Organische Transformation
Umbau eines Apartments in der Architekturikone Torres Blancas von Studio.Noju
Das spanische Architekturbüro Studio.Noju hat ein Apartment in dem berühmten Brutalismus-Bau Torres Blancas in Madrid renoviert. Mit viel Respekt vor dem historischen Erbe und ergänzt durch innovative Ideen wurden geschwungene Wände und begrünte Terrassen wiederhergestellt. Entstanden ist ein Meisterwerk organischer Architektur im neuen, avantgardistischen Look.
„Ohne Freiheit keine Kunst“. Das sagte nicht nur Albert Camus, sondern auch Francisco Javier Sáenz de Oiza. Der spanische Architekt entwarf 1961 einen Turm in Madrid, der mit allen althergebrachten Konventionen im Wohnungsbau brach: den Torres Blancas. Seine radikal skulpturale, zylindrische Gestalt aus Sichtbeton erregte großes Aufsehen. Eine architektonische Meisterleistung – und heute ein Wahrzeichen brutalistischer Baukunst der Sechzigerjahre.
Ein Hoch aufs Handwerk
Antonio Mora und Eduardo Tazon vom ortsansässigen Architekturbüro Studio.Noju kannten den Turm noch aus dem Geschichtsunterricht ihres Architekturstudiums, hatten aber nie die Gelegenheit, ihn von innen zu besichtigen. Bis vor ein paar Jahren plötzlich eine Wohnung zum Verkauf stand: „Als wir das Gebäude zum ersten Mal mit dem Makler besuchten, waren wir begeistert“, erzählt das Duo. „Sein Inneres ist noch einzigartiger als das Äußere. Es steckt voller Details: von lederbezogenen Handläufen über runde Türen bis hin zur riesigen Treppe, die von der Lobby bis in das oberste Geschoss führt. Das Treppenhaus wird von einer großen, mehr als siebzig Meter langen Leuchte illuminiert. In diesem Haus versteckt sich eine Handwerkskunst, die im europäischen Bausektor nicht mehr zu finden ist.“
Also kauften Mora und Tazon die 400 Quadratmeter große, sich über zwei Etagen erstreckende Wohnung im Torres Blancas und begannen sie behutsam zu renovieren. Ihr Leitsatz: Gestaltung im Dialog mit dem Gebäude. Denn die revolutionären Gedanken des Architekten Sáenz de Oiza sollten auch zum Ausgangspunkt ihres eigenen Entwurfs werden.
Viel Schwung und noch mehr Grün
Eine dieser ursprünglichen Ideen, die im Kampf um Wohnraum und Quadratmeter verloren ging, war die Idee, das Gebäude in einen vertikalen Garten zu verwandeln. Das Apartment von Mora und Tazon hatte den größten Teil seiner Außenflächen verloren, genauso wie die geschwungenen Innenwände, die durch konventionelle, gerade Mauern ausgetauscht worden waren. „Nach dem Kauf der Immobilie haben wir sofort damit begonnen, den alten Grundriss zu studieren“, erinnern sich die Architekten. „Die ursprünglichen Formen waren so viel interessanter!“ Sie entfernten eingesetzte Wände und Anbauten und brachten die organischen Linien des eigentlichen Plans wieder zum Vorschein.
Auch die Terrassen des Ursprungsentwurfs wurden wiederhergestellt. Und weil diese mit einer entsprechenden Bepflanzung auch vor Hitze schützen, sind sie heute aktueller denn je. Eine kleine Outdoor-Oase schufen die Architekten auf der Terrasse in der zweiten Etage ihrer Wohnung: Dort wurde eine gebogene Glaswand eingezogen, in deren Mitte sich – eingebettet in einen Dschungel – eine runde, grün geflieste Badewanne befindet.
Vier Badezimmer, ein Designkonzept
Überhaupt sind vor allem die Bäder mit besonderer Hingabe gestaltet. Monochrom mit kleinen Mosaiksteinen gefliest, leuchten sie eukalyptusgrün, ziegelrot oder sonnengelb. Ikonische Möbelstücke finden sich nur wenige in den Räumen, denn das Augenmerk soll ganz bewusst auf der Architektur liegen. Ein echter Eyecatcher hingegen ist die futuristische, silbrig-grün glänzende Küche: „Für diesen Raum haben wir uns, anstelle von Fliesen, für Wandpaneele aus Metall-Hochdrucklaminat entschieden. Sie schaffen eine Atmosphäre, die die Grenzen der Küche verwischt und gleichzeitig das bernsteinfarbene Licht hervorhebt, das durch die Glasbausteine einfällt.“ Vergangenheit und Zukunft – sie könnten nicht schöner aufeinandertreffen als hier.
FOTOGRAFIE José Hevia José Hevia
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