Recycling mal anders
Umnutzung von Schiffscontainern zu mobilem Wohnraum
Was wäre, wenn ein Wohnhaus – ebenso wie seine Bewohner*innen – nicht mehr an einen Ort gebunden wäre? Mit dieser Frage befassten sich die Architekt*innen von wiercinski-studio aus Posen und sie entwickelten eine Lösung mit Vorbildcharakter: ein Ensemble aus zwei ehemaligen Frachtcontainern, das komfortablen Wohnraum bietet und ein mobiles Leben ermöglicht.
Ein gemeinschaftlich genutzter Garten nahe Posen ist der momentane Standort eines mobilen Wohnhauses, das von dem polnischen Architekturbüro wiercinski-studio geplant wurde. Adam Wiercinski und sein Team entwerfen und realisieren Projekte in unterschiedlichen Maßstäben. Neben der Gestaltung von Gebäuden oder Innenräumen widmet sich das Studio auch dem Möbel- und Leuchtendesign. Für das Wohnhaus wurden zwei ehemalige Schiffscontainer zu ganzjährig bewohnbaren Räumen umfunktioniert. Die Besitzer*innen wünschten sich eine temporäre Lösung, um in Zukunft mitsamt dem Gebäude umziehen zu können. Die Wohneinheit wurde – bis auf kleine Ausbauarbeiten – komplett vorgefertigt angeliefert. Der Transport sowie das Aufstellen auf dem Grundstück nahmen nur einen Tag in Anspruch.
Geschickte Anordnung der Baukörper
Das Standardmaß für einen Frachtcontainer beträgt 12 mal 2,50 Meter mit einer Höhe von 2,90 Metern. Die beiden Container wurden an der Längsseite miteinander verbunden. Insgesamt entstand so eine Wohnfläche von 54 Quadratmetern mit Schlafzimmer, Bad und einem Wohnzimmer mit offener Küche. Die Raumhöhe der ausgebauten Container liegt nun bei 2,60 Metern. Zwei weitere Container, die als Stauraum für die Gartenausstattung genutzt werden, wurden unter den Bau geschoben. Die leicht versetzte Anordnung erwies sich als sehr geschickte Lösung: An einer Stirnseite entstand so eine geräumige Terrasse, die auf einen nahegelegenen Fluss blickt, an der anderen konnte dadurch ein Höhenunterschied auf dem Grundstück ausgeglichen werden.
Industrielle Materialien treffen auf Natur
Um die charakteristischen Merkmale der Container beizubehalten, wurde die Außenhaut nur gestrichen. Das dunkle Grün lässt die Baukörper nahezu mit der umgebenden Natur verschmelzen. Zum Eingang der Wohnung führt eine Stahltreppe auf der vom Wasser abgewandten Seite. In einer klar gegliederten Struktur sind entlang eines Flurs Schlafbereich und Badezimmer angeordnet, dahinter weitet sich der Raum und mündet in ein offenes Wohnzimmer mit Küchenzeile und Ausgang zur Terrasse, die von einer abgerundeten Brüstung eingerahmt wird.
Viele besondere Details
Um die Container zu dämmen, wurde innenliegend Sprühschaum verwendet und diese Schicht wiederum mit Birkensperrholz verkleidet. Unter der Verkleidung verbirgt sich auch der Sturz, an dem zu erkennen wäre, dass es sich um zwei miteinander verbundene Schiffscontainer handelt. Durch die glatten Deckenuntersichten und den durchlaufenden Boden erscheint der entstandene Raum wie aus einem Guss.
Die Stahltüren der Container wurden zur Terrasse hin durch großflächige Verglasungen ersetzt. An den Längsseiten entstanden quadratische Öffnungen für Fenster. Bis auf die Eingangs- und die Terrassentür verwendete wiercinski-studio nur Schiebetüren. Dadurch wird einerseits der lang gestreckte Baukörper auch im Innenraum betont, andererseits kann viel Platz gespart werden. Gemäß dem Anspruch sehr im Detail zu denken, entwarf das Studio für dieses Bauvorhaben auch Möbel. Der Tisch mit dazugehöriger Bank und der skulpturale Stuhl mit kreisförmiger Rückenlehne runden die gesamte Gestaltung ab.
FOTOGRAFIE Oni Studio
Oni Studio
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