Projekte

Nacht gestalten

von Tanja Pabelick, 28.11.2011


Wenn Architekten sich ihre eigenen Studios einrichten, dann gibt ihnen das die Gelegenheit, Räume für jeden Arbeitsschritt kreativer Auseinandersetzung zu berücksichtigen: vom kontemplativen Rückzugsraum bis zum Empfang, von der Modellwerkstatt bis zum individuellen digitalen Arbeitsplatz. Aber noch eine andere Rolle können die Büros aus der eigenen Feder einnehmen: Sie werden zur Visitenkarte für potentielle Auftraggeber, die vor Ort einen Eindruck von der Arbeit der Architekten gewinnen können. Das Büro Park+Associates aus Singapur hat mit seinem Umzug auch die eigene Inszenierung perfektioniert: Mitten in dem von Hochhäusern dominierten Finanzzentrum der Metropole liegt ihr neues Studio, das sich gekonnt zwischen Tag und Nacht, Stadt und Natur bewegt und Geradlinigkeit mit verspielten Elementen kombiniert.
 

Singapur ist das kleinste südostasiatische Land, Insel- und Stadtstaat gleichermaßen und Heimat vieler Nationen. Aufgrund seines hohen Lebensstandards, der unzähligen Shopping-Center und des fast fanatisch aufgeräumten Statdtraums – bis 2004 war hier selbst der Verkauf von Kaugummi verboten – wurde es von einigen mehr Dynamik erwartenden Besuchern mit dem Spottnamen Singabore belegt. Tatsächlich sind die Straßen hier tagsüber seltsam ausgestorben – das ist allerdings weniger einer bewegungsfaulen Bevölkerung als vielmehr den Temperaturen zuzuschreiben: Bei über das Jahr hinweg konstanten 30 Grad und einem dauerhaft feuchten Klima ziehen die Bewohner der Stadt den Aufenthalt in klimatisierten Gebäuden vor: Zum Fluchtraum werden die Haltestellen der Stadtbahn, das eigene Auto, ein Shopping-Center oder das Büro. Vielleicht also sind die Singapurer im Interiordesign, in der Stadtplanung und in der Architektur auch deshalb so erfolgreich, weil der Innenraum im Alltag einen höheren Stellenwert einnimmt als an vielen anderen Orten.
 
Regenwald im Großstadtdschungel

Eines der ortsansässigen Architekturbüros ist Park+Associates, das sich jetzt an der zentral gelegenen Cecil Street niedergelassen hat. Diese führt durch den Raffles District – den Teil der Stadt, in dem sich die Hochhäuser und Landmarken des Staates drängen und in dem das Schaltzentrum der Wirtschaft des Landes liegt. Von außen gesehen ist das Haus mit der Nummer 158 so nüchtern wie seine Nachbarn: funktionale Architektur mit einer großzügigen Glasfassade, davor makellose Bürgersteige und ein paar der für die geografische Lage so typischen Palmen, die in Singapur die Straßen zur Allee machen. Erst im Innern offenbart sich der Charakter: Hängende Gärten verwandeln das 14-stöckige Gebäude in einen Regenwald inmitten der Stadt. Doch kurz nach der Fertigstellung des Baus war den Bauherren das Atrium in seinem konsequent grauen Anstrich zu einfallslos, und so beauftragten sie das Unternehmen AG Facade Design mit einer Generalüberholung. Seitdem ranken sich Kletterpflanzen um die weiß gestrichenen Pfeiler und Grün in all seinen Facetten zieht sich über sämtliche Etagen bis unter die Decke.  
 
Schwarz, weiß, grün

Diesen Überraschungsmoment und die Ansprache der Sinne suchten die Architekten Park+Associates auch bei der Gestaltung ihres Studios. Die Räume sind entsprechend ihrer Funktion monochrom in Schwarz oder Weiß gehalten, der Farbwechsel erfolgt jeweils an der Schwelle. Gemeinschaftliche Räume, der Empfangs- oder Besprechungsbereich sind konsequent dunkel, die Büros, in denen die Computer stehen, hell. Davon versprechen sich die Architekten Erfrischung und Dynamik beim Durchlaufen: „Wir wollten die Reinheit von Schwarz und Weiß ausreizen – wenn man sich durch das Studio bewegt ist es fast so, als würde man in den Räumen Tag und Nacht erleben“, kommentiert Büro-Gründer Kim Loon Park seine Intention. Außerdem gibt das neue Studio dem Büro genug Reserve für weiteres Wachstum bei gleichzeitig stärkerer Vernetzung der Prozesse: Es findet Raum in einer einzigen Etage. Im Gegensatz zu dem früheren Shophouse, in dem die Mitarbeiter auf mehreren Etagen untergebracht waren, hat der neue Standort „die Kommunikation und Kooperation signifikant verbessert“, so Park.

Leuchtende Hasenparade

Mehr als die Hälfte der Fläche kann gemeinschaftlich genutzt werden, dazu gehört die Rezeption, die den Mitarbeitern auch als Lounge und Bibliothek zur Verfügung steht. Eine Reihe Rabbit Lamps von Moooi weist dem Besucher von hier den Weg durch den ansonsten im Dunkeln liegenden Flur. Dahinter öffnet sich der gleißend weiße Arbeitsbereich, der der größte Raum des Studios ist. Klare Linien, intelligenter Stauraum und ein ausgeklügeltes Beleuchtungskonzept schaffen eine Atmosphäre für konzentriertes Arbeiten. An einem großen, zentral aufgestellten Tisch können die Designer zum Brainstorming oder zu Projektbesprechungen zusammenkommen. Um aber eine zu unterkühlte Atmosphäre zu vermeiden, haben die Architekten ein gestalterisches Zitat aus der Eingangshalle eingebunden: An einer Wand bringt ein vertikaler Garten Wärme in das blanke Ambiente.
Facebook Twitter Pinterest LinkedIn Mail
Links

Park+Associates

www.parkassociates.com.sg

AG FacaDesign

www.agfacadesign.com

Mehr Projekte

Das Café als Blaupause

Büro Pankrath baut den Quadriga Campus in Berlin im Bestand um

Büro Pankrath baut den Quadriga Campus in Berlin im Bestand um

Räume mit Haltung

Veranstaltungszentrum der Münchner Aids-Hilfe von INPULS

Veranstaltungszentrum der Münchner Aids-Hilfe von INPULS

Ade Palais

Zirkuläre Arbeitsgarage von Caramel ArchitektInnen in Wien

Zirkuläre Arbeitsgarage von Caramel ArchitektInnen in Wien

Mehr als eine Hülle

Wie Dan Vakhrameyev die klassische Flugzeughalle neu definiert

Wie Dan Vakhrameyev die klassische Flugzeughalle neu definiert

Farbrausch im Engadin

Künstlerresidenz in Maloja von Kueng Caputo

Künstlerresidenz in Maloja von Kueng Caputo

Konkurrenz fürs Homeoffice

Das neue Büro von Studio McW in London

Das neue Büro von Studio McW in London

Schimmerndes Gewand

HENN gestaltet Büroräume für BestSecret in München

HENN gestaltet Büroräume für BestSecret in München

Räume wie gedruckt

Risotto HQ von Gabriella Marcella in Glasgow

Risotto HQ von Gabriella Marcella in Glasgow

Pause im Palmenhof

Ein Tropicália-Workplace von Tabitha Isobel und Studio Multi in London

Ein Tropicália-Workplace von Tabitha Isobel und Studio Multi in London

Arbeitsplatz auf Zeit

Züricher Co-Working-Space von HSB Architekten für FlexOffice

Züricher Co-Working-Space von HSB Architekten für FlexOffice

Flurfunk war gestern

Umbau einer Firmenzentrale in Berlin von brandherm + krumrey

Umbau einer Firmenzentrale in Berlin von brandherm + krumrey

Stadt der Advocati

Erweiterung einer Anwaltskanzlei in Münster von studio eto

Erweiterung einer Anwaltskanzlei in Münster von studio eto

Lernen im Holzhybridbau

Bildungshaus NeckarPark von Glück + Partner in Stuttgart

Bildungshaus NeckarPark von Glück + Partner in Stuttgart

Zwischen Atmosphäre und Funktion

Büroräume für eine Social-Media-Agentur in Berlin von RHO

Büroräume für eine Social-Media-Agentur in Berlin von RHO

Im Geist der Sechziger

Ortsspezifischer Büroumbau von Christopher Sitzler und Gizzem Cinar in Hamburg

Ortsspezifischer Büroumbau von Christopher Sitzler und Gizzem Cinar in Hamburg

Offen für Neues

Agiles Arbeitsumfeld im Continental-Headquarter in Hannover

Agiles Arbeitsumfeld im Continental-Headquarter in Hannover

Bunte Begegnungen

Shared Spaces im Bürobau M40 von Kinzo in Berlin

Shared Spaces im Bürobau M40 von Kinzo in Berlin

High Heels im Hochhaus

Aeyde-Headquarter in Berlin von Gonzalez Haase AAS

Aeyde-Headquarter in Berlin von Gonzalez Haase AAS

Yellow Submarine im Gewerbegebiet

Bürobau für Agrosemillas von Impepinable Studio in Spanien

Bürobau für Agrosemillas von Impepinable Studio in Spanien

Grüne Achse

Dschungel-Flur von Beyond Space in der Schweiz

Dschungel-Flur von Beyond Space in der Schweiz

Im Geist der Vergangenheit

Neugestaltung einer Bürofläche in Tokio von Symbolplus

Neugestaltung einer Bürofläche in Tokio von Symbolplus

Roter Riese

In Odense wurde das größte Holzbürohaus Dänemarks bezogen

In Odense wurde das größte Holzbürohaus Dänemarks bezogen

Neue Welt in altem Gewand

Blomus Headquarter in Sundern

Blomus Headquarter in Sundern

Kulturaffine Büro-WG

Neues Office von Kinzo und Karsten Jahnke in Hamburg

Neues Office von Kinzo und Karsten Jahnke in Hamburg

Flurfunk und Fernsehturmblick

Tech-Büro im Haupttelegrafenamt Berlin von de Winder

Tech-Büro im Haupttelegrafenamt Berlin von de Winder

Raum mit Reserven

Umbau von YONT Studio für das Musiklabel Seven in Berlin

Umbau von YONT Studio für das Musiklabel Seven in Berlin

Flexible Arbeitslandschaft am Hafen

Umbau der Maersk-Zentrale in Rotterdam

Umbau der Maersk-Zentrale in Rotterdam

Schlichte Bühne für starke Bilder

Fotostudio-Interieur von Sapid Studio in Genf

Fotostudio-Interieur von Sapid Studio in Genf

Umbau mit Gütesiegel

Neue Arbeitswelt für den TÜV-Verband in Berlin

Neue Arbeitswelt für den TÜV-Verband in Berlin

Vertikal verbunden

Neues Headquarter der Publicis Groupe in Shanghai von Ippolito Fleitz

Neues Headquarter der Publicis Groupe in Shanghai von Ippolito Fleitz