Projekte

Des Königs alte Kleider

Ein Mode-Haus in London zeigt die kunstvolle Verwebung von Design, Konservierung und Lehre.

von Tim Berge, 15.01.2014

Der Name des Museums ist fast so lang wie seine Historie: The Clothworkers' Centre for the Study and Conservation of Textiles and Fashion im Victoria & Albert Museum in London ist seit über 150 Jahren eine Institution der britischen Designgeschichte. Nun wurde sie, im Rahmen des FuturePlan-Programms, umfassend saniert und gibt ab sofort wieder faszinierende Einblicke in die Welt der dekorativen Künste.

10 Jahre hat der behutsame Umbau des 1852 gegründeten Museums gedauert, der das Innere des Hauses und die Präsentation der Textil- und Modesammlung in das 21. Jahrhundert führen sollte. Und das Ergebnis dürfte Musik in den Ohren aller Designliebhaber sein: Erstmals ist die gesamte Kollektion, von archäologischen Funden bis hin zu zeitgenössischer Haute Couture, unter einem Dach zu besichtigen. 

Mode hautnah
Das Institut hat sich der Archivierung, Erhaltung und Vermittlung seiner Sammlung verschrieben und ist ein beliebter Treffpunkt britischer Mode-Aficionados. Über 100.000 Kleidungsstücke aus aller Welt können in dem ehemaligen Bankgebäude im West-Londoner Stadtteil Kensington inspiziert werden – und das zum Teil von Hand. Das für den Umbau des Hauses zuständige Architekturbüro Haworth Tompkins setzte in seinem Entwurf den Schwerpunkt auf die Wiederherstellung originaler Substanz, die es mit modernen Eingriffen kombinierte: Barocke Stilelemente stehen nun einer industriell geprägten Innenarchitektur gegenüber und ergeben ein kluge Mischung, die alt und neu verbindet. 

Das Haus als Modell
Das Herz des Modehauses bilden die öffentlichen Archive, ein Studienzentrum und die Seminarräume. Weite und offene Räumlichkeiten bieten genügend Platz, selbst überdimensionale Textilien in ihrer vollen Größe auszubreiten. Ausgedehnte, teilweise mobile, Tische dienen als Ablage für Kleider und Stoffe: Der Großteil der Möbel und Einbauten ist in zurückhaltendem Schwarz gehalten, während die Wände und Decken in Weiß erstrahlen. Teilweise sind Wände und Böden gekachelt und unterstreichen den industriellen Charme der Innenräume. Dazu kommen die gusseisernen Säulen und sichtbaren Träger: Die gesamte Grundstruktur wurde von den Architekten freigelegt, nichts tritt in Konkurrenz mit den imposanten und farbenprächtigen Stoff- und Kleidungsstücken.

Gute Mischung
Große mobile Archivschränke und Lagerregale sowie historische Schränke dienen als Raumtrenner und schaffen Rückzugsorte in dem gut besuchten Haus. Nichts durchbricht den dezenten Farbkanon. Einer der wenigen gestalterischen Akzente ist ein Gerüst aus Messingrohren, das die Raumsilhouetten nachzuzeichnen scheint. Die wunderschöne Konstruktion beinhaltet die Stromversorgung und dient als Aufhängung für die Beleuchtung: So bleiben die Decken fast unberührt. Den Architekten ist es geglückt, mit ihren – wenig sichtbaren – Maßnahmen, die Studienräume nicht wie eine Lernschmiede, sondern vielmehr wie richtige Arbeitsstudios wirken zu lassen. Dazu trägt auch ein einsehbarer Bereich bei, in dem die Bestände der Kollektion repariert und konserviert werden: Raumfunktionen überschneiden sich und verweben kunstvoll Design, Konservierung und Lehre. 

Links

Projektarchitekten

Haworth Tompkins

www.haworthtompkins.com

Victoria and Albert Museum

The Clothworkers' Centre for the Study and Conservation of Textiles and Fashion

www.vam.ac.uk

Mehr Projekte

Das Büro als Boudoir

Agenturräume in London von Daytrip

Spielerisches Experimentierfeld

Variabler Co-Working-Space von LXSY Architekten in Berlin

New Work als Raumkonzept

Transparentes Office von Ply Atelier in Hamburg

Bunter Brutalismus

Büroausbau von Artem Trigubchak und Lera Brumina

Funktionale Grenzgänger

Der Co-Working-Space von brandherm + krumrey in Berlin setzt auf Gemütlichkeit

Büro zum Wohnen

Die Räume des Architekturbüros SJB in Sydney gleichen einer Wohnung

Abgetaucht

Coworking in Warschau von Beza Project

Gemeinsam lernen

Designerin Sarit Shani Hay entwirft die erste öffentliche Integrationsschule in Tel Aviv

Arbeiten im Aggregatzustand

Waterfrom bringt Industriegeschichte in Zylinderform

Helden des Homeoffice

Coperni und USM zeigen eine Ausstellung über die Heimarbeit

Meister der Zeit

Die Geschäftsräume der Uhrenmanufaktur Montres Valgine, umgesetzt von Girsberger

Im Raster

Hochschulbibliothek im Stil des White Cube von Andreas Schüring

Kreative unter Palmen

Ein Inkubator in Barcelona von Arquitectura-G

Kreative Symbiose

Workspace in Stuttgart von Studio Komo

Büro mit Humor in Kiew

Die Kreativagentur Banda setzt auf eine Architektur mit Augenzwinkern

Co-Working im Container

Die Architekten von Toop entwickelten ein Konzept für Minibüros im Schiffscontainer

Dallmer wächst

Erweiterungsbau für das Familienunternehmen Dallmer in Arnsberg

Kunst und Spionage

Einen irren Streifzug durch die Geschichte bietet die Villa Heike in Berlin

Sakraler Minimalismus

Ein strenges Büro-Interieur in Kiew von Studio Sivak

Eine kleine Revolution

Kinderklinik in der Ukraine von Ater Architects

Punktgenau

Installation in London im Memphis-Stil von Camille Walala

Räumliche Erzählkunst

Kinzo Architekten gestalten die Innenräume des Suhrkamp Verlags in Berlin

Büro zum Anfassen

Studio Halleröd gestaltet schwedisches Interieur

Radikale Transparenz

TPG Architecture und Wilkhahn im Three World Trade Center

Rotierende Klassenzimmer

Fortschrittliches Schulgebäude in Norwegen von PPAG Architects

Hort in Holz

Schulerweiterung von MONO Architekten in Berlin

Lernlandschaften

ZMIK entwirft Basler Grundschule mit Rückzugsmöglichkeiten

Beton rosé und Maschendraht

Eine Turiner Schule von BDR bureau

Campus mit Catwalk

Kinzo richtet Berliner Headquarter von Zalando ein

Design what matters

Büroräume in München vom Architekturbüro VON M