Spiel mit der Wahrnehmung
Umbau einer Altbauwohnung in Vilnius von ŠA Atelier
Viel Tageslicht, überraschende Blickachsen und flexible Raumlösungen: In Vilnius hat das litauische Architekturbüro ŠA Atelier alle Register gezogen, um eine knapp 38 Quadratmeter große Altbauwohnung in ein geräumig wirkendes Loft zu verwandeln.
Die kleine Wohnung im Bahnhofsviertel von Vilnius, in einem um die Jahrhundertwende errichteten Haus, befand sich vor dem Umbau in einem maroden Zustand: keine Spur von historischen Bauelementen, dafür umso mehr Ballast ehemaliger Bewohner. Schichten alter Tapeten, Umbauten aus der Sowjetära, Enge und Dunkelheit prägten das Gesamtbild. „In diesem relativ kleinen Wohnraum strebten wir danach, einen Eindruck von Helligkeit und Weite zu schaffen“, sagen die Büropartner und leitenden Architekten Gabrielė Šarkauskienė und Antanas Šarkauskas.
Einbau aus Schichtholz
Zunächst ließen sie alle Trennwände einreißen, sodass nun das Tageslicht von der Straßenseite bis zum Eingangsbereich durchdringen kann. Neuer Blickfang ist ein sich diagonal über die gesamte Wandlänge des Apartments ziehender, zur Fensterseite hin schmal zulaufender Einbau aus hellem Schichtholz. Nah beim Eingang versteckt sich hinter den hölzernen Paneelen das kompakte neue Badezimmer mit Toilette, kleinem Waschbecken und Dusche. Daneben befindet sich die offene Küchenzeile mit Waschbecken, Gasherd und verborgenem Boiler.
Out of the box
Der Einbau erfülle nicht nur diverse Funktionen, er verzerre auch die übliche kastenförmige Geometrie, indem er eine neue, dynamische Blickachse hinzufüge, erklären die Planer. Bei Betreten der Wohnung befinde man sich zunächst in einem Spalt zwischen zwei Volumen, um dann förmlich in den hellen Open Space der Wohnung geschoben zu werden. Ein weiterer, dreiecksförmiger Einbau aus Schichtholz trennt den Eingang vom Essbereich, während ein wandhoher Spiegel neben dem Badezimmer den Wohnraum optisch verlängert.
Asketischer Minimalismus
Bei der farblichen Gestaltung ließen die Architekten bewusst viel Zurückhaltung walten. Wände, Decken und Böden sind konsequent in Weiß gehalten, um das durch die drei zur Straße ausgerichteten Fenster einfallende Licht im gesamten Apartment zu reflektieren. Ein weißer Esstisch mit zwei ebenso weißen Stühlen bildet die Essecke, ein beigefarbener Vorhang dient der flexiblen Trennung von Wohn- und Schlafbereich, wo das Sofa sich zum Bett umfunktionieren lässt.
Terrazzo mit Fundsteinen
Vor dem Hintergrund der konsequent minimalistischen Innenarchitektur stechen individuelle Designdetails besonders hervor. Zum einen die vom Bewohner selbst gestaltete, organisch geformte Deckenleuchte aus farbigem Glas. Zum anderen die von den Architekten designten Terrazzoelemente mit auffälligen Geometrien aus Fundsteinen, die als Arbeitsfläche in der Küche, als Bodenbelag im Badezimmer und als Fensterbretter zum Einsatz kommen. Die ebenfalls maßgefertigten Schalter aus Edelstahl sorgen für weitere Hingucker.
In diesem Umbauprojekt ist weniger definitiv mehr: Mithilfe gezielt gesetzter Akzente und einem gekonnten Spiel mit der Wahrnehmung haben Gabrielė Šarkauskienė und Antanas Šarkauskas den Wohnraum optisch mindestens verdoppelt.
FOTOGRAFIE Darius Petrulaitis
Darius Petrulaitis
| Architekten | ŠA Atelier, Vilnius |
| Ort | Vilnius, Litauen |
| Typologie | Umbau |
| Fertigstellung | 2020 |
| Wohnfläche | 38 Quadratmeter |
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