Projekte

Leben mit der Kunst

von Katrin Schamun, 06.05.2008

Sammler sind oft ungewöhnlich leidenschaftliche Menschen. Und wer Kunst sammelt, besitzt neben der Leidenschaft meist auch viel Geld. Dann kann man sich auch ein Museum für die eigene Sammlung bauen – und genau das hat der Werber Christian Boros getan: Er kaufte einen fünfstöckigen, ehemaligen Luftschutzbunker in Berlin-Mitte und hat nun 2.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung. Auf dem Dach des Museums ließ der Bauherr eine 450 Quadratmeter große Loftwohnung errichten, die er nun mit seiner Familie bewohnt. Verantwortlich für dieses Projekt zeichnet sich das Berliner Büro Realarchitektur.
Der Bunker liegt an der Ecke Karl-/Albrechtstraße und wurde 1942 zum Schutz der Zivilbevölkerung gebaut. Er bot Raum für etwa 2.000 Personen. Die Narben des Krieges, Grantsplitter und Einschusslöcher, sind an den Wänden des Gebäudes auch nach der gründlichen Reinigung mit dem Sandstrahler noch gut zu sehen. Mit Absicht. Für Boros und den Denkmalsschutz sind sie erhaltenswert und erzählen etwas über die bewegte Geschichte dieses Ortes. 1945 nutzte die Rote Armee den Bau als Kriegsgefängnis, in der DDR diente er als Lagerhaus für Nüsse und Südfrüchte aus Kuba, weshalb ihn die Ost-Berliner auch als „Bananen-Bunker“ bezeichneten. In der Blütezeit der Techno-Welle wurden in den labyrinthisch engen Räumen Partys gefeiert, die von außen unbemerkt blieben. Die bis zu 1,80 Meter dicken Betonwände machten es möglich.
Alles neu
Von außen sieht man dem Bunker seine neue Bestimmung als Museum und Wohnhaus nicht an, doch im Inneren wurden hunderte Kilogramm Beton gestemmt und hinausgebracht und so genügend Ausstellungsraum geschafft. Fünf Stockwerke wurden aufgebrochen, um Zwischenebenen und Räume mit bis zu 7,50 Meter Deckenhöhe zu schaffen. Dabei gingen die labyrinthischen Gänge und das bedrückende Raumgefühl von einst verloren. Man betritt die Ausstellungsräume, die im Juni 2008 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden sind, durch einen Eingang in der Reinhardtstraße.
Ganz oben
In die Wohnung gelangt der stolze Besitzer durch einen separaten Eingang in der Albrechtstraße. In einem Fahrstuhl, für den eine drei Meter dicke Betondecke durchbrochen wurde, fährt man ganz nach oben, wo sich hinter einer schlichten Metalltür ein großer heller Raum öffnet. Dieser Eingangsbereich wird durch ein Oberlicht erhellt und bietet mit raumhohen Fensterverglasung von allen Seiten einen Blick nach draußen. Verschiebbare Sonnenschutz-Elemente und ein auskragendes Dach verschatten bei hoher Sonneneinstrahlung die Glasfassade, die den Blick auf die Dächer der umliegenden Häuser freigibt.
Werden die Terrassen und Gärten sowie der Pool auf dem Dach mit einberechnet, misst das Penthouse insgesamt 470 Quadratmeter. Vom großzügigen Eingangsbereich aus gehen Wohn-, Küche- und Essbereich sowie eine Bibliothek und Arbeitsbereich ab. Die privaten Räume der Familie, drei Schlafräume, zwei Bäder und ein Ankleideraum befinden sich im hinteren Teil der Wohnung und sind von Dachgärten und teilweise auch von überdachten Terrassen umgeben. Wie im Ausstellungsbereich wurden auch die Wände und Decken im Penthouse in Sichtbeton belassen. Eine interessante Note verleihen die Spuren von Schalungsarbeiten an der Oberfläche des Betons. Die geräumigen Räume mit den hohen Decken sind nur sparsam möbliert und mit ausgesuchten Objekten bestückt. In der Wohnung finden nur wenige Materialien Verwendung: Bei Türen, Schränken und Regalen beispielsweise entschieden sich die Architekten für geräuchertes Eichenholz, das mit seinem dunkeln Farbton mit dem Beton harmoniert. Fußböden, Badewanne und Waschtische sind aus fränkischen Muschelkalk gearbeitet, der durch eine helle Oberfläche besticht.
Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und ist der einzige noch erhaltene Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg in der Innenstadt. Ihm die Funktion einer Galerie für moderne Kunst zuzuweisen und Arbeiten von zeitgenössischen Künstlern wie Wolfgang Tillmans, Damien Hirst oder Elizabeth Peyton auszustellen, ist eine ambitionierte Aufgabe, mit der sich Christian Boros gleichzeitig seinen Traum erfüllte: Leben mit seiner Sammlung.
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Links

Sammlung Boros

www.sammlung-boros.de

Projektarchitekten

www.realarchitektur.de

Projektarchitekten

www.jenscasper.com

Projektarchitekten

www.strickland.ch

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