Fließende Fassade
Japanisches Einfamilienhaus vom Architekturbüro KACH
Dieses vom Tokioer Architekturbüro KACH gestaltete Einfamilienhaus stellt sich selbst in den Schatten. Eine an einen Vorhang erinnernde Verkleidung aus transluzentem Polycarbonat schützt die Bewohner*innen, eine vierköpfige Familie, vor neugierigen Blicken und direktem Sonnenlicht. Die Architektur des Gebäudes lässt ein Wechselspiel zwischen Kommunikation und Privatheit zu.
Mit seiner ungewöhnlichen Fassade fällt das Haus in einem Wohngebiet im japanischen Yanakacho sofort ins Auge. Während die großen Fenster des zurückgesetzten Erdgeschosses einen Blick ins Innere gewähren, gibt sich der überkragende erste Stock geheimnisvoll. Eine gewellte Verkleidung aus transluzentem Polycarbonat sorgt dort für mehr Privatsphäre. Der Aufbau vermittelt den Eindruck, als würde das Haus schweben. Zugleich spendet sich das Gebäude durch seine Architektur selbst Schatten.
Öffentlich und privat
Bereits der bodengleiche Hof vor dem Eingang des Hauses erfährt durch das Verschattungssystem auf Höhe des ersten Stocks eine Umgrenzung. Sie markiert den Außenbereich als dem Hause zugehörig, ein Eindruck, den ein Textilvorhang auf Wunsch noch unterstreicht. Verläuft die Konstruktion an dieser Seite des Hauses mit etwa einem Meter Abstand zum Fenster des ersten Stocks, liegt sie an den anderen Seiten dicht an. Je nach Bedarf lässt sich der textile Vorhang im Obergeschoss öffnen oder schließen. Auf diese Weise verändert sich das Verhältnis zwischen öffentlich und privat. „Indem wir die Umgebung sanft mit dem tiefsten Kern des Hauses verbinden, wollen wir ein offenes und lebendiges Zuhause schaffen, in dem das Leben der Bewohner*innen zu einem Teil der Stadt und die Stadt zu ihrem Garten wird“, erklären die Architekt*innen von KACH.
Individuelle Architektur
Der Gestaltung des Hauses ging eine intensive Auseinandersetzung mit den Gewohnheiten der Bewohner*innen voraus. „Wir haben die schwebende Verschattung genutzt, um den räumlichen Charakter zu definieren“, erläutern die Planer*innen. „Der endgültige Entwurf nahm allmählich Gestalt an, als wir die Funktionen und ihre Anordnung untersuchten.“ Ziel war es, ein Haus zu entwerfen, das exakt auf seine Nutzer*innen zugeschnitten ist. In seinem Aufbau gleicht das Gebäude einer Zwiebel, bei der man sich Schicht um Schicht den privateren Bereichen nähert. Das Erdgeschoss mit Esszimmer, offener Küche, Bad und Gästezimmer ist der Nachbarschaft zugewandt. Die großen Fenster lassen sich weit aufschieben, sodass Innen- und Außenbereich verschmelzen. Während einige Stufen nach unten in einen Hobbyraum führen, bildet den Übergang zwischen erster und zweiter Etage ein Zwischengeschoss mit dem Wohnzimmer. Wenige Stufen darüber befindet sich eine Empore mit dem Arbeitszimmer.
Holzeinbauten als Mobitekturen
Die raumgreifende Holztreppe wird als Stauraum- und Sitzmöbel zu einem Bestandteil der Einrichtung. Einen Kontrast dazu bilden die lässigen Netze als Abgrenzungen am Treppen- und Galeriegeländer. So entsteht ein offener Übergang zwischen Erd- und Obergeschoss. Überhaupt legten die Architekt*innen Wert auf eine offene Raumgestaltung. Auch wenn sie durch die Zwischengeschosse Rückzugsorte geschaffen haben, war es ihnen wichtig, dass die Bewohner*innen die Anwesenheit der anderen Familienmitglieder „spüren“.
Bezug zur Natur
Im Obergeschoss befinden sich die Kinder- und Schlafzimmer sowie der Zugang zur Terrasse, die ebenfalls von dem Verschattungssystem umschlossen ist. Der Bezug zur Natur ist überall gegenwärtig. So haben die Architekt*innen einen überdachten Garten zwischen Wohn- und Arbeitszimmer eingeplant. Das Bad im Erdgeschoss hat einen direkten Zugang zu einem ummauerten Outdoor-Bereich.
Die gewellte Polycarbonat-Fassade verleiht dem Haus in Yanakacho eine ganz besondere Atmosphäre. Sie schirmt das Gebäude gegen grelle Sonneneinstrahlung ab und lässt die Grenzen zwischen innen und außen fließend wirken, da auch Vorgarten und Terrasse zum Teil umrahmt werden. Der flexible Textilvorhang lässt den Bewohner*innen die Entscheidung, ob sie ihr Haus nach außen öffnen möchten oder mehr Privatsphäre bevorzugen.
FOTOGRAFIE Atelier Vincent Hecht
Atelier Vincent Hecht
| Projektname | House in Yanakacho |
| Entwurf | Taiga Kasai + Chong Aehyang Architecture/ KACH |
| Funktion | Privathaus |
| Standort | Gunma, Japan |
| Grundstücksfläche | 337,07 Quadratmeter |
| Fläche des Gebäudes | 151,21 Quadratmeter |
| Gesamtfläche des Gebäudes | 172,75 Quadratmeter |
| Bauingenieur | Yuko Mihara / Graph Studio |
| Textildesign | Yuri Himuro / Himuro Design Studio |
| Konstruktion | Yasumatsu Takken Co, Ltd. |
| Fotografie | Atelier Vincent Hecht |
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