Ferien am Horizont
Pool Position: An einem sagenumwobenen Ort in Griechenland balanciert eine Ferienvilla zwischen Himmel und Meer.
Welcher Stadtbewohner hat ihn nicht, den Wunsch nach einem idyllischen Sein inmitten malerischer Natur? In Arkadien, jener Landschaft auf dem Peloponnes, die schon in der griechischen Mythologie zu einem sagenumwobenen Ort verklärt wurde, hat ihn Studio 2Pi Architecture und 02 Architecture and Mechanical Engineering mit einem kontrastreichen Feriendomizil für eine Familie aus Athen wahr werden lassen.
„Alles begann mit einer Momentaufnahme“, beschreibt Architekt Panagiotis Papassotiriou seine Vision für den Entwurf eines modernen Refugiums, das er in Zusammenarbeit mit Valoa Foufa von 02 Architecture and Mechanical Engineering in Tiros auf der griechischen Halbinsel Peloponnes realisierte. „Auf einer sehr steilen Klippe mit einem weiten Blick über das Meer steht ein Ferienhaus, das seine Bewohner tagsüber vor der Sonne und den starken Winden schützt, während nachts das Mondlicht die Sinne beruhigt.“ Das klingt wie eine etwas schwülstige Passage aus einem griechischen Volksmärchen? Vielleicht. Doch die 2014 fertiggestellte Villa Melana zeigt, wie dieses beschauliche Wunschbild in eine aparte, gut gebaute Realität verwandelt wurde.
Mitten in einem unwegsamen Hang, dort, wo die Ausläufer der karstigen Felsenlandschaft schroff ins Ägäische Meer stürzen und nur eine einsame Serpentine sich gemächlich emporschlängelt, liegt das Landhaus an einem Ort voller visueller Gegensätze und topografischer Herausforderungen. Allen widrigen Bedingungen zum Trotz wurde der aus drei miteinander verbundenen Gebäuden bestehende Komplex auf dem einzigen zugänglichen Plateau der Umgebung errichtet, gleich einer kleinen Festung für erholungsuchende Schwarmgeister.
Ordnung am Hang
Wie die Bewohner dieses Landstrichs, wissen auch die Architekten des Projektes um die mythische Bedeutung und die Geschichten, die sich um die Provinz Arkadien als Heimat einer verträumten Schäferideologie ranken. Deshalb wurde beim Bau der Villa besonders darauf geachtet, das natürliche Bodenrelief nicht zu zerstören und auch sonstige Eingriffe auf ein Minimum zu reduzieren. Um den eher schwierigen Gegebenheiten des Terrains gerecht zu werden, entwarfen die Architekten einen eingeschossigen Baukörper mit einer simplen, rechteckigen Geometrie und einfachen Bauelementen. Durch die Anordnung der Volumen entlang der natürlichen Konturlinien des Geländes wurden gestalterische Freiheiten ermöglicht: Indem man den mittleren Teil – das Hauptgebäude – Richtung Osten vorversetzte, entstand eine unaufdringliche Dynamik in der Beziehung der drei Häuser, die durch die Verwendung unterschiedlicher Materialien und Abweichungen in den Silhouetten noch verstärkt wurde. Die beiden Nebengebäude, welche als einfache weiße Blöcke das Haupthaus flankieren, sprechen die minimalistische und geradlinige architektonische Sprache von 2Pi Architecture und folgen damit dem gewohnten Habitus traditioneller, mediterraner Architektur. Das Hauptgebäude hingegen stellt mit seiner Bruchsteinfassade aus Kalkstein sowie dem darauf abgestimmten Satteldach aus Schiefer einen deutlichen Bezug zum lokalen Baustil her und fügt sich dadurch besonders gut in die natürliche Umgebung ein.
Doch die Auswahl der verwendeten Materialien war nicht nur unter ästhetischen und kulturellen Aspekten eine umsichtige Entscheidung der Planer. „Weißer Putz reflektiert die Sonne, die Steinfassade schafft aufgrund ihrer thermalen Masse eine Verbindung zwischen Innen und Außen, und schützt die Bewohner dadurch optimal vor allen möglichen Wetterbedingungen“, so Papassotiriou. Zudem erzeugt ein durch Sichtbetonbalken gestützter Verbindungsgang an der westlichen Mauer einen langen, schmalen Raum zwischen den Gebäuden, der durch die entstehende Luftzirkulation selbst im Hochsommer für angenehme Temperaturen sorgt; die in Form und Größe variierenden Öffnungen tragen zusätzlich zu einer optimalen bioklimatischen Bilanz bei, ohne die monolithische Qualität des Baus zu stören, und rahmen wie beiläufig die Blicke auf das allseitig umgebende Panorama ein.
Monochrome Schlichtheit
Bei der Innengestaltung ging das Studio 2Pi Architecture mit derselben Zurückhaltung vor. So wurde zum Beispiel die Verwendung von Naturstein im Wohnraum des Haupthauses fortgesetzt. Das mag auf den ersten Blick etwas rustikal wirken, doch der daraus entstehende Übergang von Innen und Außen unterstreicht das Gefühl von Naturnähe und regionalem Kolorit. Den dunklen Steinmauern setzte man helle Deckenbalken entgegen und definierte damit das schmale Farbspektrum, das sich, zwischen Weiß und Grau changierend, auch in den Nebengebäuden mit den Schlafräumen und Bädern sowie in der übrigen Ausstattung wiederfindet und dadurch ein angenehmes, homogenes Gesamtbild erzeugt.
Schwimmen auf der Horizontlinie
Ganz der Intention der Architekten entsprechend, lässt die unaufdringliche Gestaltung der Ferienvilla das Wesentliche – die spektakuläre Aussicht – nicht nur in den tatsächlich sichtbaren, sondern auch in den gefühlten Vordergrund rücken. Allein der Blick durch die bodentiefen Fenster und Glaswände auf das zu gleichen Teilen aus Himmel und Wasser bestehende Panorama ist die Anreise aus der griechischen Hauptstadt wert. Der wirklich perfekte Ort für das Instant-Feriengefühl ist allerdings die große, überdachte Terrasse mit dem mehrstufigen Infinity Pool, der sich scheinbar grenzenlos ins weite Meer ergießt.
Auch ohne an antike Legenden zu glauben, erschließt sich Villa Melana als Ort von epischem Wert, an dem Studio 2Pi Architects mit ihrer zeitgenössischen Interpretation der traditionellen Bauweise ohne großen Aufwand eine Art Bühne für Himmel und Erde geschaffen haben, auf der der Mensch zur Nebensache schwindet.
Mehr aus dem Designlines-Special Poolparty für das schöne Leben am Rand finden Sie hier.
FOTOGRAFIE Erieta Attali, Pygmalion Karatzas
Erieta Attali, Pygmalion Karatzas
Projektarchitekten
Studio 2Pi Architecture
Valoa Foufa, 02 Architecture and Mechanical Engineering
www.0-2.grMehr Projekte
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