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Bullerbü im Schlachterviertel

Vom Erwachsenenfilmverleih zum Designermöbelladen: Umbau eines denkmalgeschützten Ladengebäudes im Westen Torontos.

von Julia Bluth, 22.04.2014

Jahrzehntelang war The Junction im Westen Torontos von Vieh- und Schlachthäusern geprägt. Heute verwandelt sich das ehemalige Industrie- und Arbeiterviertel in einen beliebten Szenebezirk, der zunehmend junge Mittelstandsfamilien anzieht. In einem denkmalgeschützten Ladengebäude im Zentrum des Geschehens haben die Architekten von Studio Junction dem Galeristenpaar Juli und John Baker den Traum vom Leben und Arbeiten unter einem Dach verwirklicht. Wo einst eine Videothek Erwachsenenfilme feilbot, verkaufen sie unter ihrem Label Mjölk Designermöbel aus Skandinavien und Japan.
 
„Inspiriert von den traditionellen Ladenhäusern mit einem Geschäft im Erdgeschoss und einem darüberliegendem Wohnbereich, bietet Mjölk House eine Alternative zum klassischen Einfamilienhaus“, erklären Christine Ho Ping Kong und Peter Tan von Studio Junction. „Unser Entwurf zeigt, wie ein historisches Gebäude gleichzeitig zeitgemäß und mit Respekt für die gewachsene Umgebung renoviert werden kann.“ Die in die Jahre gekommene Immobilie in gefragter Innenstadtlage hatte nämlich einige Nachteile: eine schmale Bauweise, Mangel an Privatsphäre und Licht, Straßenlärm sowie das Fehlen eines Außenbereichs.

Weißeichenholz und Tageslicht
„Wir nutzten Innenhöfe und Lichtschächte, um das Haus mit mehr Privatsphäre, Außenraum, Tageslicht und Frischluft zu versorgen“, so die Architekten. „Da die Bewohner handgefertigte Gegenstände zu schätzen wissen, verwendeten wir Holz als Bauelement im gesamten Gebäude wegen seiner Wärme und Natürlichkeit.“ Die eingebauten Doppelfalttüren und Wendefenster lassen viel Tageslicht einfallen und ermöglichen gleichzeitig eine effektive Querlüftung während der heißen Sommermonate. Die konsequente Verwendung von Weißeichenholz beim Bau der Türen- und Fenster, der Treppe, der Kücheninsel, der Badezimmer sowie der Möbel verstärkt den Eindruck von Helligkeit. Nur die Dielenböden sowie die Einbauregale im Wohnbereich wurden aus Douglasienholz gefertigt, dessen leichte Rotfärbung für eine warme Atmosphäre sorgt.
 
Außen viktorianisch, innen skandinavisch
Im Ladenbereich ergänzen sich schwarz-weiße Akzente mit vorgefertigten Holzelementen. „Computermodelle und eine CNC-Fräse halfen, die komplexen Formholz-Elemente der Wand, der Regale und Schränke zu fertigen“, erklären die Architekten. „Diese ergänzten wir dann mit traditionell handgefertigten Arbeiten wie dem Empfangstisch aus wiederverwertetem Bauholz oder den Schiebetüren aus Weißeichenholz.“ Wer die unverändert stuckverzierte Fassade des Gebäudes betrachtet, wird von dem nordisch geprägten Interieur und seiner Konsequenz überrascht sein. Nicht nur der Laden bietet das perfekte Umfeld für minimalistisches Design skandinavischer und japanischer Herkunft. Geschäfts- und Wohnbereich gehen nahtlos ineinander über und lassen Arbeit und Leben stilsicher miteinander verschmelzen. Zwischen Nagelstudio und Thai-Restaurant hat Studio Junction eine wahre Oase aus Holz und Licht erschaffen. So schön kann Gentrifizierung sein.

Information

Projektarchitekten

Studio Junction

www.studiojunction.ca

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