Projekte

Ein Haus für Grenzgänger

Ein luftiges Wohnhaus für grenzenlose Entfaltung von Simone Subissati Architects

von Nina C. Müller, 20.09.2019

Inmitten einer hügeligen Landschaft, zwischen Blumenwiesen, Heuballen und Tannenwäldchen setzten die Planer von Simone Subissati Architects einen prägnanten Wohnbau mit extravagantem Spa und handgefertigten Möbelstücken. Das klingt exklusiv. Doch das Haus basiere auf einem simplen Konzept, sagen die Planer und zeigen, dass einfach keinesfalls einfallslos bedeutet. Mit wenigen Mitteln schufen sie eine wirklich facettenreiche Architektur, die wilde Naturerlebnisse ins Innere holt – und vervielfältigt.

In der ländlichen Region Italiens, zwischen Adria und Apennin, fällt dieser Wohnbau mit rot-weißer Fassade schon von weitem auf. Womit, das hängt allerdings davon ab, von welcher Seite man sich ihm nähert. Denn hier gleicht keine Fassade der anderen. Angelehnt an die traditionellen Wohnbauten der italienischen Le Marche Region, entwarf das Team von Simone Subissati Architects einen 33 Meter langen und 8,4 Meter breiten Riegel. Mit der Tradition hört es dann aber auch schon auf. Stattdessen ließen sich die Italiener – im wahrsten Sinne – keine Grenzen setzen.

Durchdachte Seitensprünge
Schon im Außenraum verzichteten sie bewusst auf eine Umzäunung. Vielmehr sollten sich Architektur und Natur möglichst nahekommen. Die Fassade aus rot lackiertem Eisen und weißem Putz interpretierten die Architekten daher auch mehr als Verbindungselement denn als Mauer. Mittels zahlreicher bodentiefer Fenster, Durchgänge und Pilaster auf beiden Längsseiten des Gebäudes schufen sie eine rhythmische Gliederung der Außenwände. Dadurch gewährt der lange und kompakte Körper die Aussicht zu seinen beiden Seiten. „Auf diese Weise symbolisiert er die Themen Grenze und Schwelle zwischen dem Innen und dem Außen, die hier maßgeblich für das Projekt wurden“, so das Team.

Tatsächlich verfolgen Simone Subissati Architects das Konzept konsequent im gesamten Entwurf. Für eine der längsseitigen Fassaden entwarfen sie eine Fläche aus verspiegelten Fenstern, die den Himmel, die umliegenden Felder und Pflanzen reflektieren. Der Clue: Die Anordnung der einzelnen Spiegel sorgt für einen Kaleidoskopeffekt, durch den man die gegenüberliegenden Hänge der Landschaft gleichzeitig betrachten kann. So gelingt ihnen ein Vexierspiel, bei dem Architektur und Natur förmlich verschwimmen.

Durchgängig durchlässig
Im Erdgeschoss der insgesamt 350 Quadratmeter großen Wohnfläche siedelten die Architekten Gemeinschaftsbereiche wie Wohnzimmer, Küche, Bad und Spa an. Die Vielzahl an räumlichen Verbindungen beleben die Atmosphäre und weisen auch klimatische Vorzüge auf. „Durch die weit zu öffnenden Glastüren wird der Innenraum zu einem überdachten Außenraum und der Wohnbereich zu einem geschlossenen Pavillon, der nicht nur in der Sommersaison genutzt werden kann“, so die Planer.

Das Obergeschoss beherbergt privatere Zonen und das Schlafzimmer. Während die beiden Etagen des Hauses von außen durch die Zweifarbigkeit klar voneinander abgetrennt werden, treten im Inneren zahlreiche Querverbindungen auf. Das gelingt durch vollflächige Verglasungen und Galerien zwischen den Geschossen. Sie lösen die strenge horizontale Gliederung auf und ermöglichen Blickbeziehungen. Das Konzept der Schwelle setzt sich damit auch hier fort.

Moderne Nomaden
Als Geländer wählten die Architekten einfachen Maschendrahtzaun. Wie eine feine Membran schützt er Galerien und Treppenaufgänge, ohne das permeable Wohngefühl zu stören. Gleichsam spiegelt das improvisierte Baumaterial aber auch eine weitere Idee wider. „Die Proportionen des Hauses erinnern an einen Bausatz, der den Montageprozess nachvollziehbar macht“, so die Planer. Tatsächlich vermitteln die einzelnen Blöcke und Balken etwas Transparentes und Konstruktives, das man auch im Mobiliar aus lackiertem Eschenholz wiederfindet. Es wurde speziell gefertigt und erinnert mit seinen rohen Formen an Campingmöbel.

Diese Anklänge waren beabsichtigt. Die Architekten wollten den Eindruck einer temporären, nomadischen Nutzung und einen flexiblen Raum ganz ohne Moden und Luxuslabels. Und sie hatten recht. Ist doch schon die Natur der pure Luxus.

Links

Projektarchitekten

Simone Subissati Architects

www.simonesubissati.it

Mehr Projekte

Australisches Strandhaus

Anbau in Fremantle von David Barr Architects

Lichtblick in London

Umbau eines viktorianischen Reihenhauses von Oliver Leech

Authentische Architektur

Ferienhaus von Studio Dreamer im australischen Busch

Gläsernes Literaturhaus

Erweiterungsbau von Sibling Architecture in Sydney

Moderne Traditionen

Ferienhaus von K-Studio auf Mykonos

Wohnungstausch in Barcelona

Umbau eines Einfamilienhauses von Raúl Sanchez

Betonbau mit Persönlichkeit

Zweitwohnung des Architekten Przemo Łukasik in Warschau

Bad mit Autobahncharme

Minimalistischer Umbau eines Apartments von DIALECT in Antwerpen

Kontrastreiche Farbspiele

Extravagantes Apartment von Studio Plutarco in Madrid

Wohnen wie im Showroom

Elegant minimalistisches Apartment von Rina Lovko in Kiew

Mexiterranes Apartmenthaus

Subtiler Umbau von Fino Lozano in Guadalajara

Unsere feine Farm

Landhaus in Sussex mit überraschend urbanem Interieur

Inside-Out in Brasilien

Schwebende Villa in den Hügeln von Rio de Janeiro

Mailänder Refugium

Umbau einer Dachgeschosswohnung von Elena Martucci

Vertikales Minihaus

Umbau von Kohan Ratto Arquitectos in Buenos Aires

Ganzheitliches Gewölbe

Anbau in Kuala Lumpur von Fabian Tan

Le Corbusier trifft Maya-Pyramide

Einfamilienhaus von Ludwig Godefroy im mexikanischen Mérida

Im Herzen des Dschungels

Urlaubsensemble von Formafatal zwischen Küste und Tropenwald

Vorhang auf in Bilbao

Umbau vom spanischen Architekturbüro AZAB

Imperfekte Schönheit

Eine wohnliche Verwandlung im Amsterdamer Grachtenviertel 

Treppe wird Raum

Umbau eines Reihenhauses in London von Fraher & Findlay

Moderne Ruine

Brutalistischer Umbau in Ecuador von Aquiles Jarrín

Mexikanischer Minimalismus

Wochenendhaus in Avándaro von Hector Barroso

Garage mit Aussicht

Kompaktes Apartment in Barcelona von Barbara Appolloni

Umbau in Islington

Lichtes Reihenhaus von Christine Ilex Beinemeier und Lia Kiladis

Manhattans Dächer

In einem Penthouse machen Daniel Schütz und Georg Windeck die bulthaup Küche zum Zentrum

Ein Haus wie eine Filmkulisse

Holzhaus in Genf von Daniel Zamarbide

Schön Schräg

Dachgeschoss in Bilbao von Architekturbüro AZAB

Musik in der Scheune

Umbau von Sigurd Larsen bei Essen

Wohnumbau mit Regenbogen

Minimalistisches Apartment in Paris von matali crasset