Projekte

Kreative Raumreise

Cineastisch inspirierter Co-Working-Space von Masquespacio

Das Interieur wirkt auf den Besucher so, als würde er direkt in eine digitale Simulation laufen. Die neuen Co-Working-Räume namens Cabinette im spanischen Valencia setzen auf homogene Farbflächen und konsequente Details. Gestaltet wurde die leicht übersteuerte Inszenierung vom ortsansässigen Studio Masquespacio, das für ein ins Surreale gleitendes Erlebnis sorgt.

von Tanja Pabelick, 13.10.2020

Die unwirkliche Atmosphäre des Gemeinschaftsbüros bezieht ihre Inspiration aus der Filmgeschichte. Der Entwurf der Designer ist eine Hommage an Jacques Tatis Film Playtime, eine Komödie über die modernen Zeiten – wie man sie im Jahre 1967 sah: In massiven Architekturkathedralen sitzen graue Beamte in zweckmäßigen Kisten und erleben einen Alltag, der von Bürokratie bestimmt ist. Der funktionale Blick auf die Welt und die menschliche Gesellschaft erinnert an Michael Ende und Franz Kafka, die ästhetische Konsequenz an die Raumwelten eines Wes Anderson.

Masquespacios Interieur zwinkert mit all seinen retrofuturistischen Elementen den Sechzigern zu und entlehnt dem hyperrationalen Büroapparat Tatis die Idee individueller Arbeitskuben. Die sogenannten „Cabinettes“ geben den neuen Co-Working-Räumen auch ihren Namen. Im Film werden sie zum Labyrinth, in dem sich der Protagonist verirrt, bis er sich in einer künstlerischen Installation wiederfindet. Im Interieur des heutigen Cabinette-Co-Working-Space ist die Kunst ebenfalls Teil des Interieurs, wenn auch in Gestalt vordergründig dekorativer Elemente. Auf Keilrahmen gespannte Muster und Grafiken gehen auf das jeweilige Farbuniversum der umgebenden Fläche ein und wechseln sich mit rechteckigen Lichtinstallationen ab. Am Ende wird die Wand selbst zum stimmigen Gesamtkunstwerk, in dem das einzelne Element sich der Inszenierung unterordnet.

Exotik und Samt hinter dem Silbervorhang
Das Büro könnte tatsächlich auch ein Filmset sein. Allerdings würde man hier eher die Kommandozentrale des Raumschiffes aus 2001: Odyssee im Weltraum verorten. Kühle Elemente, wie silberne Vorhänge, Stahlrohre, spiegelnde Decken und gleißende Neonröhren, treffen auf avantgardistisches Mobiliar, monochrome Farbwelten und Akzente mit skurriler Exotik. Diese Art der Extravaganz ist typisch für Masquespacio.

Wer mit den Arbeiten von Christophe Penasse und Ana Milena Hernández Palacios vertraut ist, wird ihren mutigen und konsequenten Umgang mit Farbe ebenso wiedererkennen wie ein paar alte Bekannte, die hier anzutreffen sind. Denn viele der eingesetzten Möbel und Wohnaccessoires stammen aus der Kollektion, die die beiden für und in Zusammenarbeit mit dem Label Houtique entworfen haben. Die Objekte der Kollaboration sind – wie die Interieurprojekte – lieber individuell als gefällig. Die Houtique-Leuchten tragen fransige Wimpern zur Glaskugel, die Stühle tanzen Charleston im Kordelrock und kleiden sich in Samt, Metall und Leder.

200 Quadratmeter zwischen skurril und fantastisch
Mit dem expressiven Ausdruck wollen die Initiatoren vor allem Kreative und Künstler ansprechen, die in einer inspirierenden Umgebung auf neue Gedanken kommen sollen. „Unsere Zusammenarbeit hier folgt einer klaren Philosophie: Stereotypen und Klischees sind nicht erlaubt“, sagen die Gründer des Co-Working-Space. Den Gästen oder Mietern werden auf 200 Quadratmetern drei Konferenzräume, eine Terrasse, Küche und Telefonkabinen geboten. Sie können die Räume für einzelne Events mieten, befristet nutzen oder langfristig Mitglied werden. Und weil das Interieur mit jeder Klischeevorstellung von einer Arbeitsumgebung bricht, wird es durch seine besondere Ästhetik zu einem Magneten. Es zieht diejenigen an, die auch beruflich mit Konventionen und Traditionen brechen, um innovative Ideen zu haben. Masquespacio setzt also auf Exzentrik als Kreativ-Booster: „Wir stellen das Übliche infrage, um die Co-Worker zum Nachdenken anzuregen: Was finden wir in unserem Leben normal?“ Und für manche lautet die Antwort hierauf eben: einen aquamarinblauen Farbanstrich, galaktische Glitzervorhänge und eine Lichtinszenierung mit Dan Flavin-Qualitäten.

Facebook Twitter Pinterest LinkedIn Mail
Links

Masquespacio

Zum Profil

Mehr Projekte

Arbeiten im Schneckenhaus

Studio 11 gestaltete ein Start-up-Büro in Minsk

Studio 11 gestaltete ein Start-up-Büro in Minsk

Im Office-Dschungel

Weiss-heiten gestaltet The-Office-Group-Dependance in Berlin

Weiss-heiten gestaltet The-Office-Group-Dependance in Berlin

Eine Bühne für den Austausch

Flexibler Multifunktionsraum von Delordinaire in Paris

Flexibler Multifunktionsraum von Delordinaire in Paris

Geometrie und Abenteuer

Indoor-Spielplatz in Brooklyn von Architensions

Indoor-Spielplatz in Brooklyn von Architensions

New Work in New York

Umbau eines Industriedenkmals von CIVILIVN

Umbau eines Industriedenkmals von CIVILIVN

Arbeiten auf dem Sonnendeck

Büroräume einer Berliner Agentur von Gustav Düsing

Büroräume einer Berliner Agentur von Gustav Düsing

Berliner Holz-Beton-Hybrid

Lichtdurchflutete Remise von Jan Wiese Architekten

Lichtdurchflutete Remise von Jan Wiese Architekten

Geschichte im Farbbad

Umbau eines Prachtbaus in Amsterdam von i29 und MATH architecten

Umbau eines Prachtbaus in Amsterdam von i29 und MATH architecten

Das Büro als Spielwiese

Inspirierende Arbeitswelt von Studio Aisslinger

Inspirierende Arbeitswelt von Studio Aisslinger

Stiller Brutalismus

Headquarter der Lichtmanufaktur PSLab von JamesPlumb in London

Headquarter der Lichtmanufaktur PSLab von JamesPlumb in London

Das Büro als Boudoir

Agenturräume in London von Daytrip

Agenturräume in London von Daytrip

Spielerisches Experimentierfeld

Variabler Co-Working-Space von LXSY Architekten in Berlin

Variabler Co-Working-Space von LXSY Architekten in Berlin

New Work als Raumkonzept

Transparentes Office von Ply Atelier in Hamburg

Transparentes Office von Ply Atelier in Hamburg

Bunter Brutalismus

Büroausbau von Artem Trigubchak und Lera Brumina

Büroausbau von Artem Trigubchak und Lera Brumina

Funktionale Grenzgänger

Der Co-Working-Space von brandherm + krumrey in Berlin setzt auf Gemütlichkeit

Der Co-Working-Space von brandherm + krumrey in Berlin setzt auf Gemütlichkeit

Büro zum Wohnen

Die Räume des Architekturbüros SJB in Sydney gleichen einer Wohnung

Die Räume des Architekturbüros SJB in Sydney gleichen einer Wohnung

Abgetaucht

Coworking in Warschau von Beza Project

Coworking in Warschau von Beza Project

Gemeinsam lernen

Designerin Sarit Shani Hay entwirft die erste öffentliche Integrationsschule in Tel Aviv

Designerin Sarit Shani Hay entwirft die erste öffentliche Integrationsschule in Tel Aviv

Arbeiten im Aggregatzustand

Waterfrom bringt Industriegeschichte in Zylinderform

Waterfrom bringt Industriegeschichte in Zylinderform

Helden des Homeoffice

Coperni und USM zeigen eine Ausstellung über die Heimarbeit

Coperni und USM zeigen eine Ausstellung über die Heimarbeit

Meister der Zeit

Die Geschäftsräume der Uhrenmanufaktur Montres Valgine, umgesetzt von Girsberger

Die Geschäftsräume der Uhrenmanufaktur Montres Valgine, umgesetzt von Girsberger

Im Raster

Hochschulbibliothek im Stil des White Cube von Andreas Schüring

Hochschulbibliothek im Stil des White Cube von Andreas Schüring

Kreative unter Palmen

Ein Inkubator in Barcelona von Arquitectura-G

Ein Inkubator in Barcelona von Arquitectura-G

Kreative Symbiose

Workspace in Stuttgart von Studio Komo

Workspace in Stuttgart von Studio Komo

Büro mit Humor

Die Kreativagentur Banda setzt auf eine Architektur mit Augenzwinkern

Die Kreativagentur Banda setzt auf eine Architektur mit Augenzwinkern

Co-Working im Container

Die Architekten von Toop entwickelten ein Konzept für Minibüros im Schiffscontainer

Die Architekten von Toop entwickelten ein Konzept für Minibüros im Schiffscontainer

Dallmer wächst

Erweiterungsbau für das Familienunternehmen in Arnsberg

Erweiterungsbau für das Familienunternehmen in Arnsberg

Kunst und Spionage

Einen irren Streifzug durch die Geschichte bietet die Villa Heike in Berlin

Einen irren Streifzug durch die Geschichte bietet die Villa Heike in Berlin

Sakraler Minimalismus

Ein strenges Büro-Interieur in Kiew von Studio Sivak

Ein strenges Büro-Interieur in Kiew von Studio Sivak

Eine kleine Revolution

Kinderklinik in der Ukraine von Ater Architects

Kinderklinik in der Ukraine von Ater Architects