Haus der Hoffnung
City Fire Department: Die neue Feuerwache im japanischen Minamisōma wurde vor allem zu einem Ort der Erinnerung und Hoffnung.
Bei dem verheerenden Tōhoku-Erdbeben in Japan vor fünf Jahren wurde die Stadt Minamisōma bei Fukushima schwer beschädigt. Seit kurzem gibt es hier eine neue Feuerwache mit einem Schulungszentrum für Katastrophenschutz – ein Symbol für einen Neuanfang.
Als im März 2011 im Osten Japans die Erde bebte, führte das zu einer der größten Nuklearkatastrophen unserer Zeit. In drei Reaktoren des Atomkraftwerks von Fukushima kam es zu einer Kernschmelze. Das Ausmaß der Umweltzerstörung lässt sich auch fünf Jahre danach nicht gänzlich abschätzen. 18.000 Menschen starben, Hunderttausende verloren ihre Heimat und mussten evakuiert werden. Betroffen von dem Beben war auch die rund 70.000 Einwohner zählende Stadt Minamisōma. Sie liegt etwa 25 Kilometer nördlich der Atommeiler. Viele Menschen flohen von dort in andere Regionen Japans. Zahlreiche Gebäude wurden zerstört oder schwer beschädigt, darunter auch die Feuerwehrstation.
Bilder erinnern an die Katastrophe
Schnell war klar, dass das Minamisoma City Fire Department Disaster Control Center nicht wieder auf-, sondern neugebaut werden muss – und zwar nicht als Zweckbau für die Brand- und Katastrophenbekämpfung, sondern auch als Ort der Erinnerung und der Hoffnung. Den Auftrag erhielten die Architekturbüros Tetsuo Kobori Architects und Nagayama Architect Office. Das Zentrum des Gebäudes bildet ein dreigeschossiges Treppenauge. Es ermöglicht, dass sich viele Menschen gleichzeitig durch den Bau bewegen können. Das spiralförmige Treppenhaus bietet aber auch Platz für eine Ausstellung. Sie beschäftigt sich auf den drei Ebenen mit der schmerzvollen Vergangenheit der Stadt Minamisōma, seiner Gegenwart und einem Ausblick eine Zukunft.
Bilder von Feuerwehreinsätzen und Instrumente der Feuerbekämpfung wechseln sich mit Dokumenten der Katastrophe ab, darunter Solidaritätsbekundungen aus der ganzen Welt. Eine Säule zeigt die Höhe des Tsunamis an, der die Küstenstadt damals mit voller Wucht traf. Je nach Stockwerk variiert die Höhe des Treppengeländers, sodass sich dem Besucher verschiedene Blickachsen bieten. Große Fenster setzen die Feuerwehrfahrzeuge in Szene, fast als wollen sie sagen: Wir sind vorbereitet!
Hoffnung durch Architektur
In dem Chaos nach der Katastrophe dauerte es rund drei Jahre, bis die Feuerwache fertig gestellt war. 60 Menschen arbeiten heute in dem lichtdurchfluteten Gebäude. Das Oberlicht wurde mit einem Netz aus Flachstäben versehen, was eindrucksvolle Schatten auf den hellen Holzboden wirft. Mit Hilfe von Simulationen während der Entwurfsphase entwickelten die Architekten ein windgesteuertes Belüftungssystem, um einen angenehmen Luftzug im Gebäude zu erzeugen.
Gerade angesichts der traurigen Erinnerungen, mit denen sich viele Besucher an diesem Ort konfrontiert sehen, sollte die Architektur angenehm, hell und offen wirken. Zugleich wirkt er von außen mit seiner Kastenform stabil und solide. Neben seiner praktischen Funktion ist der Bau auch ein Symbol der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Angesichts des fünften Jahrestags der Katastrophe hat Minamisōmas Bürgermeister Katsunobu Sakurai angekündigt, seine Stadt werde ihren Energiebedarf in Zukunft aus Wind- und Sonnenkraft decken. Bis 2030 will Minamisōma autark sein von der Kernenergie, die so viel Leid über seine Menschen gebracht hat. Ein vernünftiger Schritt, der auf eine bessere Zukunft hoffen lässt.
FOTOGRAFIE Shin Photo Work, Takahiro Arai
Shin Photo Work, Takahiro Arai
Mehr Projekte
Arbeitsplatz auf Zeit
Züricher Co-Working-Space von HSB Architekten für FlexOffice
Wenn Schatten Räume formt
Fünf Projekte mit einfachen Lösungen
Stille Monumentalität
Wohnhaus mit Meerblick auf Formentera von Marià Castelló
Urbanes Artefakt
Neri&Hu machen aus dem Telegraphenamt Tiflis ein Hotel
Maya-Erbe und Wüstenpoesie
Casa Skoura in Mérida von Enekén Studio
Blaue Welle als roter Faden
Umbau eines Strandhauses in Levanto von llabb
Entschleunigt im Olivenhain
Ferienhaus mit Pool von SOLUM in Apulien
Ruine als Ressource
Sommerhaus im Selbstbau von Lenka Milerová in Tschechien
Licht als Dirigent
Maisonette-Atelier in Paris von Martin Massé
Im Zeichen des Drachen
Apartment-Renovierung in Polen mit opulentem Storytelling von Karolina Rochman
Reduktion trifft Tradition
Hotel AEON von NOA in Südtirol
Wohngefühl als Konzept
Kölner Studio Budde inszeniert europäisches Design für den chinesischen Premiummarkt
Funktion und Fiktion
Kuratierte Kosmetik im Pekinger HARMAY-Store von AIM Architecture
Auf Augenhöhe
Zeitgemäße Volksbank von Isin + Co in Fellbach
Architektur aus Fundstücken
Ein Gartenpavillon für den Palazzo Farnese in Rom von Materra-Matang
Flurfunk war gestern
Umbau einer Firmenzentrale in Berlin von brandherm + krumrey
Landhaus reloaded
Neubau aus Lehm und Abbruchmaterial von Tuckey Design Studio in Wiltshire
Erinnern und erneuern
Studio Loes gestaltet modernes Wohnen im Berliner Altbau
Platz da!
Falunroter Sportkosmos in Montreal von Ivy Studio
Hopfen und Himmelbett
Ehemaliger Hopfenhof mit Gastwirtschaft und Fremdenzimmer wird zum Hotel
Lernen in Bewegung
Interstuhl entwickelt zukunftsfähiges Nutzungs- und Möblierungskonzept für die TH Aschaffenburg
Luftige Hülle
Nachhaltiger Neubau von Peter Besley in Brisbane
Licht lernt mit
Historisches Schulgebäude in Göteborg erhält neue Beleuchtung
Eine eigene Welt
Großzügiger Umbau eines schmalen, viktorianischen Reihenhauses in Sydney von Studio Carson Kelly
Hotel mit besten Verbindungen
Integrierte Stromversorgung für moderne Hotelkonzepte
Stadt der Advocati
Erweiterung einer Anwaltskanzlei in Münster von studio eto
Ungleiche Zwillinge
Neubau mit Nähe zur Nachbarschaft von Wadhal in London
Club der guten Hoffnung
Ein kreativer Raum für die Energie- und Mobilitätswende von kplus konzept in Düsseldorf
Glamping in Japan
Naturnahes Tiny House aus heimischem Holz von Pan-Projects
Radikale Wunderkammer
Ein Rundgang durch das Apartment MOM von J. Mayer H. in Berlin