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Pink-gelbes Zement-Ornament

Mut zur Farbe: Im mexikanischen Mérida beleben drei junge Architekten die örtliche Kolonialarchitektur

von Norman Kietzmann , 03.08.2016

Licht, Schatten und Farbe sind die Zutaten, mit denen drei junge Architekten in Mérida die örtliche Kolonialarchitektur neu beleben. Das Wohnhaus für eine Familie führt öffentliche und private Zonen zu einer lebendigen Mixtur, die mit natürlicher Klimatisierung und hoher Aufenthaltsqualität überzeugt.

Yukatans Hautstadt Mérida ist immer eine Reise wert. Typisch für die Kolonialarchitektur im Zentrum sind die prächtigen Hofhäuser, die die spanischen Großgrundbesitzer einst errichtet haben. Deren Aufbau folgt einem klaren Schema: Zur Straßenseite füllen eingeschossige Baukörper oder Mauern den Blockrand aus. Dahinter verbergen sich opulente Gärten, säulenumringte Patios und oft mehrgeschossige Wohnhäuser. Von außen ist davon nichts zu sehen. Das Leben findet hinter den Mauern statt, die wie zum Ausgleich in leuchtend bunten Farben gehalten sind.  

Öffentlicher Platz
Einen bewussten Bruch mit dieser Tradition vollzieht das mexikanische Architekturbüro TACO mit einem Wohnhaus für eine Familie. Das 85 Quadratmeter große Gebäude liegt im vorderen Drittel des langgestrickten Grundstücks, das beidseitig von den Brandwänden bestehender Gebäude eingefasst wird. Indem auf eine Mauer zur Straße verzichtet wird, entsteht ein kleiner, öffentlicher Platz – eine Rarität inmitten der geschlossenen Häuserblöcke von Méridas Innenstadt. Für die Bewohner des Hauses erfüllt dieser Ort gleich mehrere Aufgaben: Er setzt eine einladende, großzügige Geste. Er definiert eine atmosphärische Übergangszone vom öffentlichen zum privaten Raum. Und gleichzeitig können auf zwei rechteckigen Betonflächen Fahrzeuge abgestellt werden. 

Flüssige Verbindung
Für Aufenthaltsqualität auf dem Vorplatz sorgen nicht nur mehrere Bäume und Kakteen, die im frisch gepflanzten Zustand allerdings noch etwas kümmerlich wirken. Direkt vor der Betonfassade des Wohnhauses zieht ein Wasserbecken die Blicke auf sich, an dessen rechtem Rand eine ebenfalls aus Beton gefertigte Sitzbank zum Verweilen einlädt. Die Besonderheit: Das kühle Nass verbleibt nicht nur im Außenbereich, sondern bahnt sich seinen Weg bis ins Innere des Hauses. Im Eingangsbereich wird eine Sockelplatte komplett vom Wasser eingefasst. Die Wohnküche wird sogar an ihrer Längs- und Querseite umflossen, wodurch eine natürliche Abkühlung erfolgt.  

Luftdurchlässiges Ornament
Ein spannendes Licht- und Schattenspiel erzeugen Wände aus Betonbausteinen. Das dreiköpfige Team von TACO Architekten hat sich hier für das Modell Celosia Cholul von Adocretos entschieden. Die 20 mal 20 Zentimeter großen Module lassen Luft und Licht frei zirkulieren, sodass auf Klimaanlagen im gesamten Haus verzichtet werden konnte. Das geometrische Muster aus zwei ineinander gesetzte Quadrate wandert mit dem Lauf der Sonne durch sämtliche Innenräume und verleiht ihnen eine variable und lebendige Komponente. Die Form der Bausteine zeigt zugleich einen lokalen Bezug: Schließlich wirken sie wie eine Draufsicht auf die Stufenpyramiden, die die Maya einst in den Wäldern um Mérida erbauten. 
Leuchtendes Gelb
Die Architekten ließen sich auch in puncto Farbe von der Tradition des lokalen Kunsthandwerks inspirieren. Sowohl die Haustür als auch die zweite Tür, die den Eingangsbereich des Hauses von der Wohnküche trennt, sind in einem leuchtenden Gelbton gehalten. Wenn die Sonne direkt auf die Türen scheint, verwandeln sich diese in regelrechte Scheinwerfer und strahlen ihr warmes Licht auf die rohen Betonwände ab. Die Farbe wird ebenso mit der Beleuchtung der Küchenzeile wie mit mehren Möbeln aufgegriffen. Ein spannendes Detail zeigt sich im Eingangsbereich: In der Nacht reflektieren die gelben Türen das Raumlicht und bringen das Wasser in der Primärfarbe zum Leuchten – ein Effekt, der sich eindrucksvoll bis auf den öffentlichen Vorplatz des Hauses überträgt. 

Ausgereiftes Frühwerk
Einen Kontrapunkt zum Gelb setzt eine pinkfarbene Tür, die auf den rückseitigen Innenhof führt. Anders als beim Vorplatz haben die Architekten hier auf eine Mauer zur Abgrenzung des Grundstücks gesetzt. Neben einen schattenspendenden Baum wurden verschiedene Gemüsesorten gepflanzt. Es ist der private Rückzugsort des Hauses, der ebensowenig einsehbar ist wie der Dachgarten: ein offener, karger Ort, an dem erneut die ornamentalen Betonbausteine mit Licht und Schatten spielen. Den Gründern von TACO Architekten Alejandro Patrón Sansor, Carlos Patrón Ibarra und Ana Patrón Ibarra ist damit ein kleines Kunststück gelungen. Die 1987 und 1988 geborenen Baumeister haben gezeigt, wie räumliche Qualitäten mit geringen Bau- und Instandhaltungskosten zu erzielen sind. Hut ab für dieses ausgereifte Frühwerk des Trios, das Appetit auf mehr macht!

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Projektarchitekten

TACO taller de arquitectura contextual

www.arquitecturacontextual.com

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