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Wohnen nach Farben

Studentenresidenz von Masquespacio in Bilbao

Statt auf physische Grenzen setzt das spanische Designstudio Masquespacio in seinem Interior für ein Studentenhaus in Bilbao auf einen Color-Code als Funktionsbegrenzer. Blockfarben zonieren die fluiden Gemeinschaftsbereiche. Sie werden zum erweiterten Wohnraum der Studierenden, die auch von den kommunikativen Vorteilen dieser Bereiche profitieren.

von Tanja Pabelick, 22.03.2021

Zu Bilbao fällt Besuchern wohl zuerst das Guggenheim Museum ein, mit seinem ikonischen, kühn gewundenen Gebäude und seiner in der Sonne glänzenden Fassade. Weniger bekannt ist hingegen, dass Bilbao eine der größten Studentenstädte Spaniens ist. Von Mitte September bis Juni gehören die Hochschüler*innen zum Stadtbild, in den heißen Sommermonaten hingegen kehren viele in ihre Heimatorte zurück. Wer nicht an seinem Universitätsort bleibt, wohnt in Spanien gern möbliert auf Zeit. Das Konzept des Student Housing, eine Mischung aus temporärer WG, Hotel und Hostel, ist für Einheimische und Erasmus-Studierende eine unkomplizierte Alternative zu langfristigen Mietverhältnissen. Gerade hat die Kette Resa, die insgesamt 40 Häuser in Spanien verwaltet, in Bilbao ihre zweite Residenz eröffnet – und damit auch eine strategische Neuorientierung eingeleitet.

Gemeinschaft als Raumerlebnis
Das für seine mutigen Farbkonzepte und eine extravagante Ästhetik bekannte Designbüro Masquespacio hat erst kürzlich die Gestaltung der Markenidentität von Resa übernommen – und zeigt bereits mit dem ersten Haus aus seiner Feder, dem San Mamés in Bilbao, wo die Reise hingeht: Der Komplex räumt dem Wohnen ebenso viel Raum ein wie allen anderen studentischen Aktivitäten – und ist ein buntes, tropisches und avantgardistisches Universum mitten in der Stadt. „Während der Entwicklung des Markenleitfadens haben wir neben der Definition einer visuellen Strategie auch nach dem Wesen der Studentenhäuser von Resa gesucht. Während dieser Recherche wurde klar, dass es wichtig ist, die Möglichkeiten für die Student*innen auszuweiten – damit sie Erfahrungen als ‚Gemeinschaft' im Raum teilen können“, erzählt Christophe Penasse, der Masquespacio gemeinsam mit seiner Partnerin Ana Milena Hernández führt.

Ein Archipel aus Funktionsinseln
In der neuen Wohneinheit sind die Gemeinschaftsräume ebenso wichtig wie die Zimmer der Student*innen. Alle Funktionen, die nicht unmittelbar mit dem Schlafraum oder dem Badezimmer verknüpft sind, wurden ausgelagert. Die Wohneinheiten orientieren sich in ihrer Größe an der eines durchschnittlichen Hotelzimmers: Bett, eine Kochnische und ein Bad finden darin Platz – die Gemeinschaftsbereiche sind dafür weitläufig und vielseitig. Es gibt ein Fitnessstudio, eine Bibliothek mit Arbeitsplätzen, eine Mensa und Areale zur Entspannung, wie eine Lounge und eine Terrasse. Die verschiedenen Zonen gehen als durchlässiges Layout ineinander über, indem sie wie rechteckige Inseln auf der weiten Fläche platziert sind. Manche Bereiche, wie die Studienräume, lassen sich bei Bedarf über faltbare und verschiebbare Glaswände oder schwere Vorhänge abtrennen.

Color-Blocking als Leitsystem
Die kräftigen Farben des Interieurs wirken wie ein Leitsystem. Jedes Areal hat eine eigene Farbe. Der Lernbereich ist ultramarinblau, die Kantine pistaziengrün und die Vortragsarena mit ihrer Treppe als Zuschauerrang setzt ganz auf Gelb. Das Konzept von Masquespacio ist bis ins Detail konsequent. Ana Hernández, die Kreativdirektorin, erklärt das Farbkonzept: „Indem wir die Technik des Color-Blocking eingesetzt haben, wurde eine starke visuelle Raumwirkung geschaffen – während die Zonen in dem offenen Raum sich klar voneinander abgrenzen.“


Interventionen fürs Budget
Eine wichtige Anforderung der Auftraggeber haben die Gestalter*innen allerdings gut verborgen: das limitierte Budget. Um das einzuhalten, haben sich Masquespacio schon bei der Konstruktionsphase des Gebäudes an der Auswahl der Oberflächen und der Ausstattung beteiligt. Indem beispielsweise Ziegelwände und Betonböden eingeplant wurden, ließ sich die nachträgliche Verkleidung und Auslage vermeiden. Auch Rohre und Elektroinstallationen wurden sichtbar auf Putz verlegt, was in der Bauphase Kosten reduziert hat und als zeitgenössisches Stilelement in das Interieur integriert wurde. Erleben kann das Wohnen in der Residenz übrigens auch, wer keinen Studentenausweis hat: Je nach Verfügbarkeit lassen sich die Zimmer nächte- oder wochenweise als Hotelalternative buchen.

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Links

Innenarchitektur

Masquespacio

www.masquespacio.com

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