Viel Theater um die Black Box
Gelungene Vorstellung: Im Londoner Stadtteil Clerkenwell ließ sich ein Paar ein Loft in einer früheren Schuhfabrik ausbauen.
Der Trend, ausgediente Industriegebäude in Wohnraum umzubauen, boomt auch in der Hauptstadt Großbritanniens nach wie vor. Besonders viele Projekte dieser Art gibt es derzeit in Clerkenwell, einem der angesagtesten Viertel und kreativen Knotenpunkte Londons. Auch ein prominentes Paar aus der Theater- und Filmszene suchte sich diesen Stadtteil aus – für sein neues Zuhause, das in einer einstigen Schuhfabrik entstehen sollte.
In ein „architektonisches Spiegelbild der Persönlichkeit ihrer neuen Bewohner“ sollte die ehemalige Produktionsstätte für orthopädisches Schuhwerk verwandelt werden, und dabei insbesondere deren Theaterleidenschaft, aber auch familiäre Wurzeln und Souvenirs von gemeinsamen Reisen in Szene setzen. Dazu sollte der ursprüngliche Grundriss des einstigen Lagers trotz seiner funktionellen Komplett-Transformation beibehalten werden. Mit dem aufwendigen Umbau beauftragt wurde das in London ansässige Architektenbüro APA.
Inspirierender Feuerschutz
Von der ursprünglichen Einrichtung der Fabrikhalle bewahrte das Team um APA-Architekt Guillermo Lavernia lediglich zwei Elemente: die Rahmen der großzügigen Fensterflächen auf beiden Seiten des Gebäudes, ohne die sich der gewünschte Industrial-Stil nicht beibehalten ließe, und zwei schwere Brandschutztüren aus Metall. Letztere inspirierte die Architekten auch zur Gestaltung des Herzstückes des neuen Lofts: einem zentral eingebauten, multifunktionellen Kubus mit zahlreichen kleinen Highlights. Während sein Inneres das Badezimmer und einen kleinen Waschsalonsich beherbergt, befinden sich außen, verborgen hinter schiebbaren Stahlwänden dekorative Nischen, Stauraum, ein Bücherregal und ein Filmarchiv.
„Diese Metallbox ist wie ein Symbol unserer tagtäglichen Arbeit“, begeistern sich die Auftraggeber. „Wie sie die Architekten nach unseren Bedürfnissen und unserem Geschmack einrichteten, erinnert mich an unsere Aufgabe als Künstler, aus völliger Leere Bilder, Geschichten, Emotionen und Persönlichkeiten entstehen zu lassen“.
Würfel mit vier Seiten
Weil sich die Auftraggeber eine Strukur so offen wie möglich wünschten und deshalb fast gänzlich auf Türen und Trennwände verzichtet wurde, erfüllt das von den Architekten auf Black Box getaufte Volumen zudem auch die Rolle der grundsätzlichen Gliederung. Denn auf jeder Seite des Würfels ist je ein spezifischer Bereich für die elementaren Wohnbedürfnisse angeordnet: Schlafen, Essen, Arbeiten und Relaxen. Eine bewegliche Shoji-Wand vor dem halboffenen Schlafzimmer bildet dabei die einzige Tür der an sich wandfreien Wohnstruktur.
Universelle Souvenirs
Für das Paar, beide Freunde des japanisches Lifestyles, integrierte APA noch weitere Stilelemente, die typisch für das Land sind. So wurde eine Wand im Badezimmer etwa mit Motiven gefliest, die an japanische Steinmauern mit herabrauschenden Wasserfällen erinnern sollen. Zudem fügten die Architekten zahlreiche weitere Accessoires hinzu – zur Erinnerung an gemeinsame Reisen. Besonders gegenwärtig sind zudem Möbelstücke aus Eichenholz – zu Ehren des Großvaters der Auftraggeberin. „Wer massive Eiche im Wohnzimmer hat, hat es geschafft“, lautete dessen Fazit, nachdem seine Enkelin, eine bekannte Opern- und Theaterregisseurin, nun einen Schreibtisch mit angeschlossener Sitzbank, einen begehbaren Kleiderschrank sowie Regale im Badezimmer aus Eichenholz in einer kleinen Werkstatt in Litauen anfertigen ließ.
Gelungene Vorstellung
Beim Umbau der insgesamt 123 Quadratmeter großen Fabrikfläche ist dem APA-Team die Reduktion aufs Wesentliche gelungen. Und doch bleibt genügend Spielraum für eine persönliche Note und Wohnqualität. So wirkt das offene Apartment trotz seines fast ausschließlich auf Grautönen beschränkten Interieurs warm und einladend, und die großen Fenster sorgen tagsüber für viel Lichteinfall. Die Brandschutztüren fanden als Fronten eines Gläserregals in der Küche Verwendung. Absoluter Star in jeder Hinsicht ist zweifelsohne das Metallvolumen, das in der Nacht wie eine japanische Laterne strahlt und bei entsprechender Beleuchtung sogar wie eine dramatische Bühnenshow inszeniert werden kann.
FOTOGRAFIE Ed Reeve
Ed Reeve
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