Projekte

Zwischen den Räumen

Ungewöhnliches Einfamilienhaus von Harquitectes in Nordspanien

von Julia Bluth, 19.09.2016

Viel Raum zwischen Eltern und Kindern, Zwischenräume als Wohnräume und Wohnräume als White Cube: In der nordspanischen Kleinstadt Sant Cugat del Vallès haben Harquitectes mit einem Einfamilienhaus vieles anders gemacht - und alles richtig.

Die Bauherrn, zwei Kunstsammler und Eltern dreier Kinder, hatten sich mit sehr präzisen Vorstellungen an die Architekten gewandt. Besonders wichtig war ihnen eine enge Verbindung zum Garten, eine den klimatischen Bedingungen des Ortes angemessene Bauweise und ausreichend freie Wandflächen für ihre zeitgenössischen Kunstwerke.

Einfach dreifach
Die Lösung der Architekten: Drei Häuser in einem. Aufgereiht entlang der nördlichen Grundstücksgrenze, bilden drei Backsteinkuben eine geschlossene Einheit, die dank offener Verbindungsräume symbiotisch mit dem Garten verschmilzt. Im östlichen Kubus befindet sich der Bereich der Kinder, die im Erdgeschoss über ein Spielzimmer und im Obergeschoss über drei Schlafzimmer verfügen. Im zentralen, einstöckigen Kubus liegt der offene Koch- Essbereich, an den westlich der Elternkubus mit Schlafzimmer im Erdgeschoss und Arbeitszimmer im Obergeschoss angrenzt.

Klimafreundlich kühl
Auf den ersten Blick fällt auf, dass das rote Mauerwerk der Gebäude nur durch wenige Fensterflächen unterbrochen wird – eine bewusste Entscheidung der Architekten, die dem mediterranen Klima entsprechend auf großzügig verglaste Fassadenflächen verzichteten. Zur Südseite schützen Außenrollos aus lasierter Douglasie vor zu starker Sonneneinstrahlung, während das wämegedämmte und zweischalig hinterlüftete Mauerwerk sowie die begrünten Dachflächen für ein gutes Raumklima sorgen. Die matt polierten Betonböden der Innen- und Außenräume verfügen außerdem über eine Fußbodenheizung, die im Winter mithilfe einer geothermischen Wärmepumpe beheizt und im Sommer mit kaltem Wasser gekühlt wird.


Geschlossen offen
Die gut abgeschirmten Innenräume mit ihren unverputzten Steinwänden und Betondecken wurden konsequent in Weiß gehalten. So bilden sie den perfekten Hintergrund für die großformatigen Ölbilder und Grafiken des Sammlerpaars, das auch bei der Elektroinstallation Wert auf Understatement legte. Die weißen Schalterklassiker der Serie LS 990 von Jung fügen sich harmonisch in das zurückhaltende Ambiente, das einem belebten White Cube gleicht. Besonders schön lösten die Architekten dabei den Übergang von innen nach außen, wo sich die Materialität des Interieurs nahtlos fortsetzt. Vom Schlafbereich der Eltern gelangt man direkt in den offenen Wohnbereich, der im Süden durch eine großzügige Terrasse erweitert wird und einen Rundumblick in den Garten bietet. Der Spielbereich der Kinder geht hingegen in den offenen Eingangsbereich über, der wiederum in die Küche – das Herzstück des Ensembles – führt. Beide Übergangsräume lassen sich mithilfe gläserner Falttüren schließen und verwandeln sich so bei kühlen Temperaturen in Wintergärten.

Ein ebenso ungewöhnliches wie gelungenes Projekt, das konsequente Modernität und mediterrane Bautradition gekonnt miteinander verbindet. Hier stimmte die Wellenlänge zwischen Architekten und Bauherrn sichtbar.

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Projektarchitekten

Harquitectes

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