlich
„Der Bewohner hat eine minimalistische Vorstellung vom Wohnen und so haben wir gemeinsam versucht, ein einfaches, aber funktionales Interieur zu schaffen. Die Zimmer und Stauräume sollen einem modernen Lifestyle entsprechen“, sagt Zaalishvili. Sie wählte die Inneneinrichtung so aus, „dass der Rhythmus der Stadt die Gemütlichkeit des Raums nicht stört“. Da die Wohnung nur 60 Quadratmeter groß ist, bestand die größte Herausforderung für die Architektin darin, einen offenen Grundriss mit maximaler Raumausnutzung zu schaffen und das Apartment nicht mit Möbeln zu überfüllen.
Offen und einheitlich
Zuerst widmete sie sich dem Küchenbereich: „Die Kücheninsel ist definitiv mein Lieblingsobjekt in dem Apartment. Als ich mit der Planung begann, war sie das erste Element, das ich entworfen habe.“ Die Insel aus Marmor gab zusammen mit den Küchenschränken aus dunklem Holz die Richtung für die natürliche, ruhige Gestaltung des gesamten Apartments vor. Der offene Raum wird durch eine längliche, tragende Säule gegliedert: „Dieser integrale Bestandteil des Interieurs trennt das Schlafzimmer vom Rest der Wohnung und ist mit Basaltsteinplatten aus einem georgischen Steinbruch verkleidet, deren neutrale Farbe die Präsenz der Säule abschwächt“, erklärt die Architektin. Das Grau der Säule findet sich in den Wänden wieder, die mit Mikrozement verputzt wurden und einen eleganten Kontrast zu den dunklen Einbauten bilden.
Georgisch und modern
Verschiedene Objekte im Apartment sind georgische Entwürfe, wie der Esstisch Element, den das Team von Idaaf Architects selbst entwickelt hat. „Wir haben 100 Jahre altes Holz aus einem traditionellen Oda-Haus verwendet, um den Tisch zu gestalten“, sagt Zaalishvili. „Bei unseren Entwürfen haben wir uns insgesamt sehr bemüht, eine georgische Linie zu schaffen, die keine Replik oder typische Umsetzung eines georgischen Interieurs ist, sondern vielmehr unsere eigene, moderne Vision davon.“ Auch den Beistelltisch aus massivem Walnussholz im Schlafzimmer sowie den Couchtisch 73A aus gebranntem Holz im Wohnzimmer gestalteten die Architekt*innen ganz individuell und nach diesem Konzept. Dazu gesellen sich Leuchten von Hay, &Tradition, RBW und FAS.
Kunstvoll und personalisiert
Die Gemälde an den Wänden stammen von der georgischen Künstlerin Maka Batiashvili. „Wir wählen fast immer auch die Kunstwerke für die von uns gestalteten Räume aus. In diesem Fall habe ich mich für Maka entschieden, weil ich sie gut kenne und das Gefühl hatte, dass ihr Charakter dem meines Auftraggebers sehr ähnlich ist. Ich dachte auch, dass wir ein paar kräftige Farben und Menschengesichter im Apartment brauchen“, sagt die Planer*in. Sie hat außerdem kleine Blumenmotive im Badezimmer und neben der Eingangstür in die Wand eingelassen. Nana Zaalishvili erklärt: „Das ist mein Markenzeichen, das ich selbst gestaltet habe und das ich fast in jedem Interieur verwende. Ich habe diese Serie von Kunstwerken mit Blumen aus Ton und Holz namens Garden Far Away entworfen, von denen ich zwei auch in diese Einrichtung integriert habe.“
FOTOGRAFIE Guram Kapanadze Guram Kapanadze
| Wohnungsgröße | 60 m2 |
| Bauzeit | 2019-2022 |
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