Projekte

Kreative Raumreise

Cineastisch inspirierter Co-Working-Space von Masquespacio

Das Interieur wirkt auf den Besucher so, als würde er direkt in eine digitale Simulation laufen. Die neuen Co-Working-Räume namens Cabinette im spanischen Valencia setzen auf homogene Farbflächen und konsequente Details. Gestaltet wurde die leicht übersteuerte Inszenierung vom ortsansässigen Studio Masquespacio, das für ein ins Surreale gleitendes Erlebnis sorgt.

von Tanja Pabelick, 26.10.2020

Die unwirkliche Atmosphäre des Gemeinschaftsbüros bezieht ihre Inspiration aus der Filmgeschichte. Der Entwurf der Designer ist eine Hommage an Jacques Tatis Film Playtime, eine Komödie über die modernen Zeiten – wie man sie im Jahre 1967 sah: In massiven Architekturkathedralen sitzen graue Beamte in zweckmäßigen Kisten und erleben einen Alltag, der von Bürokratie bestimmt ist. Der funktionale Blick auf die Welt und die menschliche Gesellschaft erinnert an Michael Ende und Franz Kafka, die ästhetische Konsequenz an die Raumwelten eines Wes Anderson.

Masquespacios Interieur zwinkert mit all seinen retrofuturistischen Elementen den Sechzigern zu und entlehnt dem hyperrationalen Büroapparat Tatis die Idee individueller Arbeitskuben. Die sogenannten „Cabinettes“ geben den neuen Co-Working-Räumen auch ihren Namen. Im Film werden sie zum Labyrinth, in dem sich der Protagonist verirrt, bis er sich in einer künstlerischen Installation wiederfindet. Im Interieur des heutigen Cabinette-Co-Working-Space ist die Kunst ebenfalls Teil des Interieurs, wenn auch in Gestalt vordergründig dekorativer Elemente. Auf Keilrahmen gespannte Muster und Grafiken gehen auf das jeweilige Farbuniversum der umgebenden Fläche ein und wechseln sich mit rechteckigen Lichtinstallationen ab. Am Ende wird die Wand selbst zum stimmigen Gesamtkunstwerk, in dem das einzelne Element sich der Inszenierung unterordnet.

Exotik und Samt hinter dem Silbervorhang
Das Büro könnte tatsächlich auch ein Filmset sein. Allerdings würde man hier eher die Kommandozentrale des Raumschiffes aus 2001: Odyssee im Weltraum verorten. Kühle Elemente, wie silberne Vorhänge, Stahlrohre, spiegelnde Decken und gleißende Neonröhren, treffen auf avantgardistisches Mobiliar, monochrome Farbwelten und Akzente mit skurriler Exotik. Diese Art der Extravaganz ist typisch für Masquespacio.

Wer mit den Arbeiten von Christophe Penasse und Ana Milena Hernández Palacios vertraut ist, wird ihren mutigen und konsequenten Umgang mit Farbe ebenso wiedererkennen wie ein paar alte Bekannte, die hier anzutreffen sind. Denn viele der eingesetzten Möbel und Wohnaccessoires stammen aus der Kollektion, die die beiden für und in Zusammenarbeit mit dem Label Houtique entworfen haben. Die Objekte der Kollaboration sind – wie die Interieurprojekte – lieber individuell als gefällig. Die Houtique-Leuchten tragen fransige Wimpern zur Glaskugel, die Stühle tanzen Charleston im Kordelrock und kleiden sich in Samt, Metall und Leder.

200 Quadratmeter zwischen skurril und fantastisch
Mit dem expressiven Ausdruck wollen die Initiatoren vor allem Kreative und Künstler ansprechen, die in einer inspirierenden Umgebung auf neue Gedanken kommen sollen. „Unsere Zusammenarbeit hier folgt einer klaren Philosophie: Stereotypen und Klischees sind nicht erlaubt“, sagen die Gründer des Co-Working-Space. Den Gästen oder Mietern werden auf 200 Quadratmetern drei Konferenzräume, eine Terrasse, Küche und Telefonkabinen geboten. Sie können die Räume für einzelne Events mieten, befristet nutzen oder langfristig Mitglied werden. Und weil das Interieur mit jeder Klischeevorstellung von einer Arbeitsumgebung bricht, wird es durch seine besondere Ästhetik zu einem Magneten. Es zieht diejenigen an, die auch beruflich mit Konventionen und Traditionen brechen, um innovative Ideen zu haben. Masquespacio setzt also auf Exzentrik als Kreativ-Booster: „Wir stellen das Übliche infrage, um die Co-Worker zum Nachdenken anzuregen: Was finden wir in unserem Leben normal?“ Und für manche lautet die Antwort hierauf eben: einen aquamarinblauen Farbanstrich, galaktische Glitzervorhänge und eine Lichtinszenierung mit Dan Flavin-Qualitäten.

Facebook Twitter Pinterest LinkedIn Mail

Mehr Projekte

Eidgenossen in Chicago

Das Schweizer Konsulat von HHF und Kwong Von Glinow

Das Schweizer Konsulat von HHF und Kwong Von Glinow

Schillerndes Vorzeigebüro

Co-Working-Space von Ivy Studio in Montreal

Co-Working-Space von Ivy Studio in Montreal

Makeover à la Marcelis

Umgestaltung eines Forschungszentrums in Rotterdam mit USM-Möbeln

Umgestaltung eines Forschungszentrums in Rotterdam mit USM-Möbeln

Luft nach oben

Umbau einer Lagerhalle in Buenos Aires zur Bürolobby

Umbau einer Lagerhalle in Buenos Aires zur Bürolobby

Kompakt und kontemplativ

Apartment von Francesc Rifé Studio in Barcelona

Apartment von Francesc Rifé Studio in Barcelona

Wohnen mit System

Sanierung des modularen Wohnhauses von Fritz Haller

Sanierung des modularen Wohnhauses von Fritz Haller

Red Room in Valencia

Moderne Zahnklinik Impress von Raul Sanchez

Moderne Zahnklinik Impress von Raul Sanchez

Das Acht-Minuten-Büro

Concept Office von Jan-Henrik Schröter und Haus Otto in Leonberg

Concept Office von Jan-Henrik Schröter und Haus Otto in Leonberg

Mut zur Maserung

Die schönsten Interiors mit Holz

Die schönsten Interiors mit Holz

Best-of Zahnarztpraxen

Schluss mit dem Weiß-Monolog

Schluss mit dem Weiß-Monolog

Echo der Bergwelt

Nina Mair gestaltet die kommunikativen Räume eines Innsbrucker Unternehmens

Nina Mair gestaltet die kommunikativen Räume eines Innsbrucker Unternehmens

Stilvoll konferieren

Conference Center von Just/Burgeff Architekten in Frankfurt am Main

Conference Center von Just/Burgeff Architekten in Frankfurt am Main

Sinn für Farbe

Monochrome Agenturräume von Claudia de Bruyn in Düsseldorf

Monochrome Agenturräume von Claudia de Bruyn in Düsseldorf

Die Welt als Modell

Ein Museum für Architekturmodelle in Shanghai 

Ein Museum für Architekturmodelle in Shanghai 

Das Zahnarzt-Loft

Praxis im französischen Saint-Quentin von Jordan Hoareau

Praxis im französischen Saint-Quentin von Jordan Hoareau

Arbeiten im Gartencafé

Neugestaltung eines Institutsgebäudes von brandherm + krumrey

Neugestaltung eines Institutsgebäudes von brandherm + krumrey

Haus der Steine

Monolithischer Showroom von Esrawe Studio in Mexiko

Monolithischer Showroom von Esrawe Studio in Mexiko

Soul in Seoul

Galerie König im MCM Haus von Neri & Hu

Galerie König im MCM Haus von Neri & Hu

Die perfekte Welle

Flexibler Workspace in London von Note Design Studio

Flexibler Workspace in London von Note Design Studio

Der Patient als Gast

Klinikgebäude in Eisenberg von Matteo Thun und HDR

Klinikgebäude in Eisenberg von Matteo Thun und HDR

Tetris-Interior am Kreml

Hybridwohnung von Vietzke & Borstelmann und Ulrike Brandi

Hybridwohnung von Vietzke & Borstelmann und Ulrike Brandi

Eine Kanzlei macht blau

Avantgardistisches Anwaltsbüro in Turin von SCEG

Avantgardistisches Anwaltsbüro in Turin von SCEG

Bewegliche Bürolandschaft

Campus Founders-Office von Kami Blusch in Heilbronn

Campus Founders-Office von Kami Blusch in Heilbronn

Miami in Schöneberg

Das farbige Büro des Berliner Designstudios Coordination 

Das farbige Büro des Berliner Designstudios Coordination 

Berliner Loft

Wohnliches Büro in Charlottenburg von BBPA und Patrick Batek

Wohnliches Büro in Charlottenburg von BBPA und Patrick Batek

Büro in Bewegung

Eine Arbeitslandschaft mit textilen Grenzen von Enorme Studio

Eine Arbeitslandschaft mit textilen Grenzen von Enorme Studio

Heile Welt

Kinderkrankenhaus in Thailand von Integrated Field

Kinderkrankenhaus in Thailand von Integrated Field

Das luftige Büro

Studio Aisslingers LOQI Activity Office in Berlin

Studio Aisslingers LOQI Activity Office in Berlin

Das Studio im Stall

Erweiterung des mo.office in Meerbusch

Erweiterung des mo.office in Meerbusch

Im Universum des Rudolf S.

Schulumbau am Bodensee von Lukas Imhof Architektur

Schulumbau am Bodensee von Lukas Imhof Architektur