California Dreamin’
Ein Loft für eine Weltenbummlerin von Commune aus Los Angeles
Im großbürgerlichen 17. Pariser Arrondissement, wo Wohnungsumbauten in der Regel wegen anstehenden Familienzuwaches durchgeführt werden und selten für architektonisches Aufsehen sorgen, gestaltete ein Architektenbüro aus Los Angeles nun ein schräges Loft als Zweitwohnsitz für eine internationale Weltenbummlerin.
Tunis, Paris und Los Angeles heißen die drei Städte, die das Leben von Auftraggeberin Paula am meisten prägten: Die gebürtige Tunesierin zog ihre zwei Söhne in Paris groß, bevor die Familie ihren Lebensmittelpunkt nach L.A. verlegte und dort in den späten neunziger Jahren ein Designstudio eröffnete. Seitdem ist Geschäftsführerin Paula viel auf Reisen, auf der ständigen Suche nach Inspiration, hochwertigen Materialien und originellen Produkten. Um in Europa wieder einen permanenten Anlaufpunkt zu haben, kaufte sie ein ehemaliges Künstleratelier im Dachgeschoss eines Hausmann-Gebäudes in ihrer ehemaligen Wahlheimat Paris.
Unkonventionelle Macher
Mit der Gestaltung der insgesamt 90 Quadratmeter beauftragte sie das amerikanische Designstudio Commune, eine der derzeit angesagtesten Adressen in den USA, auch dank ihrer unkonventionellen und dennoch trendigen Umbauten vom Ace Hotel in Los Angeles sowie dem American Trade Hotel in Panama.
Dass Commune wie Paula ihren Hauptsitz in Los Angeles hat, erleichterte für die Auftraggeberin die große Herausforderung, eine 9000 Kilometer entfernte Baustelle regelmäßig zu verfolgen. Aber vor allem wegen ihrer Unternehmensphilosophie entschied sich Paula für das kalifornische Designstudio: Commune steht nicht nur für originelle, qualitativ hochwertige Kreationen, sondern auch für ganz individuell abgestimmte, freigeistige Konzepte ohne gesellschaftlich vorgeschriebene Einrichtungscodes.
Interkontinentale Ideenwelt
„In erster Linie haben wir uns von den drei Kulturen inspirieren lassen, die zu Paulas DNA gehören: Frankreich, das mediterrane Becken und Kalifornien″, erzählt Projektleiter und Commune Mitbegründer Steven Johanknecht. „So sollen die vielen sandfarbigen Töne an nordafrikanische Wüstenlandschaften erinnern, die Badezimmerkacheln stammen aus Paulas Geburtsstadt, die Treppenkonstruktion ist eine Hommage an die Treppe aus Le Corbusiers Villa Savoye, und durch das neue, teilweise gläserne Dach soll möglichst viel Sonne in das nach Norden ausgerichtete Appartement gelangen.
Alle Stile, alle Farben
Zusätzlich gibt es, in der Wohnung aber auch viele dekorative Elemente skandinavischer Natur, Vintage- und zeitgenössische Objekte von namenhaften Designern wie Andrée Putman, Alfred Hendrickx und Hans Wegner sowie aus Paulas eigenen Kollektionen zu entdecken. Dazu kommen weitere Accessoires im Ethnolook und mit Motiven, die oft bei nordamerikanischen Indianerstämmen zu finden sind. Auch die vorhandene Farbpalette reicht von gedeckt bis knallig, und viele lineare Strukturen werden durch weiche Muster unterbrochen. Kurz: es wurde verwendet, was gefällt.
Edgy Touch mit Konzept
Diesem modernen, aus Kalifornien stammenden edgy Touch verlieh Commune jedoch auch eine gewisse Homogenität durch die Verwendung von drei Materialien, die sich wie ein roter Faden durch das neue Interior des ehemaligen Künstlerateliers ziehen: naturbelassenes Eichenholz, graues Granit und Keramikfliesen mit verspielten Mustern.
Herzstück Küche
Ganz besonders fällt dieses Trio in der offenen Küche auf, die auf Wunsch der Auftraggeberin nicht nur genügend Platz für ein geselliges Zusammensein von Familie und Freunden hat, sondern auch wie ein kleiner Showroom ihrer eigenen Kollektionen werden sollte.
So benutzte Commune hier Vorrichtungen und Materialien, die Paula allesamt selbst ausgesucht hat: einen aufwendig verarbeiteten Küchen- und Arbeitstisch aus Granit, vertäfelte Küchenvorrichtungen aus Eichenholz und marrokanische Musterfliesen. Und wie alle anderen Bereiche der Wohnung wurde auch diese Kücheninsel, wie sie Projektleiter Johanknecht nennt, mit Accessoires aus den unterschiedlichsten Zeitepochen, Herkunftsländern, Materialien und Farben dekoriert.
Beabsichtigter Kulturschock
Dass sich dieser muntere Stilmix in keine stilistische Schublade stecken lässt und alle Einrichtungsgegenstände aus der ganzen Welt zusammen getragen wurden, ist Teil der Idee, die es von Anfang an für dieses Projekt gab: Commune wollte für ihre rastlose Auftraggeberin einen Aufenthaltsort gestalten, an dem sie sich ein bisschen zu Hause fühlt – aber, der sie vor allem auch daran erinnert, dass die Reise immer weiter geht.
FOTOGRAFIE Spencer Lowell
Spencer Lowell
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