Das Haus als Dorf: Turmhäuser in Südtirol
Wie in einer kleinen Gemeinde spielt sich auch im Haus D das eigentliche Leben zwischen den Häusern ab.
Wohnen geteilt durch vier hoch drei: Diese Rechnung stammt von dem Wiener Architekturkollektiv feld72. Das Ergebnis ist ein Haus als Dorf und steht inmitten der norditalienischen Gemeinde Kaltern.
Die Architekten Anne-Catherine Fleith, Michael Obrist, Peter Zoderer, Mario Painter und Richard Scheich sind in Kaltern keine Unbekannten. Ihr Büro feld72 hat in den vergangenen zehn Jahren eine ganze Reihe verschiedener Projekte für die überschaubare Gemeinde an der Südtiroler Weinstraße erarbeitet und realisiert: darunter eine hübsche Anlage mit 25 Wohneinheiten, Spielstraße und Blick auf die Berge sowie ein Einfamilienhaus.
Da das beste Argument eines Architekten seine Gebäude sind, haben feld72 also die beste Werbung für sich im Ort. Der Auftraggeber dieser Wohntürme ist der jüngere Bruder der letzten Bauherrin aus Kaltern. Auch er wünschte sich seine eigenen vier Wände, die auf einem Grundstück in der Nähe des Eltern- und des Schwesternhauses entstehen sollten. Aber das Wiener Architektenquintett hatte eine andere Idee. Und schlug für Haus D einen Entwurf vor, bei dem sich vier Turmhäuser um eine Mitte gruppieren. „Das Haus als Dorf“ betiteln die Architekten dieses unkonventionelle Konzept.
Mit viel Mut und Vertrauen auf Seiten des Bauherrn und einer geschickten Planung der Architekten teilen sich die 185 Quadratmeter Wohnfläche auf dem kleinen Grundstück in vier einzelne Bauten mit unterschiedlicher Geschosshöhe, die nur als gemeinsames Ensemble funktionieren. Jeder Turm folgt dabei seiner Bestimmung: Die Nassräume befinden sich im sogenannten Wasserturm, die Treppen, die alle Ebenen miteinander verknüpfen, im Stiegenhaus und die anderen beiden Türme nehmen die Küche sowie Schlaf- und Kinderzimmer auf.
Während die Häuser im Erdgeschoss einen offenen Platz bilden, verbindet in der oberen Etage eine Brücke die vier Einheiten und deren Zimmer, die als Rückzugsräume gedacht sind. Das oberste Geschoss des höchsten Turmhauses führt zur Terrasse. Da die Raumhöhen alle etwas variieren, ergeben sich neue Raum- und Sichtsituationen zwischen den Türmen. Zur Straße zeigt sich das Wohnensemble mit seinen kleinen Burgfenstern fast etwas verkniffen – die großen Fenster haben die Architekten nach hinten ausgerichtet. Und da die vier Einheiten über Glasfugen zu einem Haus verschmelzen, bleibt es im Zentrum stets angenehm hell und das Licht kommt von allen Seiten.
Als kleines Gesamtkunstwerk haben feld72 auch den Innenausbau mit Schrankeinbauten und Möblierungen übernommen und die Fassadenfarbe ausgewählt. Und da die Architekten hier besonders konsequent arbeiten, findet sich der feine Pistazienton nicht nur außen, sondern auch im Inneren der Türme wieder.
FOTOGRAFIE David Schreyer
David Schreyer
Haus D
Neubau / 185 Quadratmeter / Kaltern, Südtirol / 2017
Mehr Projekte
Räume ohne Raster
Ein radikal geöffneter Grundriss von RDTH architekti in Prag
Wohnen in der Beletage
Umbau einer Altbauwohnung in Charlottenburg von Batek Architekten
Grauzone mit Aussicht
Puristisches Rooftop-Apartment von unprofessional.studio in Taipeh
Generationswechsel im Siedlungshaus
atelier brum baut Kölner Reihenhaus in offenen Wohnbau um
Transluzenter Blockbau
Wohnturm aus Glas und Gitter von Studioninedots in Amsterdam
Skulpturaler Unterschlupf
Nachhaltige Holzhütte in den Pyrenäen
Helix aus Stahl
Architettura Tommasi gestaltet Loft in historischem Adelspalast in Padua
Glutroter Kokon
Reihenhaus-Modernisierung von Pablo Sanchez Lopez in London
Beton und Behaglichkeit
BekArch transformiert eine Prager Backstube in ein helles Studio-Apartment
Urbaner Lückenfüller
Zwei Wohnbauten von Pend in Edinburgh
Fifty Shades of Marble
Mistovia verwandelt einen Krakauer Rohbau in ein Zuhause mit Atelier
Haus der Gegensätze
Architektura baut in der Nähe von Prag ein ungewöhnliches Familiendomizil im Wald
Holz in Bewegung
Wohnhaus im Tessin mit außergewöhnlichem Parkett
Brücke zum Meer
Wochenendhaus von Omer Arbel in Kanada
Ziegel im Zentrum
Umbau eines Siedlerhauses in der Uckermark von Klöpfel Zeimer Architekten
Zwischen Erhalt und Erneuerung
Umbau eines Fischerhauses von Bea Portabella und Jordi Pagès in Cadaqueés
Licht im Laub
Wohnhaus mit Anbau von ConForm in London
Renaissance auf Mallorca
Umbau eines historischen Stadtpalais von Nøra Studio
Zeitlos in Valencia
Balzar Arquitectos gestalten eine Altbauwohnung mit Wabi-Sabi-Ästhetik
Präziser Eingriff im Bestand
Umbau eines Einfamilienhauses im St. Galler Rheintal von Studio Micha Gamper
Neue Freiheit
Umbau eines Madrider Wohnhauses von Extrarradio
Wohnen zwischen den Klimazonen
Apartments für Studierende von EMI Architekt*innen in Regensdorf
Blaues Herz
Umbau eines Weinguts in Portugal von Arquitectura-G
Der Sonne entgegen
Nachhaltiges Einfamilienhaus in Holzrahmenbauweise an der Costa Brava von Clara Crous Arquitectura
Glashaus mit vielen Gesichtern
Kresta Garden House von Lucas y Hernández-Gil bei Madrid
Gekonnt gegliedert
Wohnungsumbau von DG Estudio in Valencia
Platte mit Weitblick
Umbau im Berliner Hochhaus von Christopher Sitzler
Bewegung im Rohbau
Achtsamkeitsstudio ANTI im Brandlhuber-Haus in Berlin
Athener Essenz
Sensible Stadthaus-Modernisierung von Local Local
Domestic Dancefloor
Clubkultur in einem Berliner Apartment von Studio Karhard