Haus im Hof
Ein kleines Raumwunder in der Vorstadt von Melbourne.
Ein schmales Budget, ein noch schmaleres Grundstück und hohe Ansprüche – eigentlich keine erfolgsversprechende Kombination. Architekt Adrian Bonomi schaffte es dennoch, einer jungen australischen Familie ihren Traum vom Traumhaus zu erfüllen. Im beliebten Vorort Brunswick nördlich vom Stadtzentrum Melbournes fügt sich sein minimalistisches C House nicht nur nahtlos in die viktorianische Architektur der Nachbarschaft. Es vermittelt auch eine Weite und Größe, die in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Fläche steht.
Einst befand sich auf dem Grundstück der Bauherren ein für die Gegend typisches, historisches Holzhaus. Da es jedoch einem Brand zum Opfer gefallen war, entschieden sie sich für einen konsequenten Neubau. „Die Auftraggeber wünschten sich ein kompaktes und komfortables Haus, um ihre Kinder großzuziehen“, erklärt Bonomi. „ Das Bauland war zwar eben, aber nur neun Meter breit und sechsundzwanzig Meter lang. Auf dieser Fläche musste ich drei Schlafzimmer, ein Arbeitszimmer, einen geräumigen Wohnbereich, zwei Badezimmer, großzügige Außenräume und eine Doppelgarage unterbringen – nicht zu vergessen, all die untergeordneten Bereiche mit ihrer jeweiligen Privatsphäre.“
Höfe statt Garten
Bis zur Grundstückgrenze reicht die Bebauung auf den schmalen Grundstücken der Vorortsstraße. Auch das 150 Quadratmeter große C House macht da keine Ausnahme. Bonomis Strategie, um trotzdem kein Gefühl von Enge aufkommen zu lassen: Er verzichtete auf den üblichen Garten hinter dem Haus und integrierte lichte Innenhöfe in das geschlossene Wohngefüge. „Der Entwurf bietet einen systematischen Übergang von den öffentlicheren zu den privateren Räumen, direkten Zugang zu privaten Außenbereichen und reichlich natürliches Licht zu allen Tageszeiten“, beschreibt er, „trotzdem bricht er mit dem üblichen Muster hinsichtlich seiner Ausrichtung und Gestaltung des Eingangsbereiches. An die Stelle eines repräsentativen, zur Straßenseite ausgerichteten Raumes tritt ein zwischen zwei ruhigen Innenhöfen eingebetteter Wohnbereich.“
Überraschend anders
Der erste Raum, den man im Haus betritt, ist ein kleiner Lichthof mit angrenzendem Arbeitszimmer, an den sich ein großer Wohnraum sowie Koch- und Essbereich anschließen. Darauf folgt ein großer Innenhof, der westlich mit dem Nachbargrundstück abschließt und auf der Ostseite von einem verglasten Korridor gesäumt wird. Entlang des langen Flurs liegen zwei kleinere, als Kinderzimmer nutzbare Schlafzimmer mit eigenem Lichthof. Am Ende befindet sich das große Elternschlafzimmer mit angrenzenden Badezimmern sowie einem weiteren, kompakten Lichthof. Eine Doppelgarage schließt das Gebäude ab.
Klein ganz groß
Obwohl das C House in sich verkapselt ist wie ein eigenes kleines Universum, wirkt es weitläufig und großzügig. Dank der integrierten Höfe haben die Bewohner nicht nur überall Zutritt nach draußen, es fällt auch ungewöhnlich viel Tageslicht in alle Bereiche – die hohe Decken, die hellen Holzböden und weißen Wände tun ein Übriges. Adrian Bonomi hat es trotz widriger Umstände geschafft, den Bauherren alle Wünsche zu erfüllen. Darüber hinaus hat er jedoch ein Stück Architektur geschaffen, das neue Maßstäbe setzt – und das nicht nur in Brunswick.
FOTOGRAFIE Nic Granleese
Nic Granleese
Projektarchitekt
Mehr Projekte
Ruine als Ressource
Sommerhaus im Selbstbau von Lenka Milerová in Tschechien
Licht als Dirigent
Maisonette-Atelier in Paris von Martin Massé
Im Zeichen des Drachen
Apartment-Renovierung in Polen mit opulentem Storytelling von Karolina Rochman
Landhaus reloaded
Neubau aus Lehm und Abbruchmaterial von Tuckey Design Studio in Wiltshire
Erinnern und erneuern
Studio Loes gestaltet modernes Wohnen im Berliner Altbau
Luftige Hülle
Nachhaltiger Neubau von Peter Besley in Brisbane
Eine eigene Welt
Großzügiger Umbau eines schmalen, viktorianischen Reihenhauses in Sydney von Studio Carson Kelly
Ungleiche Zwillinge
Neubau mit Nähe zur Nachbarschaft von Wadhal in London
Glamping in Japan
Naturnahes Tiny House aus heimischem Holz von Pan-Projects
Radikale Wunderkammer
Ein Rundgang durch das Apartment MOM von J. Mayer H. in Berlin
Geheilter Bestand
Umbau und Erweiterung eines Fuhrwerkerhauses in Düsseldorf von Nidus
Im Rhythmus des Alltags
Unkonventioneller Umbau in Barcelona von Skye Maunsell und Jordi Veciana
Neubau mit Seele
Wohnhaus der Innenarchitektin Julie Thiers in Flandern
Spuren im Bestand
Umbau einer Villa in Posen von Adam Wierciński
Mehr Raum als Quadratmeter
Wohnungsumbau Casa JAM von gon architects in Madrid
Salbeigrün in Florenz
Sanierung einer historischen Villa in Florenz von bucci quentin
Hierarchie in Blockfarben
Apartment für zwei in Mailand von Marabelli Marongiu Architetti
Das Erbe des Freibeuters
Restaurierung eines Stadthauses in Katalonien von Raúl Sánchez
Klangfarben des Wohnens
Apartment in Minsk für einen Musikliebhaber von Mihail Kurnosov
Alles in Butter
Constanze Ladner kleidet eine Wohnung bei Wiesbaden in sanftes Gelb
Wohnen im Werden
Tifliser Hausmodernisierung von David und Alexander Brodsky
Sensibel, aber kompromisslos
Ferienhaus von STEINBAUER architektur+design in Waidmannsbach
Hinter die Fassade geschaut
Umbau in Ostflandern: Objekt Architecten im Dialog zwischen Tradition und Moderne
Fort im Forst
Ringbau von Fernanda Canales im mexikanischen Valle de Bravo
Räume ohne Raster
Ein radikal geöffneter Grundriss von RDTH architekti in Prag
Wohnen in der Beletage
Umbau einer Altbauwohnung in Charlottenburg von Batek Architekten
Grauzone mit Aussicht
Puristisches Rooftop-Apartment von unprofessional.studio in Taipeh
Generationswechsel im Siedlungshaus
atelier brum baut Kölner Reihenhaus in offenen Wohnbau um
Transluzenter Blockbau
Wohnturm aus Glas und Gitter von Studioninedots in Amsterdam
Skulpturaler Unterschlupf
Nachhaltige Holzhütte in den Pyrenäen