Vor lauter Bäumen: Traumhaus im Tarnmantel
Dieses Ferienhaus im Norden Portugals bietet eine einzigartige Verschränkung von innen und außen.
„Einswerden mit der Natur“ oder „sich dem Kontext anpassen“ sind beliebte Floskeln in der Architektur. Im Falle des Cloaked Houses im Norden Portugals wird aus den Worthülsen allerdings gebaute Realität. Die Architekten verzichteten auf eine blickdichte Fassade und hüllten das Gebäudeinnere vollständig in Glas. Tarnung durch Transparenz.
Von der Straße aus ist das Haus kaum wahrzunehmen. Es liegt einige Meter unterhalb des Weges und inmitten von Kastanienbäumen und wildem Grün. Ein schmaler Bach wendet sich den Hang hinunter und schafft auch ein akustisch unberührt wirkendes, natürliches Szenario. Der Neubau fügt sich seiner Umgebung mit Hingabe und versucht erst gar nicht, mit ihr in Konkurrenz zu treten. Die einzigen, von außen wahrnehmbaren Elemente, die von dem portugiesischen Architekturbüro 3r Ernesto Pereira hinzugefügt wurden, sind eine Grundebene und ein Dach aus Beton. Dazwischen spannt sich der vollständig entblößte Wohnraum auf.
Kostenlose Heizung
Die Camouflage endet nicht mit der absoluten Durchsichtigkeit: Die Architekten platzierten den länglichen Baukörper exakt zwischen den Baumbestand. Dort, wo ein Baum im Weg steht, lassen sie das Volumen einfach zurückspringen. Es entstehen Situationen, in denen der Betrachter das Haus vor lauter Bäumen nicht wahrnimmt. Und das, obwohl er direkt vor ihm steht. Auch die breite und zum Tal hin über den Hang auskragende Terrasse wird an einigen Punkten von einem Gewächs durchbohrt – Verschränkung von Architektur und Natur in Perfektion.
Für Ernesto Pereira hat das Zusammenspiel mit der Landschaft einen einfachen Beweggrund: Im Sommer wird das Haus durch das dichte Blätterwerk vor der intensiven Sonnenstrahlung geschützt. Im Winter geschieht das genaue Gegenteil: Die umliegenden Laubbäume sind kahl, wodurch die Sonne das Innere des Gebäudes erwärmen kann. Auch der Beton in Boden und Decke trägt seinen Teil zum optimalen Klima bei. Er speichert die Wärme und gibt sie als kostenloser, vollflächiger Heizkörper wieder ab.
Drinnen im Draußen
Die steinerne Materialität ergänzen die Architekten durch ein gleichmäßiges Stützenraster und Einbauten aus Holz. Sie unterstreichen den Wunsch nach einer guten Beziehung zwischen innen und außen. Die unmittelbare Nähe von Möbeln zur Natur, die nur durch eine Glaswand getrennt ist, bietet ein einmaliges Erlebnis, das je nach Jahreszeit variiert. Der Rest ist purer Raum, der großzügig und offen um die Objekte herum fließt und den Bewohnern des Hauses das Gefühl vermittelt, im Grünen zu leben. Dieses wundersame und beinahe poetische Projekt wurde nicht nur durch den Ort inspiriert – es ist der Ort.
FOTOGRAFIE João Morgado
João Morgado
Cloaked House
Ferienhaus mit gläserner Fassade in Marco de Canaveses, Portugal / Baukosten: 100.000 Euro / Bauzeit: etwa 4 Monate
Mehr Projekte
Wenn Schatten Räume formt
Fünf Projekte mit einfachen Lösungen
Stille Monumentalität
Wohnhaus mit Meerblick auf Formentera von Marià Castelló
Maya-Erbe und Wüstenpoesie
Casa Skoura in Mérida von Enekén Studio
Blaue Welle als roter Faden
Umbau eines Strandhauses in Levanto von llabb
Entschleunigt im Olivenhain
Ferienhaus mit Pool von SOLUM in Apulien
Ruine als Ressource
Sommerhaus im Selbstbau von Lenka Milerová in Tschechien
Licht als Dirigent
Maisonette-Atelier in Paris von Martin Massé
Im Zeichen des Drachen
Apartment-Renovierung in Polen mit opulentem Storytelling von Karolina Rochman
Landhaus reloaded
Neubau aus Lehm und Abbruchmaterial von Tuckey Design Studio in Wiltshire
Erinnern und erneuern
Studio Loes gestaltet modernes Wohnen im Berliner Altbau
Luftige Hülle
Nachhaltiger Neubau von Peter Besley in Brisbane
Eine eigene Welt
Großzügiger Umbau eines schmalen, viktorianischen Reihenhauses in Sydney von Studio Carson Kelly
Ungleiche Zwillinge
Neubau mit Nähe zur Nachbarschaft von Wadhal in London
Glamping in Japan
Naturnahes Tiny House aus heimischem Holz von Pan-Projects
Radikale Wunderkammer
Ein Rundgang durch das Apartment MOM von J. Mayer H. in Berlin
Geheilter Bestand
Umbau und Erweiterung eines Fuhrwerkerhauses in Düsseldorf von Nidus
Im Rhythmus des Alltags
Unkonventioneller Umbau in Barcelona von Skye Maunsell und Jordi Veciana
Neubau mit Seele
Wohnhaus der Innenarchitektin Julie Thiers in Flandern
Spuren im Bestand
Umbau einer Villa in Posen von Adam Wierciński
Mehr Raum als Quadratmeter
Wohnungsumbau Casa JAM von gon architects in Madrid
Salbeigrün in Florenz
Sanierung einer historischen Villa in Florenz von bucci quentin
Hierarchie in Blockfarben
Apartment für zwei in Mailand von Marabelli Marongiu Architetti
Das Erbe des Freibeuters
Restaurierung eines Stadthauses in Katalonien von Raúl Sánchez
Klangfarben des Wohnens
Apartment in Minsk für einen Musikliebhaber von Mihail Kurnosov
Alles in Butter
Constanze Ladner kleidet eine Wohnung bei Wiesbaden in sanftes Gelb
Wohnen im Werden
Tifliser Hausmodernisierung von David und Alexander Brodsky
Sensibel, aber kompromisslos
Ferienhaus von STEINBAUER architektur+design in Waidmannsbach
Hinter die Fassade geschaut
Umbau in Ostflandern: Objekt Architecten im Dialog zwischen Tradition und Moderne
Fort im Forst
Ringbau von Fernanda Canales im mexikanischen Valle de Bravo
Räume ohne Raster
Ein radikal geöffneter Grundriss von RDTH architekti in Prag