Ein Haus sticht in See
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Auf dem Wasser zu leben ist ein faszinierender Gedanke, der an Freiheit, Romantik und Abenteuer denken lässt. Was vor ein paar Jahren noch vorwiegend Aussteiger und Künstler reizte, die sich von konventionellen Wohnformen lösen wollten, wird gerade wiederentdeckt: Wohnen im Hausboot. Doch die modernen Hausboote kommen ganz anders daher, in ihnen müssen die Bewohner nicht mehr auf ausreichend Platz und Annehmlichkeiten verzichten. Luxus auf dem Wasser – dieses Motto haben sich die von den Architekten Martin Förster und Karsten Trabitzsch konzipierten Floating Homes auf die Fahnen geschrieben. Mittlerweile liegen sieben von ihnen am Victoria-Kai in Hamburg vor Anker.
Das erste Floating Home schwimmt seit Juni 2006 als Musterhaus im Hamburger Sportboothafen. Hier erinnert nichts mehr an windschiefe Dächer, feuchte schimmelige Wände und tropfende Wasserhähne – die Hausbootromantik hat ausgedient, nun ist Komfort und Luxus angesagt, mit Liebe zum designten Detail. Das schwimmende Haus des Hamburger Architekturbüros Förster und Trabitzsch ist das erste eines Programms, das insgesamt drei Haustypen mit einer Wohnfläche zwischen 114 und 225 Quadratmeter umfasst. Es handelt sich um Holz-Stahl-Konstruktionen, die auf Betonhohlkörpern – Pontons genannt – schwimmen. In Größe und Komfort stehen sie Häusern auf dem Festland in nichts nach: Eine komplette Stromversorgung, Wasseranschluss und Abwasserentsorgung sowie ein Telefon- und Internetanschluss gehören zum Ausstattungsstandard. Die nötigen Versorgungsleitungen sind von außen unsichtbar im Ponton verlegt und werden unter den hölzernen Anlegestegen entlang geführt.
Der rechteckige Grundriss und die geräumigen lichten Räume des schwimmenden Hauses im Hamburger Hafen lassen ein beengtes Kojengefühl erst gar nicht aufkommen – hier wird Abschied genommen von den schmalen, verschnittenen und oftmals kaum mit Tageslicht beleuchteten Räumlichkeiten eines gewöhnlichen Schiffrumpfes. Das Hausboot besteht aus zwei Etagen, die auf einer mit Holzplanken belegten Plattform, dem Deck, ruhen. Die erste Ebene bildet einen Sockel, auf dem die zweite, größere Ebene zu schweben scheint, denn sie kragt weit auf das Wasser hinaus. Nicht nur die vollständig mit Holzparkett ausgelegten Wohnräume tragen zur besonderen Atmosphäre des Hauses bei, sondern insbesondere die wandhohen Fensterflächen. Sie geben den Blick frei auf Wellen und vorbeiziehende Schiffe. Im Schlafzimmer gewähren an drei Seiten Fenster Ausblicke in sämtliche Richtungen und würde man das Bett unter das schräge Frontfenster schieben, könnte man sogar im Liegen direkt in den Himmel schauen. Als Stauräume dienen fest eingebaute Garderoben und Regale in den Fluren in der Nähe der Bäder – eine kleine Reminiszenz an die Innenarchitektur gewöhnlicher Schiffe. In den gefliesten und mit Armaturen von Hansgrohe versehenen Badezimmern sorgen eingebaute Holzschränke für eine warme Atmosphäre.
Liebhaber von fahrenden Schiffen müssen den Luxus eines solchen schwimmenden Hauses mit einem kleinen Wehmutstropfen bezahlen: Das Hausboot kann nicht überall den Anker setzen, sondern muss dort anlegen, wo es die nötige Infrastruktur gibt.
FOTOGRAFIE Klaus Frahm
Klaus Frahm
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www.floatinghomes.de
www.floatinghomes.deProjektarchitekten
Martin Förster
Projektarchitekten
Trabitzsch Dittrich Architekten
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