Schlafen im Garten
Altersgerechter Anbau von Bloot Architecture
In der niederländischen Kleinstadt Lelystad renovierte das Büro Bloot Architecture ein Einfamilienhaus altersgerecht und verlegte den Schlafbereich der oberen Etage in einen ebenerdigen Anbau, der sich wie eine Halbinsel an das Hauptgebäude anschließt und zum Garten hin öffnet.
Das Einfamilienhaus der Auftraggeber*innen, ein Ehepaar im Rentenalter, ist durch eine funktionale und schlichte Architektur geprägt. Charmant hingegen wirkt der liebevoll gepflegte Garten des Anwesens. Er war es auch, der die Architekt*innen von Bloot Architecture bei ihrem Konzept für einen altersgerechten Umbau inspirierte: Um den Besitzer*innen ein komfortables und naturnahes Wohnen zu ermöglichen, schlugen sie vor, den Schlafbereich aus der ersten Etage des Hauptgebäudes in ein gemütliches Gartenhaus zu verlegen. Der Neubau sollte hinter dem Haupthaus entstehen, direkt mit diesem verbunden sein und als Erweiterung des Wohnraums dienen.
Schleuse zum Schlafzimmer
Um den Anbau realisieren zu können, transformierten die Architekt*innen zunächst einen Teil der Garage in einen Flur mit einem abgeschlossenen Badezimmer. Zugänglich ist dieser über den Hauswirtschaftsraum des Bestandsbaus. Er führt direkt durch den schleusenartigen Durchgang zum neuen Ein-Raum-Anbau. Dieser dient nun dem älteren Ehepaar als Schlafzimmer und vermittelt dank seiner großzügigen Fensterfronten das Gefühl, sich mitten im Garten zu befinden. Rahmenlose Glasecken und eine große Schiebetür aus Accoya-Holz, die an der Außenseite des Anbaus entlanggleitet, verstärken diesen Eindruck.
Wetterfeste Ästhetik
Bei der Materialwahl legte Bloot Architecture besonderen Wert auf nachhaltige Eigenschaften und eine auffallende Optik. Die Fassade des Anbaus wurde sowohl innen als auch außen mit hellgrauen Viroc-Paneelen verkleidet, die die Flexibilität von Holz mit der hohen Widerstandsfähigkeit von Beton kombinieren. Diese Faserzementplatten trotzen den oft rauen Wetterbedingungen Nordhollands und gewährleisten so eine lange Haltbarkeit der Außenfassade. Gleichzeitig verleihen sie dem Innenraum durch ihre rohe Betonoptik eine markante Anmutung.
Dach mit Mehrwert
Das Dach des Anbaus aus Cortenstahl ist nicht nur robust, sondern ein wahrer Eyecatcher: Mit seiner rostigen Oberfläche bildet es einen reizvollen Kontrast zu den grauen Verbundplatten und hölzernen Elementen an der Fassade. Ein weiteres architektonisches Detail, das die Architekt*innen geschickt integrierten, ist das intelligente Regenwassersystem: Der großzügige Dachüberstand leitet das Wasser an den Fenstern vorbei direkt in das Kiesbett, das den Anbau umrandet.
Naturnahes Raumgefühl
Das „heruntergezogene“ Dach, das in seiner Mitte in die Höhe ragt, schafft zudem ein angenehmes Raumgefühl, das zugleich einladend und beschützend wirkt. Es entsteht ein Eindruck von Großzügigkeit in dem kompakten Anbau. Die vor den Fenstern angebrachten Jalousien dienen hauptsächlich dem Schutz vor dem Sonnenlicht und weniger der Privatsphäre. Neugierige Blicke sind nicht zu befürchten, da das Grundstück keinen Einblick von der Straßenseite oder einem Nachbargrundstück zulässt. So bleibt die Aussicht in den Garten stets ungestört und betont die naturnahe Ausrichtung des Raumkonzepts.
FOTOGRAFIE Jeroen Musch
Jeroen Musch
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