Stadträume mit Zukunft
Vier Projekte für mehr urbane Aufenthaltsqualität im Freien
Viele Stadträume bleiben hinter ihrem Potenzial zurück, da sie privatisiert, wenig einladend oder nur eingeschränkt nutzbar sind. Vier Projekte zeigen, wie diese Orte zugänglicher, vielfältiger und attraktiver für Anwohner*innen gestaltet werden können.
Öffentliche Räume können mehr sein als bloße Durchgangs- oder Restflächen. Temporäre Pavillons, mobile Sportplätze sowie dauerhafte Spiel- und Aufenthaltsorte demonstrieren, wie Freiräume durch Angebote zum Gärtnern, Bewegen oder Begegnen neu belebt werden können. Flexible Strukturen, Bepflanzung und räumliche Vielfalt verbessern dabei nicht nur die Nutzungsmöglichkeiten, sondern auch die Atmosphäre und das soziale Miteinander in den jeweiligen Stadtvierteln.
Ein Gewächshaus für das Londoner Barbican-Quartier
Im Rahmen des London Festival of Architecture 2026 haben Studio Folk Architects und Raskl Studio die temporäre Installation The Veggery im Barbican-Quartier errichtet. Sie soll demonstrieren, wie städtische Freiräume genutzt werden können. Der pavillonartige Bau ist Gewächshaus, Treffpunkt und Veranstaltungsort zugleich und erweitert den öffentlichen Bereich des Barbican für einen Sommer um eine grüne, gemeinschaftlich nutzbare Struktur.
Formal verbindet die Installation spielerisch Gartenarchitektur mit dem Bestand des Londoner Kulturzentrums: Es ist ein hexagonaler, kuppelartiger Bau mit demontierbarem Holzrahmen und Anklängen an die gewölbte Dachlandschaft des Areals. Ausschlaggebend ist die soziale Dimension des Projekts. Die Bepflanzung und Gestaltung entstanden unter Beteiligung von Schüler*innen, Anwohner*innen und lokalen Gruppen. „Dieser Raum erfüllt viele Funktionen – er dient als Gewächshaus, Veranstaltungsort, Unterrichtsraum und Ort für die Mittagspause –, daher hoffen wir, dass jeder hier etwas findet, das ihm Freude bereitet“, sagt Patrick O’Keeffe, Mitbegründer und Direktor von Studio Folk Architects.
Rosafarbener Freiraumhybrid in Zürich
Im Herzen Zürichs hat das ungarische Studio Hello Wood ein ehemaliges Bahngelände in einen vielschichtigen urbanen Aufenthaltsort verwandelt. Dabei ist eine Art Freiraumhybrid entstanden: Das 2.500 Quadratmeter große Projekt kombiniert Gastronomie, Unterhaltungs- und Erholungsbereiche zu einer offenen, ganzjährig nutzbaren Anlage. „Die Menschen fühlen sich besonders, wenn sie die Remise Rosa betreten. Es ist ein Ort, der darauf ausgelegt ist, das innere Kind zum Vorschein zu bringen“, erklärt der leitende Architekt Balázs Szelecsényi.
Die Remise Rosa ist keine temporäre Intervention, sondern ein auf Beständigkeit und Alltagstauglichkeit ausgelegter Bau. Durch den hohen Vorfertigungsgrad der CLT-Holzkonstruktion konnte die Montage vor Ort schnell, präzise und vergleichsweise leise erfolgen – ein wichtiger Aspekt in einem dicht bebauten städtischen Umfeld wie Zürich. Der gesamte Komplex wurde in nur fünf Monaten errichtet. Das Design-and-Build-Modell von Hello Wood verbindet Entwurf und Ausführung eng miteinander. Im Kontext öffentlicher und halböffentlicher Stadträume setzt das Projekt ein Zeichen für eine Bauweise, die nicht nur gestalterisch überzeugt, sondern auch mit Blick auf die Nachbarschaft, Logistik und langfristige Nutzbarkeit zeitgemäß ist.
Temporäre Spielflächen in Logroño
Im Rahmen des Architektur- und Design-Festivals Concéntrico 2026 im spanischen Logroño hat Studio 2050+ die temporäre Installation Frontones Danzantes entwickelt, die die zunehmende Privatisierung und Kommerzialisierung öffentlicher Stadträume thematisiert. Als Gegenentwurf dazu realisierte das italienische Büro einen Sport- und Spielplatz auf einer urbanen Parkfläche. Dem liegt die Idee zugrunde, dass es lediglich einen Ball und eine Wand braucht.
Es entstanden drei mobile vertikale Flächen, die für das baskische Spiel Pelota sowie Basketball und Fußball genutzt werden können. Die Konstruktion lässt sich jederzeit erweitern oder auch für Klettern, Squash und weitere Sportarten nutzen. Das temporäre und flexible System schafft immer neue räumliche Situationen und einen fortlaufenden Dialog mit der umgebenden Architektur. Sport ist dabei nicht bloß Freizeitbeschäftigung, sondern ein Instrument städtischer Aneignung. Durch einen niederschwelligen und kostengünstigen Eingriff werden gemeinschaftliche Aktivitäten ermöglicht.
Spiellandschaft zwischen Olivenbäumen in Minudascht
In Minudascht im Nordosten Irans haben ZAV Architects einen Spielplatz gestaltet, der Natur, Landwirtschaft und Freizeit miteinander verbindet. In einem 40 Hektar großen Olivenhain ist neben einem agrarwirtschaftlichen Betrieb eine Spielwiese namens Cheshm Cheran Bazi entstanden. Die Landschaft sollte nicht nur reine Kulisse, sondern auch ein Bestandteil des Entwurfs sein.
Metallgitterelemente, die bei der Gestaltung des Hains verwendet wurden, bilden die zugrundeliegende Struktur für kreisförmige Plattformen, die sich zwischen und um die Olivenbäume herum schlängeln und mehrere Ebenen entstehen lassen. Die organisch geformten Podeste sind an dem Gitter abgehängt oder werden von ihm getragen. Die Konstruktion wird zum nebenstehenden Gebäude hin immer höher und schafft so eine ansteigende Verbindung zwischen Natur und Architektur. Integrierte Spielelemente wie Schaukeln, Rutschen und drehbare Flächen laden Kinder zum Erkunden und Entspannen ein.
Das Architekturbüro arbeitete mit lokalen Handwerker*innen und regionalen Herstellern an dem Projekt. Die Plattformen bestehen aus Metallprofilen, die durch ein Walzverfahren geformt wurden, und perforierten Kunststoffböden. Letztere ermöglichen Luftzirkulation sowie ein Spiel von Licht und Schatten, das zu einer intensiven Wahrnehmung der Gartenumgebung führt.
Studio Folk Architects
www.studiofolkarchitects.comRaskl Studio
www.raskl.co.ukHello Wood
hellowood.com2050+
2050.plusZAV Architects
zavarchitects.comMehr Projekte
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