Projekte

Hercule: Ein besonderes Wohnhaus in Luxemburg

Die eigentliche Radikalität zeigt sich in Entwurf, Ausführung und den niedrigen Baukosten.

von Jeanette Kunsmann, 03.12.2018

Er war einmal der stärkste Mann der Welt. 1912 ist der Kraftmensch Herkul Gruen verstorben. Jetzt hat das junge Architekturbüro 2001 sein neues Projekt für ein radikales Einfamilienhaus nach dem luxemburgischen Herkules benannt. In dessen Heimatdorf Bad Mondorf wurde der Solitär aus Sichtbeton gebaut.

Mitten in Bad Mondorf steht ein Monument, auf dem ein Mann zwei Pferde samt Reitern in die Luft hebt. Jean Hercule Gruen konnte Nägel mit bloßen Händen verbiegen, so stark war er. Der Luxemburger wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zum Exportschlager, tourte zwischen Berlin, Paris und New York. Mit 44 Jahren erlitt er einen Schlaganfall und starb. Man schrieb das Jahr 1912.

Philippe Nathan und Sergio Carvalho von dem Luxemburger Architekturbüro 2001 erinnern an den einstigen Lokalmatador, indem sie zu seinen Ehren ihr monolithisches Einfamilienhaus aus Beton nach dem Kraftmenschen benennen – beide vereine ihre robuste Stärke, finden die Architekten.

Entwurfsbasis für Hercule bildet die extreme Topographie des Baugrunds – Nathan und Carvalho machen aus der Not eine Tugend. Denn das stark abfallende Restgrundstück zwischen einem alten Bauernhaus und einer Vorstadtvilla lässt Hercule wie einen aus dem Boden auftauchenden Eisberg erscheinen. Ein Großteil des Haues hat sich vergraben, die Anordnung der drei Geschosse folgt der Steigung des Grundstücks.

Während der Keller alle technischen Funktionen einschließlich Eingang und Garage fasst, befinden sich dahinter und von einem Patio getrennt weitere Nutzungen wie Waschküche, der Fitness- und Wellnessbereich, der Weinkeller und die Küche sowie Esszimmer und der Wohnbereich, der sich nach Südwesten über eine Beton-Terrasse zur Umgebung öffnet. Die darüberliegenden Etagen wiederholen den Kerngrundriss und beinhalten Schlaf- und Badezimmer.

Die Fassaden folgen unterschiedlichen Ansätzen. Im Süden schließt eine blinde Béton-Brut-Wand die oberen zwei Etagen, während die Nordfassade sich punktuell zum Garten öffnet. Die Ost- und Westfront zur Straße und zum Garten formuliert das Studio 2001 als Vorhangfassaden mit Sonnenschutzglas.

Der eigentliche Radikalismus des Projekts drückt sich laut den Architekten auch in der fehlenden Veredelung aus – bei der Schalung wurde konzeptionell auf eine Nachbesserung verzichtet. „Das Projekt resultiert in einem vielschichtigen Artefakt, einem architektonischen Bastard, der sich mit der Komplexität des Kontextes auseinandersetzt und Lebensräume für eine junge Familie im 21. Jahrhundert definiert“, erklärt Philippe Nathan. Wobei sich diese rotzige Qualität der Ausführung auch wesentlich auf die Baukosten ausgewirkt haben müsste. Die Sparmaßnahme, die für zeitgenössische Standards im Wohnungsbaus ehe ungewöhnlich ist, unterstreicht das Wesentliche von Hercule.  

 

 

Links

Projektarchitekten

2001 architecture

Fotograf

Maxime Delvaux

Hercule

Privates Wohnhaus / 446 Quadratmeter Bad Mondorf / September 2018

Mehr Projekte

Kontrastreiche Farbspiele

Extravagantes Apartment von Studio Plutarco in Madrid

Wohnen wie im Showroom

Elegant minimalistisches Apartment von Rina Lovko in Kiew

Mexiterranes Apartmenthaus

Subtiler Umbau von Fino Lozano in Guadalajara

Unsere feine Farm

Landhaus in Sussex mit überraschend urbanem Interieur

Inside-Out in Brasilien

Schwebende Villa in den Hügeln von Rio de Janeiro

Mailänder Refugium

Umbau einer Dachgeschosswohnung von Elena Martucci

Vertikales Minihaus

Umbau von Kohan Ratto Arquitectos in Buenos Aires

Ganzheitliches Gewölbe

Anbau in Kuala Lumpur von Fabian Tan

Le Corbusier trifft Maya-Pyramide

Einfamilienhaus von Ludwig Godefroy im mexikanischen Mérida

Im Herzen des Dschungels

Urlaubsensemble von Formafatal zwischen Küste und Tropenwald

Vorhang auf in Bilbao

Umbau vom spanischen Architekturbüro AZAB

Imperfekte Schönheit

Eine wohnliche Verwandlung im Amsterdamer Grachtenviertel 

Treppe wird Raum

Umbau eines Reihenhauses in London von Fraher & Findlay

Moderne Ruine

Brutalistischer Umbau in Ecuador von Aquiles Jarrín

Mexikanischer Minimalismus

Wochenendhaus in Avándaro von Hector Barroso

Garage mit Aussicht

Kompaktes Apartment in Barcelona von Barbara Appolloni

Umbau in Islington

Lichtes Reihenhaus von Christine Ilex Beinemeier und Lia Kiladis

Manhattans Dächer

In einem Penthouse machen Daniel Schütz und Georg Windeck die bulthaup Küche zum Zentrum

Ein Haus wie eine Filmkulisse

Holzhaus in Genf von Daniel Zamarbide

Schön Schräg

Dachgeschoss in Bilbao von Architekturbüro AZAB

Musik in der Scheune

Umbau von Sigurd Larsen bei Essen

Wohnumbau mit Regenbogen

Minimalistisches Apartment in Paris von matali crasset

Die Summe aller Farben

Minimalistisches Haus in Mexiko-Stadt von Taller Aragonés

Gemälde unter Wasser

Alex Proba verwandelt den Pool einer Villa in Palm Springs zur Leinwand

Katalanische Metamorphose

Ein Meisterwerk des Gaudí-Schülers Francesc Berenguer i Mestres

Elementare Teile

Umbau in Australien von Melanie Beynon

Durchdachtes Experiment

Ein Haus wie ein Wintergarten von Studio Velocity

Konstruktiv in Tel Aviv

Der Umbau eines 78-Quadratmeter-Apartments in Jaffa

Teil der Formation

Surferdomizil in der Ägäis von OOAK

Villa mit Weitblick

Geometrisches Ferienhaus auf Menorca von Nomo Studio