Floras Kiste
Wohnungsumbau für Pflanzenfreunde in Mailand.
Was dem einen seine Haustiere, sind dem anderen seine Topfpflanzen. Um der floristischen Leidenschaft einer Mailänder Familie optimale Bedingungen zu schaffen, hat das Architektur- und Designstudio Aim eine lichtdurchflutete Wohnung geplant, von der sich durchaus behaupten lässt: Dort ist alles im grünen Bereich!
Schon beim Eintreten in das in der vierten Etage eines alten Gebäudes im Stadtzentrum Mailands gelegene Apartment wird augenscheinlich: Hier leben nicht nur Menschen. In beinahe jedem Winkel des gerade fertiggestellten Umbaus sprießen Farne und Palmen, wachsen Gummibäume um die Ecke. Genug Raum zu schaffen für das ungehinderte Gedeihen und die Inszenierung der grünen Mitbewohner war der Schwerpunkt, den die Architekten bei dem Projekt setzten.
Inszenierte Offenheit
Weil sich die Bauherren ihr neues Zuhause als einen eleganten und dynamischen Ort wünschten, der flexibel zu gestalten ist, veränderte Aim die bauliche Struktur des ehemaliges Büros, indem sie den Grundriss vollständig neu gliederten. So wurde die gängige Situation mit fensterlosem Flur, der einzelne Wohnbereiche miteinander verbindet, aufgegeben und durch ein offenes Raumgefüge ersetzt, das den Dialog zwischen den einzelnen Wohnbereichen ermöglicht. Das Ergebnis dieser Maßnahme ist eine auf 150 Quadratmeter verteilte Großzügigkeit, die im Zentrum der Wohnung auf besondere Weise inszeniert wurde.
Wohnzimmer als Bühne
Als Herzstück des Apartments haben die Architekten eine nach drei Seiten geschlossene Betonbox erdacht, eine Art Bühne zum Wohnen, in der mittels Durchbrüche interessante Ein- und Ausblicke zur angrenzenden Küche, dem Studio und dem Essbereich geschaffen wurden. Das Konzept, durch die unterschiedlich großen Öffnungen nicht nur viel Tageslicht in den hinteren Teil der Wohnung zu lassen, sondern sie auch als Display-Elemente für die Pflanzen zu nutzen, geht voll auf. Eingefasst in diese Rahmen, wachsen sie in den Raum hinein und aus ihm heraus und werden so beinahe zu einem Teil des quadratischen Volumens.
Leichtigkeit durch Kontraste
Ergänzt wird dieses haptische und visuelle Wechselspiel durch die unterschiedlichen Oberflächen der „Wohnzimmerkiste“: Während die äußeren Wände in rauem Beton belassen wurden, um einen bewussten Bruch zu erzeugen, sind die Wände im Inneren mit weißem Harz behandelt; die dadurch entstehende leichte, helle Atmosphäre bietet das ideale Setting für die warmtonigen Möbel und Accessoires, die auf den ersten Blick wie kuratierte Exponate in einem Schaukasten wirken, auf den zweiten Blick jedoch als wohnliches Ensemble die ansonsten vorherrschende Nüchternheit – vor allem in Bad und Küche – kontern.
Tropische Frische
Um das von den Bewohnern gewünschte exotische Ambiente neben den farblich und stofflich dezent gehaltenen Einbauten nicht in den Hintergrund zu drängen, findet sich in der gesamten Wohnung dunkel getöntes Teakholz-Parkett – die Assoziation mit einem Waldboden kommt nicht von ungefähr. Und so lässt das, zusammen mit den tropischen Pflanzen erzeugte, natürliche Raumgefühl von Brazilian Taste, wie Studio Aim das Umbauprojekt klangvoll betitelten, beinahe vergessen, dass man sich inmitten einer italienischen Großstadt befindet. Na dann: (Grüne) Daumen hoch!
FOTOGRAFIE Nicolo’ Parsenziani
Nicolo’ Parsenziani
Projektarchitekten
Aim Studio
Mehr Projekte
Wenn Schatten Räume formt
Fünf Projekte mit einfachen Lösungen
Stille Monumentalität
Wohnhaus mit Meerblick auf Formentera von Marià Castelló
Maya-Erbe und Wüstenpoesie
Casa Skoura in Mérida von Enekén Studio
Blaue Welle als roter Faden
Umbau eines Strandhauses in Levanto von llabb
Entschleunigt im Olivenhain
Ferienhaus mit Pool von SOLUM in Apulien
Ruine als Ressource
Sommerhaus im Selbstbau von Lenka Milerová in Tschechien
Licht als Dirigent
Maisonette-Atelier in Paris von Martin Massé
Im Zeichen des Drachen
Apartment-Renovierung in Polen mit opulentem Storytelling von Karolina Rochman
Landhaus reloaded
Neubau aus Lehm und Abbruchmaterial von Tuckey Design Studio in Wiltshire
Erinnern und erneuern
Studio Loes gestaltet modernes Wohnen im Berliner Altbau
Luftige Hülle
Nachhaltiger Neubau von Peter Besley in Brisbane
Eine eigene Welt
Großzügiger Umbau eines schmalen, viktorianischen Reihenhauses in Sydney von Studio Carson Kelly
Ungleiche Zwillinge
Neubau mit Nähe zur Nachbarschaft von Wadhal in London
Glamping in Japan
Naturnahes Tiny House aus heimischem Holz von Pan-Projects
Radikale Wunderkammer
Ein Rundgang durch das Apartment MOM von J. Mayer H. in Berlin
Geheilter Bestand
Umbau und Erweiterung eines Fuhrwerkerhauses in Düsseldorf von Nidus
Im Rhythmus des Alltags
Unkonventioneller Umbau in Barcelona von Skye Maunsell und Jordi Veciana
Neubau mit Seele
Wohnhaus der Innenarchitektin Julie Thiers in Flandern
Spuren im Bestand
Umbau einer Villa in Posen von Adam Wierciński
Mehr Raum als Quadratmeter
Wohnungsumbau Casa JAM von gon architects in Madrid
Salbeigrün in Florenz
Sanierung einer historischen Villa in Florenz von bucci quentin
Hierarchie in Blockfarben
Apartment für zwei in Mailand von Marabelli Marongiu Architetti
Das Erbe des Freibeuters
Restaurierung eines Stadthauses in Katalonien von Raúl Sánchez
Klangfarben des Wohnens
Apartment in Minsk für einen Musikliebhaber von Mihail Kurnosov
Alles in Butter
Constanze Ladner kleidet eine Wohnung bei Wiesbaden in sanftes Gelb
Wohnen im Werden
Tifliser Hausmodernisierung von David und Alexander Brodsky
Sensibel, aber kompromisslos
Ferienhaus von STEINBAUER architektur+design in Waidmannsbach
Hinter die Fassade geschaut
Umbau in Ostflandern: Objekt Architecten im Dialog zwischen Tradition und Moderne
Fort im Forst
Ringbau von Fernanda Canales im mexikanischen Valle de Bravo
Räume ohne Raster
Ein radikal geöffneter Grundriss von RDTH architekti in Prag