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Alle unter einem Dach

Als Bausatz aus dem Discounter oder vom Architekten geplant: Die Geschichte des Carports

von Tim Berge, 26.11.2014

Was Frank Lloyd Wright erfunden hat, kann doch gar nicht schlecht sein, oder!? Nimmt man sich des Themas Carport an, stellt sich allerdings umgehend die Frage, ob der amerikanische Architekt diese Idee nicht besser hätte für sich behalten sollen. Doch wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben und sind am Ende fündig geworden. Es gibt sie doch: die schönen Unterstände für Autos! 

Carports haben sich in den Vorstadtwüsten in den letzten Jahren rasant vermehrt. Zu schön ist die Vorstellung, das Auto auf dem eigenen Grundstück vor Wind, Wetter und vandalierenden Nachbarskindern geschützt zu wissen.

Wright war’s
Frank Lloyd Wright prägte in den 1920er Jahren den Begriff „Carport“ mit seinen Prairie Houses, die er allesamt mit diesen neuartigen Unterständen für die Vehikel der Bewohner ausstattete. Für den Baumeister ging es um die Verschmelzung von Gebäude und Landschaft: Die Architektur sollte sich durch möglichst viele Bauteile mit der Natur verzahnen. Die Gartenmauer wuchs ebenso aus der Häuserflucht hervor wie ein Dach, das dem Schutz der Autos vor Wind und Wetter dienen sollte: die Geburtsstunde des Carports. 

Architektur als Bausatz
Eine architektonische Vision ist allerdings nur noch wenigen Carports anzusehen – zu sehr sind sie Teil der Discount-Baukultur der westlichen Welt geworden. Einen Bausatz aus dem Baumarkt, der sich kinderleicht und mit wenigen Handgriffen fast wie von selbst errichten lässt, gibt es schon für wenige hundert Euro. Wozu soll man da noch einen Planer beauftragen, der Kosten und Ärger produziert? Und außerdem passt doch der Carport im Toskana-Look viel besser in den Architekturbrei unserer Vorstädte.

Hoffnungsschimmer
Doch es geht auch anders: In Ländern, die ihre Baukultur noch nicht ganz den Royalisten oder den Freunden eines mediterranen Allerleis überlassen haben, lassen sich spannende Lösungen finden. Dabei können stadtpolitisch bedeutende Aspekte unserer Zeit wie die Verdichtung unserer Lebensräume und ein daraus resultierender Platzmangel das Thema Carport aus seiner architekturpolitisch begrenzten Bedeutung befreien und enorm aufwerten. Und gleichzeitig knüpfen die Planer damit an die Wrightsche Vision – von der Einheit aus Architektur und Landschaft – an. Wenn es nur immer so einfach wäre.

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