Projekte

Bewohnbarer Spielplatz

Rotterdamer Townhouse von LAGADO Architects

Maria Vasiloglou und Victor Verhagen von LAGADO architects stellen mit ihrem Projekt die Normen traditioneller niederländischer Reihenhäuser auf den Kopf.

von Nina C. Müller, 03.09.2020

Im Portfolio von LAGADO architects aus Rotterdam findet man Wohnungen, Restaurants und Geschäfte, aber auch Spielplätze samt Halfpipes, Wasserbassins und künstlichen Hügeln. Auch ihre eigenen vier Wände verwandelten Maria Vasiloglou und Victor Verhagen in einen freundlichen Ort, der als „Workhome - Playhome“ zum Leben, Arbeiten und Spielen einlädt.
Ihr Studioname leite sich von Jonathan Swifts’ satirischem Roman Gullivers Reisen ab, erklären Maria Vasiloglou und Victor Verhagen von LAGADO architects. Dort möchte ein Architekt ein Haus vom Dach zum Fundament hin bauen. So viel Freiheit hatten sie bei der Gestaltung ihres eigenen Heims, ein Stadthaus mit Garten im Zentrum von Rotterdam, nicht. Doch konnten sie während des Bauprozesses Einfluss auf Grundriss, Oberflächen und Einbauten nehmen – und so zumindest die Normen traditioneller niederländischer Reihenhäuser auf den Kopf stellen.



Geerdetes Loft
Ein Haus, das gleichermaßen Platz zum Leben und Arbeiten bietet, Kindern wie Erwachsenen gerecht wird und ausreichend Kapazitäten für Familienbesuche ermöglicht: Das war das erklärte Ziel des griechisch-niederländischen Architektenpaares, dem es vor allem auf ein funktionierendes Nebeneinander der Aktivitäten ankam. Eine Menge unterschiedlicher Anforderungen, die auf 135 Quadratmetern Fläche kluge und kreative Lösungen forderten.

Um die Lichtverhältnisse der Wohnung optimal auszunutzen, wiesen Vasiloglou und Verhagen jedem Stockwerk bestimmte Funktionen zu. Im Erdgeschoss, das sich mit einer großen Terrassentür zu einem eigenen und einem gemeinschaftlich genutzten Garten hin öffnet, siedelten sie den Wohn- und Essbereich an. Die Schlafräume legten sie in den ersten Stock. Arbeits- und Gästezimmer fanden im zweiten Stock, unterhalb der Dachterrasse Platz, wo große Fenster viel Licht nach innen lassen. So dienen die dunkleren Zimmer der Nacht und die ausgeleuchteten Bereiche dem Tag. Aber auch Querverbindungen und multiple Nutzungen sahen die Architekten vor. Und das auf vielfältige Arten.



Farbige Blöcke
Zwischen Küche und Flur wurden deckenhohe Schiebetüren integriert. Sie verbesserten die räumlichen Qualitäten, verliehen beiden Räumen Luft und Licht und veränderten die Typologie traditioneller niederländischer Wohnformen, sagen die Planer, die auch im restlichen Wohnraum mit Konventionen brechen wollten. In der zweiten Etage verzichteten sie auf unnötige Wände, wodurch sie einem Loft gleichkommt. Mit kleinem Badezimmer und Pantryküche ausgestattet, eigne sich diese Zone nun gleichermaßen zum Arbeiten, Musizieren, Spielen wie auch als Unterkunft für Gäste.

Um einzelne Bereiche innerhalb des großen Ganzen zu definieren, entwickelten  Vasiloglou und Verhagen für das gesamte Interieur ein Konzept der Farbblöcke. „Unterschiedliche Funktionszonen werden mit variierenden Farben und Materialien gekennzeichnet“, sagen sie. So trifft man auf Wände, Böden, Fliesen, Vorhänge und Schränke in pastellenen und kräftigen Tönen. Orange im Wohnzimmer komplementiere das Grün des Gartens. In den Schlafzimmern sorgten Violett und dunkles Blau für einen beruhigenden Effekt. Und das oberste Stockwerk wirke dank Farbigkeit und Licht frisch und offen, kommentiert das Duo.



Himmel und Erde
Zwischen den drei Ebenen und dem Dach integrierten sie einen eigenen Treppenaufgang, den sie als „vertikale Skulptur“ bezeichnen. Seine geometrischen Wände bilden förmlich einen eigenen Raum, der sich durch die Senkrechte der Architektur zieht, während ihn seine an den Seiten eingelassenen, dreieckigen Fenster mit dem Umraum verbinden. Sie erlauben Einblicke in die Umräume und „das dunkle Herz des Hauses“, wie die Planer den ersten Stock nennen. Zudem schaffen sie mit seiner durchgehend himmelblauen Färbung aber auch eine poetische Beziehung zum Himmel, in den die Treppe schließlich mit der Dachterrasse führt.

LAGADO architects bauten zwar nicht wie ihr literarisches Vorbild vom Dach zum Fundament, doch gelang es ihnen, mit Farben, Formen und Materialien zumindest eine Einheit zwischen den Ebenen herzustellen und eine unbeschwerte Atmosphäre zu erzeugen.

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LAGADO Architects

lagadoarchitects.com

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