Bruch in Beton
Ein Feriendomizil im Schweizer Kanton Wallis setzt sich gekonnt in Szene.
Eine alte Almhütte im Schweizer Kanton Wallis, die zum Feriendomizil für einen Architekten und seine Familie umgebaut wird: Klar, dass bei diesem Projekt Beton eine tragende Rolle spielt. Doch den größten Auftritt hat neben der Landschaft die originale Substanz des historischen Bauwerks: Sie wurde von den Planern gekonnt in Szene gesetzt.
Mit der Umgestaltung legte das Architekturbüro Savioz Fabrizzi auch die Entstehungsgeschichte des Bauwerks frei, das 1882 als Scheune in der Ortschaft Giète-Diélè errichtet worden war. Mitten in der Alpenlandschaft gelegen, bietet das Haus alles, was man von einem Schweizer Feriendomizil erwartet: eine atemberaubende Landschaft, die Ruhe der Natur und eine Architektur, die Alt und Neu miteinander verknüpft.
Lesbares Haus
Die Geschichte der Almhütte hatte bereits in den 80er Jahren eine erste Fortsetzung erfahren, als das Gebäude durch ein zweites Stockwerk aus Ziegelsteinen und ein neu geformtes Dach ergänzt wurde – das im 19. Jahrhundert gebaute Erdgeschoss war noch aus vor Ort gefundenen Bruchsteinen errichtet worden. Savioz Fabrizzi legten alle verwendeten Materialien in der Fassade frei und überzogen das Haus mit einem dunkelgrauen Anstrich, der die unterschiedlich rohen Texturen zwar vereinheitlicht, aber nicht kaschiert. So wirken die neu eingefügten Elemente aus Beton wie positive Abdrücke in der Oberfläche und machen das Haus und seine Historie zu einem offenen Buch.
Räumliches Zusammenspiel
Neben seiner monochromen Fassadenfarbe lebt das Maison Savioz von dem Zusammenspiel aus offenen und geschlossenen Flächen. Die teilweise raumhohen Schiebefenster mit einer Spiegelverglasung verknüpfen Landschaft und Haus: Im geöffneten Zustand verbinden sie den Innenraum mit den angrenzenden Feldern und erweitern den Wohnraum nach außen. Damit tritt das Feriendomizil in die historischen Fußstapfen der Almhütte und erinnert an die ursprüngliche Nutzung der so genannten „Maiensässe“, deren Hütten einen starken Bezug zum Außenraum besaßen und sich räumlich auf das Wesentliche beschränkten.
Über dem Untergeschoss, das als Lager und Eingangsbereich genutzt wird, liegt der Wohnraum: Vier Kisten aus dunkel lasiertem Holz definieren einen Raumwinkel, der sich an seinen Enden jeweils über ein großes Fenster zur Natur hin öffnet. Boden und Decke sind betoniert und ergeben zusammen mit den Einbaumöbeln einen spannenden Kontrast zu den Farben der Natur, die durch die raumhohen Öffnungen wie großformatige Bilder in das Innere hereindringen. Die fest eingebauten Sitzbänke geben dem Wohnraum seinen Almhütten-Charakter und wirken doch reduziert und modern in ihrer Formensprache.
Das Obergeschoss verfügt über zwei Schlafzimmer, deren Holzverkleidung komplett unbehandelt ist. Sämtliche Funktionen sind eingebaut, sodass kein Möbel den zurückhaltenden Raumeindruck stört: Alles im Maison Savioz unterwirft sich der Einfachheit und dem Ausblick auf die Natur, die durch die Architektur in den Mittelpunkt gerückt wird. Zurückhaltende Materialien, gut proportionierte Räume und die Verbindung aus Regionalität und moderner Architektur machen aus dem Haus ein baukünstlerisches Kleinod.
FOTOGRAFIE Thomas Jantscher
Thomas Jantscher
Projektarchitekten
www.sf-ar.chMehr Projekte
Im Zeichen des Drachen
Apartment-Renovierung in Polen mit opulentem Storytelling von Karolina Rochman
Landhaus reloaded
Neubau aus Lehm und Abbruchmaterial von Tuckey Design Studio in Wiltshire
Erinnern und erneuern
Studio Loes gestaltet modernes Wohnen im Berliner Altbau
Luftige Hülle
Nachhaltiger Neubau von Peter Besley in Brisbane
Eine eigene Welt
Großzügiger Umbau eines schmalen, viktorianischen Reihenhauses in Sydney von Studio Carson Kelly
Ungleiche Zwillinge
Neubau mit Nähe zur Nachbarschaft von Wadhal in London
Glamping in Japan
Naturnahes Tiny House aus heimischem Holz von Pan-Projects
Radikale Wunderkammer
Ein Rundgang durch das Apartment MOM von J. Mayer H. in Berlin
Geheilter Bestand
Umbau und Erweiterung eines Fuhrwerkerhauses in Düsseldorf von Nidus
Im Rhythmus des Alltags
Unkonventioneller Umbau in Barcelona von Skye Maunsell und Jordi Veciana
Neubau mit Seele
Wohnhaus der Innenarchitektin Julie Thiers in Flandern
Spuren im Bestand
Umbau einer Villa in Posen von Adam Wierciński
Mehr Raum als Quadratmeter
Wohnungsumbau Casa JAM von gon architects in Madrid
Salbeigrün in Florenz
Sanierung einer historischen Villa in Florenz von bucci quentin
Hierarchie in Blockfarben
Apartment für zwei in Mailand von Marabelli Marongiu Architetti
Das Erbe des Freibeuters
Restaurierung eines Stadthauses in Katalonien von Raúl Sánchez
Klangfarben des Wohnens
Apartment in Minsk für einen Musikliebhaber von Mihail Kurnosov
Alles in Butter
Constanze Ladner kleidet eine Wohnung bei Wiesbaden in sanftes Gelb
Wohnen im Werden
Tifliser Hausmodernisierung von David und Alexander Brodsky
Sensibel, aber kompromisslos
Ferienhaus von STEINBAUER architektur+design in Waidmannsbach
Hinter die Fassade geschaut
Umbau in Ostflandern: Objekt Architecten im Dialog zwischen Tradition und Moderne
Fort im Forst
Ringbau von Fernanda Canales im mexikanischen Valle de Bravo
Räume ohne Raster
Ein radikal geöffneter Grundriss von RDTH architekti in Prag
Wohnen in der Beletage
Umbau einer Altbauwohnung in Charlottenburg von Batek Architekten
Grauzone mit Aussicht
Puristisches Rooftop-Apartment von unprofessional.studio in Taipeh
Generationswechsel im Siedlungshaus
atelier brum baut Kölner Reihenhaus in offenen Wohnbau um
Transluzenter Blockbau
Wohnturm aus Glas und Gitter von Studioninedots in Amsterdam
Skulpturaler Unterschlupf
Nachhaltige Holzhütte in den Pyrenäen
Helix aus Stahl
Architettura Tommasi gestaltet Loft in historischem Adelspalast in Padua
Glutroter Kokon
Reihenhaus-Modernisierung von Pablo Sanchez Lopez in London