Projekte

Schöne neue Baugruppenwelt

Eine Baugruppe mit mehr als zwanzig Kindern in Tübingen 

von Julia Bluth, 04.11.2016

Baugruppen gelten als das Zukunftsmodell urbanen Wohnens. Warum das so ist, zeigt beispielhaft ein nachhaltiges Bauvorhaben von acht Familien in Tübingen. Ihr gemeinsam mit den Architekten Christoph Manderscheid und Silke Koch realisiertes Mehrfamilienhaus En famille verbindet auf beeindruckende Weise individuelle Wohnträume mit ökologischer Konsequenz und schwäbischer Sparsamkeit.

Das winkelförmige Gebäude liegt leicht erhöht zum Schutz vor Hochwasser im jüngst fertiggestellten Neubauviertel Alte Weberei. Wo einst das Textilunternehmen Egeria Bademoden für den weltweiten Export herstellte, zieht heute ein modernes Wohnquartier vor allem Familien in die unmittelbare Nähe des Neckars.

Individuell familiär
Wie bei Baugemeinschaften üblich, ist auch  dieses Projekt das Ergebnis ausgiebiger Diskussionen und gegenseitiger Abstimmung. Mit insgesamt mehr als zwanzig Kindern war für die Beteiligten jedoch einstimmig die Familienfreundlichkeit erste Priorität. So steht allen Eigentümern ein begrünter Blockinnenhof mit Spielfläche zur Verfügung, während die Bewohner der obersten Etage über Dachterrassen und die des Erdgeschosses jeweils über einen kleinen Garten verfügen. Balkone, holzverschalte Erker und Wintergärten erhöhen die Wohnqualität und lockern das monolithische Fassadenbild auf. Die meisten Wohnungen reichen über zwei Stockwerke und alle sind den Wünschen ihrer Bauherrn entsprechend individuell maßgeschneidert. Aus Rücksicht auf die zahlreichen Kinder wurden Steckdosen mit Kindersicherung und integriertem LED-Licht von Jung verbaut. Im Erdgeschoss dient ein offenes Familiencafé mit angrenzender Töpferwerkstatt und Werkstattsladen als allgemeiner Treffpunkt.

Stilsicher ökologisch
Das auf den ersten Blick auffälligste Merkmal des in seiner Form schlichten Eckgebäudes ist zweifellos die organisch wirkende Fassadenstruktur und -farbe. Der mit Ziegelmehl eingefärbte Putz aus Kalkmörtel leuchtet in einem hellen Terrakottaton und macht die sonst übliche Verwendung von Bioziden überflüssig. Im Inneren wurde bewusst auf einen Fahrstuhl verzichtet, so dass das Treppenhaus ungewöhnlich frei geführt werden konnte. Die mit rötlichem Kalk geschlämmten Wände des Aufgangs reflektieren das Tageslicht und schaffen eine warme Atmosphäre. Für ein gesundes Raumklima in den Wohnungen selbst sorgen geschlämmte oder glatt verputzte und mit Kalk gestrichene Wände. Passend dazu wurden einheitlich die puristisch weißen Lichtschalter der Serie LS 990 von Jung eingesetzt. Energetisch erreicht das mit der Abwärme von verstromtem Klärgas beheizte Gebäude den Standard eines Kfw-Effizienzhauses 70.
En famille ist ohne Zweifel ein in vielerlei Hinsicht bestechendes Wohnprojekt, dessen Bewohner zusätzlich von einer optimalen Nachbarschaft profitieren. Doch wie sieht die finanzielle Seite aus? „Die Wohungen haben im Mittel zirka 2.300 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gekostet, inklusive Grundstück, Erschließung, Freianlage und Honorare“, beantwortet Christoph Manderscheid die Frage. „Im Haus wurde dann noch einmal nach Lage entschieden, etwas teurer oder etwas günstiger. Eine vom Bauträger gebaute Wohnung kostete zu dieser Zeit zirka 1.000 Euro mehr pro Quadratmeter.“ Wer jetzt noch keine Baugruppe hat, der suche sich eine.

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Projektarchitekt

Büro Manderscheid

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