Upcycling in Brooklyn
Orangeroter Aufsatz aus recycelten Überseekisten: ein Hausumbau für einen New Yorker Künstler und Galeristen.
Ein New Yorker Künstler und Galerist verwandelt ein früheres Kutschenhaus im Stadtteil Brooklyn in ein Wohnhaus für seine Familie. Nach Plänen des Architekturbüros LOT-EK wurde ein orangeroter Turm aus recycelten Überseekisten in die historischen Mauern eingefügt – der auf dem Dach in einen lichtdurchfluteten Loft-Kubus mündet.
Seecontainer sind sichere Kisten: Sie lassen unsere Gedanken reisen, ohne, dass wir uns dafür vom Fleck bewegen müssen. Sie bringen einen Hauch von weiter Welt an den Ort ihrer Aufbewahrung und kommen dabei auch noch mit einer industriellen Kühle daher, die nicht nur Architektenherzen höher schlagen lässt. Sie sind das Pendant zur Freitag-Tasche: ein recyceltes Überbleibsel des internationalen Warenverkehrs, aufgeladen mit Schrammen, Beulen und den verblichenen Namen großer Speditionen.
New York trifft Napoli
Dem Charme der vielreisenden Metallkisten ist auch ein New Yorker Künstler und Galerist verfallen. Im Stadtteil Brooklyn ließ er ein früheres Kutschenhaus aus den 1930er Jahren in ein Wohnhaus für seine Familie umbauen und übertrug die Pläne dem Büro LOT-EK. Die in New York und Neapel ansässigen Architekten Ada Tolla und Giuseppe Lignano haben sich einen Namen mit dem Upcycling von industriellen Materialien und Objekten gemacht, die ursprünglich nicht für den Einsatz in der Architektur gedacht waren.
Auch in Brooklyn blieb das Duo dieser Prämisse treu und pflanzte einen viergeschossigen Turm aus übereinander gestapelten Überseecontainern in die historischen Mauern hinein. Der Sinn und Zweck dieses Eingriffs ist von mehrfacher Natur: Die Container verbergen neu hinzugefügte Bäder, Toiletten, Ablagen und Treppen und dienen zugleich als Andockstation für eine Wohnküche. Erd- und Obergeschoss werden durch die Blechkisten in jeweils einen großzügigen Bereich zum Innenhof sowie einen deutlich intimeren Bereich zur Straßenseite gegliedert.
Rückzugsinsel im Freien
Vom Obergeschoss führen die Treppen direkt zu einen Loft-Kubus aus zwei verbundenen Seecontainern hinauf. Dieser erweitert den Wohnraum und dient zur Erschließung des Flachdaches, das nun als weitläufige Terrasse genutzt werden kann. Der Loft-Kubus wird zudem von einer Aussichtsplattform gekrönt: Zwei Containern mit fehlender Deckenverkleidung, die geradewegs so in der Höhe eingestutzt wurden, dass die Blicke über die Außenwände hinweg wandern können. Nehmen die Bewohner und Gäste des Hauses an diesem Ort auf Stühlen Platz, entsteht eine wind- und blickgeschützte Rückzugsinsel im Freien.
Ada Tolla und Giuseppe Lignano tauchten die Bleche der Seecontainer in kräftige Orange- und Rottöne, die zwar den Großteil der ursprünglichen Beschriftungen und Gebrauchsspuren eliminieren. Doch dafür wird ein klar lesbarer Bruch zwischen vorhandener und neu hinzu gefügter Bausubstanz erzeugt, der sich im Wechselspiel mit der schwarz-grau gestreiften Fassade bis aufs Straßenbild hinaus überträgt.
Fragmentierte Markennamen
Mit diagonalen Schnitten öffnen die Architekten den Container-Stapel zu seiner Umgebung – ein Prinzip, das beim Loft-Kobus zugleich von diagonalen Fensterbändern weitergeführt wird. Bei so viel Klarheit darf ein kleiner Bruch nicht fehlen: An den beiden Containern, die auf dem Dach in Richtung Innenhof zeigen, ist ein Teil der originalen Beschriftung erhalten geblieben. Nicht vollständig, sondern zu kurzen Textfragmenten eingekürzt, über deren Bedeutung die Bewohner fortan spekulieren können.
FOTOGRAFIE Danny Bright
Danny Bright
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