Fertighaus im Garten Eden
Vorgefertigt und auf Reisen geschickt: Ein aus zwei Modulen bestehendes Eigenheim in Uruguay vom Architekturbüro MAPA.
Es kommt aus der Fabrik und ist einen über 200 Kilometer langen Weg angereist: Das Fertighaus Retreat in Finca Aguy wurde in einer Halle in Uruguays Hauptstadt Montevideo als zweiteiliges Set gebaut und im Anschluss auf einem Truck zu seinem Bestimmungsort, einem Hügel nahe der Ortschaft Pueblo Edén transportiert. Neben seinem minimalistisch-schicken Äußeren weiß das vorproduzierte Eigenheim auch durch geringe Herstellungskosten sowie eine kurze Produktionszeit zu beeindrucken.
Der Fertighausmarkt wird von Architekten wenig geschätzt, da es als Gefahr für den Berufsstand gesehen wird. Dass das Thema auch Chancen bietet, hat das in Südamerika ansässige Planungsteam von MAPA Architects erkannt und seine eigene Version eines vorgefertigten Eigenheims geplant.
Schön und praktisch
Sie sind kostengünstig, schnell und unkompliziert herzustellen und haben daher relativ geringe Auswirkungen auf die Umwelt. Doch trotz ihrer Nachhaltigkeit können die Häuser vom Fließband bei vielen Schöngeistern nicht punkten, da die Gestaltung viel zu oft an billige Abziehbilder klassischer Häusertypen erinnert, die allein in den suburbanen Speckgürteln unserer Metropolen nicht negativ auffallen. Mit seinem Projekt Retreat in Finca Aguy hat das in Brasilien und Uruguay ansässige Architekturbüro MAPA nun zum Gegenschlag ausgeholt und ein Domizil entworfen, dass besonders in der freien Landschaft seine Vorteile ausspielen kann. Der erste Prototyp steht in einer kleinen Ansiedlung, deren Name nicht besser hätte gewählt werden können: Pueblo Edén, also der Ort Eden, entspricht zwar eher der kargen Variante des Paradieses, dennoch bietet er eine beeindruckendes Naturszenario und thront über einem imposanten Olivenhain.
Maximierte Gefühlswelten
Die Architekten sahen in der Fertighaus-Typologie eine Chance, Häuser für Gegenden zu planen, in denen es nicht möglich ist, vor Ort zu bauen. „Abgelegene Landschaften konfrontieren uns mit Unendlichkeit: Das verankert uns in der Realität“, beschreiben die Architekten den gewünschten Kontext für ihr Projekt. „Wir wollen das Landschaftsgefühl maximieren! Und die Vorproduktion unserer Gebäude erlaubt uns, gleichzeitig mit hochpräzisen Techniken zu arbeiten und dadurch die Konstruktion schlank zu halten.“ Tatsächlich liefert der Bau, der aus zwei 12 Meter langen Modulen besteht, auf 115 Quadratmetern ein überwältigendes Raumgefühl: Der mittig liegende Wohnraum, dem von MAPA der Hauptteil der Gebäudefläche zugewiesen wurde, öffnet sich über eine Fensterfront, die die komplette Raumbreite und -höhe einnimmt, zur Landschaft und bestätigt die Hoffnungen der Architekten.
Die restlichen Zimmer gruppieren sich um das Zentrum herum: Rechts und links vom Wohnraum befinden sich jeweils ein Schlaf- und ein Badezimmer, die sich über schmale Schlitzfenster nach außen öffnen. Wand, Boden und Decke sind mit Holz verkleidet und sorgen für eine warme Atmosphäre in den Räumen, die gut zum nachhaltigen Anspruch der Planer passt. Kombiniert wird der natürliche Werkstoff in der Küche und im Bad mit schwarzen und zum Teil polierten Oberflächen, die für moderne Momente im Inneren sorgen. Und wenn das Haus seinen Zenit erreicht hat oder die Landschaft nach Ruhe verlangt, lässt sich der Bau jederzeit in seine zwei Einzelteile zerlegen und an einen anderen, spannenden Ort verfrachten. Eppur si muove!
FOTOGRAFIE Leonardo Finotti
Leonardo Finotti
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