Projekte

Bruch in Beton

Ein Feriendomizil im Schweizer Kanton Wallis setzt sich gekonnt in Szene.

von Tim Berge, 28.04.2014

Eine alte Almhütte im Schweizer Kanton Wallis, die zum Feriendomizil für einen Architekten und seine Familie umgebaut wird: Klar, dass bei diesem Projekt Beton eine tragende Rolle spielt. Doch den größten Auftritt hat neben der Landschaft die originale Substanz des historischen Bauwerks: Sie wurde von den Planern gekonnt in Szene gesetzt. 

Mit der Umgestaltung legte das Architekturbüro Savioz Fabrizzi auch die Entstehungsgeschichte des Bauwerks frei, das 1882 als Scheune in der Ortschaft Giète-Diélè errichtet worden war. Mitten in der Alpenlandschaft gelegen, bietet das Haus alles, was man von einem Schweizer Feriendomizil erwartet: eine atemberaubende Landschaft, die Ruhe der Natur und eine Architektur, die Alt und Neu miteinander verknüpft. 

Lesbares Haus
Die Geschichte der Almhütte hatte bereits in den 80er Jahren eine erste Fortsetzung erfahren, als das Gebäude durch ein zweites Stockwerk aus Ziegelsteinen und ein neu geformtes Dach ergänzt wurde – das im 19. Jahrhundert gebaute Erdgeschoss war noch aus vor Ort gefundenen Bruchsteinen errichtet worden. Savioz Fabrizzi legten alle verwendeten Materialien in der Fassade frei und überzogen das Haus mit einem dunkelgrauen Anstrich, der die unterschiedlich rohen Texturen zwar vereinheitlicht, aber nicht kaschiert. So wirken die neu eingefügten Elemente aus Beton wie positive Abdrücke in der Oberfläche und machen das Haus und seine Historie zu einem offenen Buch.

Räumliches Zusammenspiel
Neben seiner monochromen Fassadenfarbe lebt das Maison Savioz von dem Zusammenspiel aus offenen und geschlossenen Flächen. Die teilweise raumhohen Schiebefenster mit einer Spiegelverglasung verknüpfen Landschaft und Haus: Im geöffneten Zustand verbinden sie den Innenraum mit den angrenzenden Feldern und erweitern den Wohnraum nach außen. Damit tritt das Feriendomizil in die historischen Fußstapfen der Almhütte und erinnert an die ursprüngliche Nutzung der so genannten „Maiensässe“, deren Hütten einen starken Bezug zum Außenraum besaßen und sich räumlich auf das Wesentliche beschränkten. 

Neu gedachte Almhütte
Über dem Untergeschoss, das als Lager und Eingangsbereich genutzt wird, liegt der Wohnraum: Vier Kisten aus dunkel lasiertem Holz definieren einen Raumwinkel, der sich an seinen Enden jeweils über ein großes Fenster zur Natur hin öffnet. Boden und Decke sind betoniert und ergeben zusammen mit den Einbaumöbeln einen spannenden Kontrast zu den Farben der Natur, die durch die raumhohen Öffnungen wie großformatige Bilder in das Innere hereindringen. Die fest eingebauten Sitzbänke geben dem Wohnraum seinen Almhütten-Charakter und wirken doch reduziert und modern in ihrer Formensprache.

Das Obergeschoss verfügt über zwei Schlafzimmer, deren Holzverkleidung komplett unbehandelt ist. Sämtliche Funktionen sind eingebaut, sodass kein Möbel den zurückhaltenden Raumeindruck stört: Alles im Maison Savioz unterwirft sich der Einfachheit und dem Ausblick auf die Natur, die durch die Architektur in den Mittelpunkt gerückt wird. Zurückhaltende Materialien, gut proportionierte Räume und die Verbindung aus Regionalität und moderner Architektur machen aus dem Haus ein baukünstlerisches Kleinod.

Links

Projektarchitekten

www.sf-ar.ch

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