Runder Schnitt
Fala Atelier nimmt seinem Umbau die Strenge und fügt ihm beinahe etwas Künstlerisches hinzu.
Ein tiefer, schattiger Raum, vier geheimnisvolle Türen und eine zentrale Wand mit ausgeprägter Rundung: Dieses Wohnhaus steckt in alten Gemäuern und ist doch so innovativ, wie es kaum ein Neubau ist. Realisiert hat den Umbau in Porto das junge und für seine experimentellen Ansätze bekannte Büro Fala Atelier.Normalerweise erzählen alte Gebäude Geschichten aus der Vergangenheit – an diesem Bau aber kann man nur in wenigen Details ablesen, dass er aus einer früheren Zeit stammt. Marode Wände, ungünstiger Schnitt, schmuckloses Äußeres: Vieles hätte für einen Komplettabriss gesprochen. Dass die Bauherren und die Architekten sich für eine Umgestaltung innerhalb der existierenden Außenmauern entschieden, zeugt von einer begrüßenswerten Haltung gegenüber der Arbeit im Bestand.
Die Nachbarschaft beschreiben die Architekten Filipe Magalhães, Ana Luisa Soares und Ahmed Belkhodja als wenig bemerkenswert. Dort stand das Haus lange Zeit leer und hinter dem Gartentor verbarg sich ein großzügiger Garten. Einzig die enorme, nach vorn und hinten abfallende Dachschräge des Gebäudes stach hervor. Die Kubatur des Baus ließ das Architektenteam bestehen. Die neu verputzte Fassade strahlt in reinem Weiß, das Dach wird von einem hauchdünnen Wellblech bedeckt und den Eingang markiert eine leuchtend rote Tür. Zur Straße begrenzt ein meerblaues Tor das Grundstück. Ob das Haus neu oder alt ist, erkennt man allenfalls in Feinheiten – der Dachform oder dem Fenstergitter an der straßenseitigen Fassade.
Der gravierende Eingriff findet im Inneren statt: Hier durchkreuzt eine kurvige Wand den Grundriss diagonal. Auf der größeren Seite dehnt sich bis tief in das Grundstück hinein der offene Küchen- und Wohnbereich aus. Eine neu geschaffene Fensterfront öffnet das Haus zum Garten. Und zur Straße hin ordnen sich hintereinander das Bad, ein Ankleidezimmer, eine Abstellkammer, das Schlafzimmer und der Eingangsbereich mit abgetrenntem Flur an.
Blickt man vom Wohnraum aus auf die vier blauen Türen in dieser Wand, ahnt man nicht wie groß oder klein die Räume sind, die sich dahinter verbergen. Während der Flur nur so groß wie nötig ist, überrascht das Schlafzimmer mit seiner vergleichsweisen Großzügigkeit. Darüber hinaus ist dieses über den Kleiderraum mit dem Badezimmer verbunden. Bei der Möblierung des Wohnraums gingen die Architekten sparsam um: eine korallenrote Küchenzeile mit weißgrauer Marmorarbeitsplatte, ein separat platzierter Vorrats- und Einbaukühlschrank, daneben ein paar alte Holzmöbel und -stühle sowie zahlreiche Grünpflanzen. Die höchste Stelle unterhalb des Daches markiert eine Kletterstange – ihr Zweck ist rein dekorativ.
Wie in früheren Projekten, nimmt Fala Atelier auch hier seinem Umbau die Strenge und Ernsthaftigkeit und fügt ihm beinahe etwas Künstlerisches hinzu, das jeder selbst interpretieren darf. So beruht etwa die kreisförmige Terrasse auf dem Why-Not-Prinzip: Warum ein Kreis? Warum nicht?! „Letztlich ist das Haus ein eher konventionelles Gebäude“, sagen die Architekten, „jedoch eines, das ungewöhnlich lebhaft ist.“ Der Aufwand, diese Dynamik zu erzielen, steht in einem ausgesprochen guten Verhältnis zum Resultat.
FOTOGRAFIE Ricardo Loureiro
Ricardo Loureiro
Projektarchitekten
Fala Atelier
Fotograf
Ricardo Loureiro
House with a Curved Wall
Umbau in Porto / 2016–2017
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