Inside Out
Dieses „Ufo“ in Spanien bietet viel mehr Platz als es von außen vermuten lässt.
Eine klare, reduzierte Formensprache ist das Markenzeichen des 2005 gegründeten Architektenbüros Fran Silvestre Arquitectos. Und obwohl dieses Gestaltungsprinzip auch ihrem neuesten Projekt innewohnt, fällt die Casa Balint auf den ersten Blick durch ganz andere Stilelemente auf.
Mitten in einer Golfanlage in der Nähe von Valencia bauten die spanischen Architekten von Fran Silvestre Arquitectos eine Luxusvilla in Ufo-Form, die in ihrem Inneren viel mehr Platz bietet als sie von außen vermuten lässt.
Kurvig statt linear
Statt wie alle bisherigen Konstruktionen von Fran Silvestre Arquitectos verfügt die Casa Balint über keine streng geometrische Hausfassade, sondern eine elliptische Silhouette. Diese verleiht ihr nicht nur ein aerodynamisches Volumen, sondern lässt sie auch mit der umgebenden Topografie verschmelzen: Die kurvigen Gebäudemauern scheinen mit den das Haus umgebenen Hügeln zu kommunizieren und spiegeln sich in der Form des Swimmingpools, der sich wie ein Halbmond um die Südseite der Villa legt.
Farbenfroh und elegant
Auch farblich passt sich die Villa ihrer Umgebung an. Die schneeweise Hausfassade, der azurblaue Pool und das üppig begrünte Umland formen bei Tageslicht ein fröhlich-naives Farbenspiel. Bei Dunkelheit indes erinnert die beleuchtete Casa Balint eher an eine pompöse Luxusyacht, die durch die LED-Leuchten im Pool noch zusätzlich in Szene gesetzt wird.
Überraschendes Innenleben
Es täuscht sich, wer auch im Inneren des Hauses eine vergleichbare Extravaganz erwartet. Dort dominieren klare Linien, harmonische Farben und pragmatische Funktionalität. Eine Portion Extravaganz versteckt sich jedoch in der Baustruktur der Casa Balint. Während sie von außen betrachtet wie ein einstöckiger Bungalow mit begrenzter Grundfläche anmutet, beherbergt sie in Wirklichkeit 772 Quadratmeter Wohnfläche auf zwei Etagen. Diese optische Täuschung erzeugt Silvestre, indem er die obere Etage in dem überdimensional wirkenden Dach ohne klassische Fenster ,,versteckt’’.
Aus Not mach Tugend
Diese Idee entspringt einer Auflage der lokalen Baubehörde, nach der neu konstruierte Häuser nur ein einziges Stockwerk und ein Flachdach haben dürfen. Silvestre löste dieses architektonische Handicap nicht nur auf sehr elegante Weise, sondern auch zur Zufriedenheit seines Auftraggebers. ,,Er wollte von Anfang an ein Haus mit ganz individueller Identität und außergewöhnlicher Architektur’’, erzählt der Spanier über den zweifachen Familienvater und Self-Made-Man.
Open Living Spaces
Im Erdgeschoss der Casa Balint hat Silvestre Küche und Wohnbereich nach dem Prinzip des maximalen Purismus hinsichtlich Funktionalität, Farben und Formen entworfen. Das Fehlen von jeglichen Trennwänden und einer Zimmerdecke erzeugt auf dieser Ebene nicht nur eine Art von Transparenz, sondern suggeriert zusätzlich einen fließenden Übergang von innen nach außen.
Gebrochen wird dieses homogene Raumgefühl lediglich durch getönte Glaselemente, die als Balustraden beziehungsweise Verbindungstück zur oberen Etage dienen. Dort befinden sich insgesamt drei Schlafzimmer, ebenfalls sehr minimalistisch eingerichtet und gepaart mit hochwertigen Designermöbeln. Eine weitere Besonderheit im Interior ist das rechteckige Fenster auf dem höchsten Punkt der ovalen Dachkonstruktion, durch das Tageslicht ins Innere fällt. Schön sind die mit der Sonne wandernden Lichtmuster.
Aufmerksamkeit garantiert
Trotz hochwertiger Baumaterialien sowie sorgfältig ausgewählten Designklassikern wirkt das Innenleben der Casa Balint im Vergleich zu seiner extrem auffälligen Aussenfassade fast wie eine Ode an das Understatement. Fraglich ist auch, ob dieses elegante Projekt den Wohnbedürfnissen und Wohlfühlkriterien einer Familie mit zwei kleinen Kindern entspricht.
FOTOGRAFIE Diego Opazo
Diego Opazo
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